Nachwuchsfußball: Emotionen am Rande des Grüns. Wenn Eltern empfindlicher als ihre Kinder sind, wird es mitunter laut.

Von Bernhard Schiesser und Armin Grasberger. Erstellt am 12. März 2019 (04:00)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Erwachsenen Sportplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Die Seelenlage rund um den Nachwuchskick im Bezirk Scheibbs darf allerdings als entspannt bezeichnet werden. „Klar gibt es immer wieder Eltern, mit denen das Temperament durchgeht“, sinniert Markus Wippl, Nachwuchsleiter des SC Wieselburg. „Davon, dass die Stimmung in letzter Zeit aggressiver geworden wäre, kann jedoch keine Rede sein.“ Der Plakatkampagne des NÖFV kann Wippl trotzdem etwas abgewinnen. „Es schadet sicher nicht, die Eltern hin und wieder an die richtigen Umgangsformen auf und rund um den Fußballplatz zu erinnern.“

Elternabende und Rote Karten

Welche Mittel werden in der Braustadt eingesetzt, um dahingehend zu sensibilisieren? Wippl erklärt: „Pro Nachwuchsteam und Halbjahr halten wir jeweils einen Elternabend ab. Der ist aber nicht nur für die Erziehungsberechtigten interessant, sondern auch für uns Trainer. Wir machen natürlich auch hin und wieder Fehler. An den besagten Abenden können wir uns dann austauschen und somit schon im Vorfeld zur Entspannung beitragen.“

Hermann Loibl hat in seinen vielen Jahren als Nachwuchstrainer des SC Gresten-Reinsberg viel gesehen und erlebt. Der ehemalige Kapitän der Kampfmannschaft ist seinem SCG nach der aktiven Karriere verbunden geblieben und findet sich heute als stellvertretender Nachwuchsleiter im Vorstand der Erlauftaler wieder. Seine Einschätzung: „Eltern sind oft emotionaler als ihre Kinder. Deshalb ist während der Spiele auf den Tribünen immer was los. Besonders dramatisch oder aufregend ist das aber nicht.“

Sein Rezept, falls sich ein übermotivierter Papa oder eine übermotivierte Mama im Ton vergreift: „Ich habe immer eine Rote Karte mit. Und die setze ich auch ein“, erzählt er lachend. „Wenn ich das Gefühl habe, es wird zu viel, dann verdonnere ich den Störenfried zum Kantinendienst.“ Das funktioniert? „Das funktioniert sehr gut!“

In einem Punkt sind sich Wippl und Loibl einig: Probleme können nur durchs Reden aus der Welt geschafft werden. Loibl: „Wir sind ein kleiner Verein, die Verbindung zu den Eltern unserer Spieler ist deshalb gut. Wenn etwas vorfällt, stellen wir uns nach dem Spiel mit einem Bier zusammen und reden drüber.“

Markus Wippl hat abschließend einen guten Rat für alle Fußball-Eltern: „Wir müssen den Kindern unbedingt die Freude am Spiel lassen. Ihnen ist das Ergebnis oft weniger wichtig als ihren Eltern.“

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