Josef Leitner: „Meine Zeit gehört Wieselburgern“. Einen Tag nach seiner Wahl zum Bürgermeister stand Josef Leitner der NÖN in seinem neuen Amtszimmer Rede und Antwort.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 16. April 2019 (05:01)
Eplinger

NÖN: Herr Bürgermeister, wie waren Ihre ersten 22 Stunden als Bürgermeister? Hat sich in Ihrem Leben etwas verändert, außer dass Sie Ihren Status auf Facebook geändert haben und auch dort offiziell begonnen haben, als Bürgermeister der Stadt Wieselburg zu arbeiten?

Josef Leitner: Meine Familie und ich sind heute ganz normal in den Tag gestartet, sprich meine Frau Elvira und ich mussten die Kinder mobilisieren und danach begann mein erster Tag als Bürgermeister. Für diesen hatte ich mir freigenommen, um viele Gespräche führen zu können. Und das tat ich auch – über laufende Projekte und mit den Gemeindemitarbeitern vom Rathaus und Bauhof. Im Grunde bin ich beim Betreten des Rathauses gleich ins Geschäft eingestiegen, wobei dass nicht so schwer war, weil ich praktisch in alle laufenden Projekte schon involviert bin.

Sie haben sich heute freigenommen – das heißt, Sie werden das Bürgermeisteramt neben Ihrem Beruf als Leiter der Abteilung Betriebsservice und Funktionärsausbildung bei der Arbeiterkammer Niederösterreich ausüben?

Leitner: Ja. Ich habe aber meine Stunden bei der Arbeiterkammer reduziert und werde auch fixe Tage am Gemeindeamt in Wieselburg tätig sein. Aber das muss sich erst in den nächsten Wochen einspielen.

Damit wird aber ihr Team auch stärker in die Pflicht genommen?

Leitner: Durchaus, aber das ist auch so abgesprochen. Ich habe mit Peter Reiter, der mich vor rund 25 Jahren zur Politik und schließlich auch in den Gemeinderat gebracht hat, einen ausgezeichneten Vizebürgermeister und Freund – ja auch in der Politik kann man Freunde haben (lacht). Aber auch alle übrigen Stadt- und Gemeinderäte sind sehr engagiert, sodass wir die Arbeit etwas mehr verteilen werden.

Gehen wir zum gestrigen Abend zurück. Sie sind fast einstimmig gewählt worden – nur ein Stimmzettel blieb leer. Hat Sie dieses Ergebnis gefreut?

Leitner: Ja , es war ein großer Vertrauensvorschuss, den ich rechtfertigen will. Man hat gestern bei dieser sehr stimmigen Sitzung und der anschließenden Feier gespürt, dass das Arbeitsklima im Rathaus und zwischen den Fraktionen und Mandataren passt. Und ich war gestern in Anwesenheit von meiner Familie und vielen Freunden und Wegbegleitern echt gerührt. Die Wahl ist mir nahegegangen.

Da war die Stimmung, als Sie 2008 zum Landeshauptmann-Stellvertreter von Erwin Pröll gewählt wurden frostiger – oder?

Leitner: Es ist für mich eine sehr interessante Lebensphase gewesen, die ich hinter mir gelassen habe und auch dort belasse. Ich werde mich nicht mehr landes- oder bundespolitisch engagieren. Ich bin nun Bürgermeister von Wieselburg und das bin ich gerne und mit vollem Herzen.

Das heißt, es sollen auch keine weiteren Ämter in der Region oder der Partei dazukommen?

Leitner: Nein, definitiv nicht. Ich möchte meine Zeit viel lieber mit den Wieselburgerinnen und Wieselburgern verbringen, mich um ihre Anliegen kümmern und unterhalte mich lieber mit den Bürgern auf der Parkbank. Dafür will ich mir Zeit nehmen. Nicht für irgendwelche anderen Ämter oder Funktionen. Da habe ich in meinem Leben schon genug Erfahrungen gesammelt.

Nach Ihrem Rückzug aus der Landespolitik 2013, kam zwei Jahre später Ihr Polit-Comeback als normaler Gemeinderat. Schon damals auf Wunsch von Günther Leichtfried. Wie schwer war es jetzt, Sie vom normalen Gemeinderat zum Bürgermeisterkandidaten zu gewinnen?

Leitner: Vor den Wahlen 2015 haben mich Günther Leichtfried und Peter Reiter gebeten, wieder im Gemeinderat aktiv tätig zu werden. Und die kommunale Arbeit liegt mir im Blut. Etwas mitzugestalten und unmittelbar das Feedback zu bekommen, macht einfach irrsinnigen Spaß. Noch dazu hat man in Wieselburg auch die Möglichkeiten zu gestalten. Dennoch bedurfte es intensiver Diskussionen mit der Fraktion und lange Überlegungen meinerseits – besonders auch in Abstimmung mit meiner Familie. Denn ohne die volle Unterstützung meiner Familie, hätte ich mich nicht bereit erklärt, dieses Amt zu übernehmen.

Sie sind in den letzten Jahren oft mit Ihrer Familie bei Veranstaltungen gewesen. Man darf also annehmen, dass dies auch als Bürgermeister so sein wird?

Leitner: Ja, wenn der Anlass passt, dann werden mich meine Frau und/oder meine Kinder auch als Bürgermeister auf Veranstaltungen begleiten. Ich will das auch so leben.

Gehen wir zu den Vorhaben. In Ihrer Antrittsrede haben Sie eine breite Palette an Projekten gespannt, die Sie in naher Zukunft angehen beziehungsweise umsetzen wollen. Von neuen und alten Wegen in der Kommunikation mit den Menschen, über die Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, der Gesundheitsversorgung bis hin zum naturnahen Freizeit- und Erlebnisraum, dem Umsetzen des Radweg- und Mobilitätskonzeptes, der Entwicklung eines neuen Wohnbaufördermodells oder der Nutzung der sich durch die Umfahrung eröffnenden Potenziale für die Region. Ist das ein Fünf-Jahres-Plan oder haben Sie vor, das alles heuer noch umzusetzen?

Leitner: Umsetzen werden wir nicht alles im heurigen Jahr können. Aber es sind heuer noch viele wichtige Entscheidungen zu treffen. Absolute Priorität liegt in der Gesundheitsversorgung und beim Thema Umfahrung. Da sind heuer die Weichen zu stellen, wie wir die sich ergebenden Potenziale nutzen wollen – in puncto innerstädtischer Entwicklung und City-Management als auch bei den Grundstücken rund um die Umfahrungstrasse. Das ist durchaus Entwicklungsraum für Gewerbe, Industrie und Forschung, muss aber eng mit unseren Nachbargemeinden abgestimmt werden. Hier steht überhaupt an oberster Stelle, die schon gute Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.

Sie haben auch angesprochen, gemeinsam mit der Stadt Ybbs und Bürgermeister Alois Schroll eine starke Achse entwickeln zu wollen. Gibt es konkrete Ideen?

Leitner: Ja, eine gemeinsame Vermarktung von Ybbser Hallenbad und Wieselburger Freibad liegt irgendwie auf der Hand. Gleiches gilt für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs in der Region mit Einbeziehung der Ybbser Verkehrsbetriebe. Da schlummert noch Potenzial.


Sie haben gestern in Zusammenhang mit der Gemeinde Wieselburg-Land auch Wolfgang Ambros zitiert: Ein Wieselburg, zwei Gemeinden – und langsam wachs ma z‘sam. Wie darf man das interpretieren?

Leitner: So wie ich es gesagt habe . Nicht mehr und nicht weniger. Das ist so mit meinem Wieselburg-Land-Amtskollegen Karl Gerstl abgestimmt. Es passiert schon sehr viel gemeinsam, wie etwa das Tagesbetreuungszentrum oder der FF-Haus-Neubau als jüngste Beispiele. Dieses gemeinsame Tun wollen wir weiter forcieren.

Günther Leichtfried hatte als besonderes Steckenpferd auch den Umwelt- und Energiebereich. Er bleibt daher vorerst auch Leiter des 5e-Arbeitskreises. Muss man fürchten, dass das Engagement der Gemeinde ohne Leichtfried in diesem Bereich zurückgeht?

Leitner: Nein, in keinster Weise. Wir steigen hier sicher nicht vom Gaspedal, sondern wollen im privaten und öffentlichen Bereich noch einiges umsetzen, dass wir konzeptiv bereits festgezurrt haben. Diese Energie- und Umweltpolitik ist ein Alleinstellungsmerkmal von Wieselburg. Und ich bin Günther sehr dankbar, dass er uns als Koryphäe in diesem Bereich erhalten bleibt.

Angesprochen haben Sie auch ein mögliches neues Wohnbaufördermodell. Gibt es hier Konkretes?

Leitner: Noch nicht, aber es gibt Gedanken und Gespräche mit Wohnbaugenossenschaften und privaten Bauträgern. Es geht darum, dass sich im Wohnbau die Baukosten durch moderne, eingebaute Technologien und die gute Baukonjunktur erhöhen und die Grundstückspreise steigen. Jetzt gibt es aber Menschen, die sich abseits der Miete einen zusätzlichen Bau- und Grundkostenanteil nicht leisten können. Da muss uns eine Lösung einfallen. Das wird aber sicher nicht einfach.

Zum Abschluss eine Frage: Sie sind erst der vierte Bürgermeister in der 43-jährigen Geschichte der Stadtgemeinde Wieselburg und jetzt erst 47 Jahre alt. Ihr Vorgänger trat nach fast 22 Jahren kurz vor seinem 70er ab. Wenn man da nachrechnet, dann ...?

Leitner (lacht): Ich bin gekommen, um zu bleiben. Aber 22 Jahre sind eine sehr hohe Hürde, die Günther vorgelegt hat. Schauen wir einfach einmal.

Umfrage Erlauftal

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