Teures Heizmaterial: „Pellets sind das neue Klopapier“

Erstellt am 03. August 2022 | 04:23
Lesezeit: 4 Min
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Herbert Leichtfried, Obmann der Fernwärmegenossenschaft Gresten, beruhigt: „Wir haben genug Biomasse-Material, sodass es zu keinen Lieferproblemen von Wärme kommen wird.“
Foto: Fernwärmegenossenschaft Gresten
Aus Angst vor Lieferengpässen schießen Pellets-Bestellungen auch im Bezirk Scheibbs durch die Decke. Lieferanten beruhigen: „Für alle genug da.“

Eine Pelletsbestellung bei einem der großen Pelletslieferanten der Region gestaltet sich dieser Tage mitunter als nicht so einfach. Zum einen sind die Leitungen oft besetzt, zum anderen muss man sich den Gedanken an eine schnelle Lieferung aktuell abschminken.

Man kommt auf die Bestell- bzw. Warteliste und frühestens im Oktober an die Reihe, sofern der Tank noch nicht total leer ist oder es um eine Erstbefüllung einer neuen Anlage geht. Den dann zu erwartenden Preis kann jetzt ohnehin noch keiner genau sagen. In Deutschland sind die Preise bereits bei 650 und 750 Euro pro Tonne. Die heimischen Lieferanten schließen nicht aus, dass es auch bei uns in diese Richtung geht.

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Harald Essmeister aus Neumarkt garantiert: „Jeder wird seine Pellets bekommen.“
Foto: Shutterstock/Essmeister

„Die Nachfrage ist aktuell enorm. Die Leute sind durch die Berichte verunsichert, fürchten, sie bekommen nicht genug Heizmaterial für den Winter. Daher bestellen alle jetzt und wollen die Lieferung am besten gleich morgen. Aber das ist aktuell schon rein logistisch einfach nicht machbar.

Wir schaffen es trotz neun Lkws, die permanent fahren, nicht. Außerdem kommen auch die Pelletsproduzenten der Nachfrage nicht mehr nach. Pellets sind das neue Klopapier“, vergleicht Harald Essmeister, Geschäftsführer der Firma Essmeister mit Hauptsitz in Kemmelbach, die aktuelle Pellets-Situation mit den leeren Klopapier-Regalen in den Supermärkten zu Pandemiebeginn 2020. „Aber genauso wie es damals genug Klopapier für alle gegeben hat, wird es auch heuer für alle genug Pellets geben“, versichert Essmeister.

Dass Wartezeiten keine Seltenheit mehr sind, weiß auch der Spartenleiter für Agrar und Energie des Lagerhaus Mostviertel-Mitte Walter Kern: „Wir nehmen Bestellungen gerne an, bei der Auslieferung kann es aber zu Verzögerungen kommen. Es gibt weniger Angebot, die Nachfrage wird aber immer höher, daher kommt es zu Knappheiten.“ Kern rät den Kunden, die Ruhe zu bewahren und nur das Nötigste zu erwerben: „Man sollte nur das einlagern, was man heuer braucht, nicht für zwei Jahre.“

Pellets richten sich nach dem Gesamtenergiemarkt

Dass sich der Preis für Pellets mehr als verdoppelt hat, kann Essmeister genauso nachvollziehen wie den Ärger der Endverbraucher über diese Verteuerung. „Pellets sind Energie und richten sich nach dem Gesamtenergiemarkt. Die Energiepreise sind aber gestiegen genauso wie die Produktionspreise der Pellets selbst. Sägespäne reichen aufgrund der hohen Nachfrage für die Produktion nicht mehr aus. Es muss auch Faserholz verarbeitet werden. Das muss man alles berücksichtigen. Außerdem im Vergleich zu Gas-, Strom oder Öl sind Pellets immer noch verhältnismäßig billig. Wir dürfen nicht vergessen zwei Tonnen Pellets entsprechen 1.000 Liter Öl. Außerdem haben wir bei den Pellets die Wertschöpfung im eigenen Land und ein CO₂-neutrales Produkt“, erläutert Essmeister.

Keine Sorgen über Versorgungsengpässe oder erhebliche Preissteigerungen müssen sich aktuell die Abnehmer der heimischen Fern- und Nahwärmegenossenschaften machen. „Unsere 59 Genossenschaftsmitglieder haben 2.000 Hektar Wald und damit genug Rohstoffe, dass wir die jährlich benötigten 18.000 Schüttraummeter Biomasse für unsere fünf Heizwerke inklusive der Stromerzeugung aufbringen. Auch preislich brauchen unsere 350 Wärmeabnehmer mit keinen großen Sprüngen nach oben zu rechnen“, ist Martin Henikl, Obmann der Fernwärmegenossenschaft Scheibbs, überzeugt.

Ähnliches vermeldet Herbert Leichtfried, Obmann der größten Fernwärmegenossenschaft im Bezirk, jener in Gresten. Deren 77 Mitglieder versorgen in Kooperation mit Cycle energy Gresten über 500 Wärmeabnehmer. Tendenz steigend. „Normalerweise haben wir jährlich so um fünf Neukunden pro Jahr, in den letzten Wochen sind es schon 14 Häuser, die wir neu angeschlossen haben beziehungsweise anschließen werden. Die Leute wollen vor allem weg vom Öl“, schildert Leichtfried und beruhigt bezüglich Preissteigerung. „Wir haben den aktuellen Energieholzindex noch nicht. Aber Ende Juni lag der bei plus fünf Prozent. Ich rechne mit einer bösartigen Überraschung.“

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