Zukunft der Landwirtschaft: Weniger Höfe, aber mehr Bio. Trotz höherem Qualitätsbewusstseins kämpfen Bauern mit Preisdruck, Hofnachfolge und Klimawandel.

Von Karin Katona und Claudia Christ. Erstellt am 22. Oktober 2019 (03:23)
Renate Temper, Veronika und Franz Wischenbart kaufen auf dem Purgstaller Bauernmarkt gern Fleischprodukte von Johannes Hauer. Katona
Katona

Sein 25. Jubiläum feierte der Purgstaller Bauernmarkt am vergangenen Freitag. Seit zwölf Jahren findet man unter den Standlern in der Feichsenallee Johannes Hauer aus Steinakirchen: In der Vitrine vor ihm eine breite Palette von Fleischprodukten, vom Geselchten über Speck, Blunz‘n bis Fleischknödel, alles vom Schwäbisch-Hällischen Schwein.

"Immer mehr Stammkunden"

„Im Lauf der Jahre sind die Stammkunden immer mehr geworden. Viele kommen mittlerweile auch von auswärts,“ sagt der junge Schweinezüchter. Er ortet bei den Konsumenten einen starken Trend zu Lebensmitteln direkt vom Produzenten: „Die Kunden schätzen, dass die Waren hausgemacht sind und nicht aus Massenproduktion stammen. Ich glaube, hier liegt die Zukunft der Landwirtschaft, zumindest für die kleineren Betriebe.“ Der direkte Kontakt mit dem Kunden erfordere aber auch hohes Qualitätsbewusstsein: „Wir bieten ein hochqualitatives Nischenprodukt an. Der Kunde erwartet sich etwas Besonderes, und das bekommt er auch.“

Positiv für den Kunden sieht Johannes Hauer auch die diversen Güte-Auszeichnungen für bäuerliche Produkte: „Wir haben im vorigen Jahr eine ‚Genuss-Krone‘ erhalten – das ist für uns eine tolle Bestätigung und zeigt dem Kunden, dass er bei uns etwas Gutes bekommt.“

Generell hat die Landwirtschaft mit einem enormen Preisdruck zu kämpfen. „Bei Milch, Obst und Fleisch bleibt nur rund ein Sechstel des Verkaufspreises beim Produzenten. Der Rest geht für Verpackung, Transport und andere Kosten auf“, erklärt Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Krenn. Und die Aussicht auf das Mercosur-Abkommen lässt die Ängste der Bauern im Bezirk weiter wachsen. 

„Abgesehen vom enormen CO -Ausstoß werden wir dem irrsinnigen Preisdruck, der da auf uns zukommen würde, nicht standhalten können“, sagt Krenn. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe würde weiter schrumpfen. Insgesamt 300 Betriebe haben ohnehin in den vergangenen zehn Jahren im Bezirk ihre landwirtschaftliche Produktion eingestellt: „Im Jahr 2009 waren es 1.800, jetzt stehen wir bei 1.500 Betrieben“.

Klimawandel erschwert Arbeit

Grund für Hofschließungen ist neben dem Preisdruck oftmals auch die fehlende Hofnachfolge. Viele Bauern müssen laut Krenn sowieso schon neben der Landwirtschaft arbeiten: „Da fällt die Entscheidung, gleich ganz in den Beruf einzusteigen, oftmals nicht schwer“.

Erschwert wird die Arbeit der Landwirte jedoch durch den Klimawandel. „Wir sind da die Hauptbetroffenen, denn der Boden ist unser Kapital“, sagt Krenn. Dürreperioden und in Folge Ernteausfälle sowie die Borkenkäferplage machen die Veränderungen bereits deutlich spürbar.

Insgesamt werden im Bezirk 29.000 Hektar landwirtschaftlich genutzt, 8.500 Hektar (29 %) davon sind biologisch bewirtschaftete Wiesen und Äcker. „Der Anteil der Bio-Betriebe wird glücklicherweise immer höher“, freut sich der Bezirksbauernkammer-Obmann.

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