Nichtrauchergesetz: „Dann gehe ich nicht mehr fort“. Sowohl bei Wirten als auch bei Rauchern gehen Meinungen über das Rauchverbot noch immer weit auseinander.

Von Karin Katona. Erstellt am 05. November 2019 (03:45)
nna Faltner
Den 31. Oktober und damit letzten Rauchertag nutzten Gäste und Mitarbeiter im Wieselburger Lokal „Zwiesl“ noch bis zum letzten Zug: Wirt Hannes Heindl, Leopold Aigner, Bianca Berger und Wolfgang Harmer. Anna Faltner

Jetzt hat es sich endgültig ausgequalmt. Seit 1. November gilt österreichweit das Nichtrauchergesetz in Lokalen. Für manche Nichtraucher vielleicht ein Freudenfest, für Raucher, Nachteulen und einige Wirte eine Katastrophe. „Dann gehe ich halt nicht mehr fort. Ich werde auch bestimmt keinen Kaffee mehr in einem Lokal bestellen. Denn da gehört die Zigarette dazu. Das ist dann nicht mehr gemütlich“, ärgert sich eine Pensionistin am 31. Oktober während des Mittagessens in ihrem Stammlokal – dem Kurvenwirt in Purgstall.

Direkt nach dem Essen zündet sie sich eine Zigarette an. „Den letzten Tag muss ich ja noch ausnutzen. Ab sofort müssen wir Raucher ja daheim bleiben“, sagt sie. Mit dem Nichtrauchergesetz kann sie sich ganz und gar nicht anfreunden. „Die armen Wirte werden das bestimmt auch bald spüren“, meint sie zum Abschluss.

Nachgefragt bei der jüngeren Generation ist das Rauchverbot im Lokal nicht gar so schlimm. „Dann gehe ich halt zum Rauchen raus. Ich verstehe nur nicht, warum man den Gastronomen zuerst eigene Raucherräume bauen lässt, und dann sowieso alles abschafft. Das hätten sie auch gleich machen können, dann hätten sich viele etwas erspart“, hat die junge Frau kein Verständnis. Mit Namen und Foto wollte übrigens keine der Raucherinnen in die Zeitung.

„Die Umstellung war überhaupt kein Problem. Die Raucher sind automatisch hinaus- gegangen.“Franz Helmel, Schistadl Lunz

Die Begeisterung über das Rauchverbot hält sich auch bei den Gastronomen in Grenzen. Eine Lüftungsanlage um mehrere 100.000 Euro hat Hannes Heindl, Wirt des Brauhauses in Wieselburg, in sein 2015 eröffnetes Lokal eingebaut. „Wir haben den Nichtraucherschutz äußerst ernst genommen und mehr als die Vorschriften erfüllt“, sagt Heindl. „Rauchen war ohnehin nur in einem Teil unseres Lokals, der Zwies‘l-Bar, erlaubt. Im Außenbereich werden wir jetzt Möglichkeiten für Raucher schaffen. Aber wie es langfristig weitergehen wird, muss sich erst zeigen.“

Nach den ersten rauchfreien Monaten wird der Brauhaus-Wirt ein erstes Resümee ziehen. „Sollte sich zeigen, dass das Rauchverbot einen Umsatzeinbruch verursacht, wird man sich eine alternative Nützung des Hauses überlegen müssen. Dann gibt es eben ein bodenständiges Wirtshaus weniger“, sagt Heindl verbittert. Die Kosten für die Lüftungsanlage will er einklagen. „Ich sehe nicht ein, dass ich so viel Geld für nichts investieren musste. Wenn ich auch keinen Erfolg habe, bringt es wenigstens Publicity ein.“

Frustriert ist auch Bezirks-Wirtesprecher Sepp Wondraczek aus Oberndorf. „Die Art, wie dieses Gesetz letztendlich zustande gekommen ist, stinkt zum Himmel. Aber jetzt ist es Fakt und wir müssen es so hinnehmen. Jammern hilft uns nicht weiter.“ Das Hin und Her rund um den Nichtraucherschutz habe vor allem jene Wirte getroffen, die viel Geld investiert hatten, um in ihren Lokalen Nichtraucherzonen zu schaffen. „Die Gastwirte haben viel Geld in die Hand genommen, das ist jetzt für die Katz. Und die Refundierung vom Staat dafür waren ein paar Hundert Euro – lächerlich.“ Das Rauchverbot sei ein weiterer Schlag für die Wirte: „Seit 30 Jahren werden die Kleinunternehmer durch die Gesetzgebung geradezu zum Aufhören gezwungen. Aber die Gastronomie ist die Branche, die die meisten Watschen abbekommen hat.“

Auf die Umstellung mit 1. November hat sich Familie Helmel vom Schistadl in Lunz intensiv vorbereitet – und im Außenbereich einen eigenen Raucherbereich für ihre Gäste eingerichtet. „Wir haben gesetzesmäßig umgestellt und es war überhaupt kein Problem. Die Raucher haben sich ausgekannt, als keine Aschenbecher mehr da standen, und sind automatisch hinausgegangen“, erzählt Franz Helmel begeistert. Übrigens: Vor rund zehn Jahren hat Helmel ebenfalls ein Gesetz befolgt und einen eigenen Nichtraucher-Zubau errichtet. „Genutzt werden sowieso alle Räumlichkeiten – nun als Nichtraucherräume.“

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