Aus für Lifte in Lackenhof: „Wir sind echt fassungslos“

Erste Reaktionen nach dem verkündeten „Aus“ für die Lifte in Lackenhof.

Erstellt am 30. November 2021 | 07:00
Lesezeit: 4 Min
Ötscherlifte
Michael Nendwich, Schützhütten-Pächter Walter Zeilberger, Andreas Purt, Geschäftsführer Mostviertel Tourismus, und Herbert Zebenholzer, Geschäftsführer Ybbstaler Alpen.
Foto: Eplinger

Neben den Beherbergern trifft das Aus des Liftbetriebes auch viele andere Unternehmer im Ort und der Region. Die NÖN hörte sich um.
„Ich steh noch völlig neben mir und kann das überhaupt noch nicht richtig fassen“, meint Franz Heher im NÖN-Gespräch. Der Betreiber der Skischule, des Skiverleihs und Vermieter von Ferienwohnungen sieht seine Existenz bedroht.

Skischule & -verleih: Ohne Lift maximal Platz für einen

Ins selbe Horn stößt der zweite Skischulbetreiber und Skiverleiher im Ort, Michael Nendwich. Er betreibt neben Lackenhof auch noch Skischulen am Jauerling und am Königsberg. Jene am Ötscher war aber der wichtigste Standort. „Wir hatten hier in der Hauptsaison bis zu sechs Mitarbeiter im Shop und zehn bis 15 Skilehrer. Hier reden wir von ganz anderen Mengen als an den anderen beiden Standorten. Und das Verleihgeschäft ist weg, wenn keine Lifte fahren. Das kann man nicht auf andere Standorte umleiten“, sagt Michael Nendwich.

Auch bei ihm sind die Vorbereitungen und Buchungen für die neue Saison voll im Laufen. „Wir haben sogar noch in eine neue Software hier vor Ort investiert. Wenn wir das gewusst oder geahnt hätten, dann wären wir das Ganze defensiver angegangen. Aber uns so aus heiterem Himmel vor vollendete Tatsachen zu stellen, ist ein starkes Stück“, ist Nendwich vor allem auch enttäuscht von dem, wie mit allen Beteiligten umgegangen wurde. Daran ändern auch die vom Land und Bund in Aussicht gestellten Entschädigungs- oder Hilfszahlungen wenig: „Wir müssen unsere Zukunft jetzt ganz neu überdenken.“

Denn eines ist für ihn klar. Zwei Skiverleihe und zwei Skischulen sind auch bei einer Fortführung des Kinderlandes für Lackenhof zu viel. „Und Langlaufen oder Skitourengehen sind im Vergleich zum alpinen Skisport Nischenprodukte bei uns. Das muss allen auch bei der Erstellung von Zukunftskonzepten klar sein“, betont Nendwich.

Schützhütten-Pacht unter keinem guten Stern

Nicht fassen kann die neue Situation auch Walter Zeilberger Hüttenwirt vom Ötscher Schutzhaus. Seine Lebensgefährtin und ihn hat die Nachricht im Urlaub erreicht. „Ich habe am Freitagabend mein Handy wieder eingeschaltet und plötzlich sind Nachrichten aufgepoppt, wo uns Freunde und Bekannte bedauert haben. Wir wussten gar nicht, um was es genau geht. Als wir es dann realisiert hatten, waren wir echt fassungslos und sind es immer noch“, schildert Zeilberger.

Im Oktober 2018 hat er das ÖTK-Schutzhaus am Großen Ötscher gepachtet. Seit damals haben er und seine Lebensgefährtin Hannelore Grießler noch keinen normalen Winter miterlebt. „2018/19 hatten wir zu viel Schnee. Da mussten wir das Schutzhaus evakuieren. 2019/20 war dann fast kein Schnee und 2020/21 kam Corona und wir waren überhaupt zum Zuschauen verurteilt. Und jetzt diese Entscheidung. Ich weiß ehrlich nicht, was wir machen sollen. Ich habe vor vier Jahren gesagt, mit 50 fange ich noch einmal neu an. Und jetzt?“, fragt Walter Zeilberger, der zwar durchaus eine Überlebenschance im Geschäft mit den Tourenskigehern sieht, aber nur, wenn man das wirklich aktiv forciert.

Zudem braucht er auch ein Pistenband, dass er mit seinem Skidoo im Winter bei Schnee die Waren ins Schutzhaus befördern kann. Fraglich bleibt allerdings, wie seine Zimmergäste künftig ohne Lift zu ihm hochkommen sollen, falls der Lift auf den Großen Ötscher tatsächlich auch abgebaut werden sollte. Ein Zustand, den sich Bürgermeisterin Renate Rakwetz „absolut nicht vorstellen kann und will.“

„Müssen retten, was noch zu retten ist“

„In der Vergangenheit sind Fehler passiert. Der Ausverkauf der Hotels an ungarische oder russische Investoren war nicht dienlich. Aber das lässt sich jetzt nicht mehr ändern. Aktuell müssen wir schauen, wie wir die Gäste, die ihren Urlaub in Lackenhof schon gebucht haben, halten können", betont Andreas Purt, Geschäftsführer von Mostviertel Tourismus. "Wenn sie zum Skifahren gekommen wären – und das ist bei den meisten der Fall –, werden wir Mobilitätsangebote schaffen müssen, damit wir die Gäste zu den Skigebieten Mitterbach, Hollenstein oder Hochkar bringen können, sofern diese das annehmen. Fraglich ist auch, ob alle Häuser überhaupt aufsperren werden?“

„Wir arbeiten schon länger an neuen alternativen Winter-Konzepten gerade für den Langlauf, das Tourenskigehen oder das Schneeschuhwandern. Lackenhof hat hier sicher eine Chance, sich zu positionieren. Aber dieses Angebot wird den Lift nicht ersetzen können", stellt Herbert Zebenholzer,
Geschäftsführer der Ybbstaler Alpen, klar. "Gleichzeitig muss es jetzt rasch Gespräche geben, wie wir mit Saisonkartenbesitzern der Ybbstaler Alpen Card, der Ostalpencard oder der Sunny Card umgehen. Käufer der Hochkar-Ötscher-Kombicard können bis Saisonbeginn ja vom Kauf zurücktreten oder sie in eine Saisonkarte für das Hochkar umwandeln.“