Heimische Waldbauern im Preiskampf. Importe von Billigholz sorgen für Preisverfall am heimischen Markt. FP-Sprecher Teufel fordert Importstopp.

Von Claudia Christ. Erstellt am 03. Juni 2020 (17:59)
Karin Katona

Mit rund 66 Prozent Waldanteilspielen Wald und Holz im Bezirk Scheibbs eine sehr bedeutende Rolle. Das zu einem großen Teil von bäuerlichen Waldbesitzern erzeugte Holz wird regional von Sägewerken, Zimmereien, Tischlern und Biomasseanlagen weiterverarbeitet. Die heimische Forstwirtschaft leidet seit einigen Jahren massiv unter den Herausforderungen der klimatischen Veränderungen. Wetterextreme wie Windwürfe, Schneebrüche, lange Trockenperioden und in weiterer Folge der Borkenkäfer führen immer wieder zu ungeplantem und erhöhtem Schadholzanfall.

Diese Phänomene und Situationen lassen sich im ganzen Zentralraum Europas erkennen. Aufgrund der Schadereignisse der letzten Jahre im Bezirk ist das Potenzial des Borkenkäfers auf den vorgeschädigten Waldflächen sehr hoch. „Durch den massiven Anstieg an Schadholzmengen speziell bei der Baumart Fichte kommt es derzeit zu einer Verschiebung der Angebots- beziehungsweise Nachfragesituation am Holzmarkt und somit zum Preisverfall für Nadelsägerundholz und dessen Nebenprodukten“, analysiert Forstsekretär Johann Haas von der Bezirksbauernkammer die aktuelle Lage.

„Die Politik kann nicht länger zusehen, wie aufgrund der Gier einiger Großer die Branche an die Wand gefahren wird“.“Reinhard Teufel

Die forstliche Einkommenssituation der Waldbesitzer steht somit massiv unter Druck. „Ja, es stimmt, die Kluft zwischen den Waldbauern und der Holzindustrie ist derzeit groß. Der Waldbesitzer will verständlicherweise einen guten Preis, die Industrie so wenig wie möglich bezahlen“, betont ein Holzeinkäufer aus dem Bezirk, der anonym bleiben möchte. Vor wenigen Jahren haben Sägewerke noch bis zu 80 Euro pro Festmeter Sägerundholz bezahlt. Heute müssen sich die heimischen Holzbauern nur mehr mit der Hälfte davon zufriedengeben.

Teilweise fehlt es aber auch an Nachschub aus den heimischen Wäldern. „Holzimporte sind zeitweise notwendig, weil die Bauern und Forstbetriebe aufgrund des niedrigen Preises nicht gewillt sind, neue Schlägerungen durchzuführen. Oftmals bekommen wir nur einen geringen Teil der bestellten Ware geliefert“, weiß der Einkäufer. Hier sei die Politik gefordert, denn für so manchen Bauern ist der Verkauf von Holz derzeit nicht kostendeckend.

Erste Anzeichen in diese Richtung kamen vergangene Woche vom freiheitlichen Landwirtschaftssprecher Reinhard Teufel aus Gaming. Er fordert ÖVP-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger dringend auf, einen sofortigen Importstopp für Billigholz aus dem Osten zu verhängen.

„Dieser Preisverfall ist nur möglich, weil man aus den Tschechischen Staatsforsten das billigste Holz hereinkarrt, mit dem kein kleiner heimischer Waldbauer mithalten kann. So wurden die Preise runtergebombt, und in der Industrie fahren sie aktuell derartige Gewinne ein, dass einem die sprichwörtliche Spucke wegbleibt, während gleichzeitig die Manager der Branche mit Prämien nur so erschlagen werden“, kritisiert Teufel.

Pernkopf: "Brauchen Investitionen" 

Mit den jetzigen Preisen werde der heimische Wald nachhaltig zerstört, und der Rohstoff, den die Industrie für den internationalen Markt brauche, werde in einigen Jahren nicht mehr in diesem Ausmaß und in der gewohnten Qualität vorhanden sein, um am Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. „Die Politik kann nicht länger zusehen, wie aufgrund der Gier einiger Großer die gesamte Branche mit über 200 km/h an die Wand gefahren wird“, sagt Teufel. Eine zufriedenstellende Lösung könne es nur durch die Kooperation geben.

Erste Lösungsansätze hat auch bereits VP-LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf eingemahnt: „Zusätzlich zu den Zusagen der Sägeindustrie braucht es noch weitere Schritte. Wir brauchen Investitionen in die Wiederaufforstung von klimafitten Wäldern und Entlastungen für die betroffenen Waldbauern.“