Gefängnisstrafe für mutmaßlichen Vergewaltiger. Ein 61-jähriger Vermieter soll eine Mieterin mehrmals zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Er bestreitet vor Gericht alles, doch die Beweislage ist überzeugend. Vier Jahre Haft.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 04. März 2021 (18:26)
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Lange verheimlicht eine Frau vor ihrem Mann sexuelle Übergriffe durch ihren Vermieter, weil dieser drohte, ihre Familie und ihr Leben zu zerstören. Dann geht sie schließlich doch zur Polizei und zeigt ihn an. Sie sei mit Zahlungen im Rückstand gewesen, er habe daraufhin gesagt, sie könne ihre Schulden anderweitig begleichen und meinte damit klar sexuelle Handlungen. Dreimal innerhalb eines Zeitraums mehrerer Monate soll er sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben, nachdem sie sein „Angebot“ ablehnte.

Opfervertreterin wechselt die Seiten

Der Angeklagte bestreitet vor Gericht, dass er sie jemals angefasst hätte. Er sei bei den Anschuldigungen „aus allen Wolken gefallen“ und habe keine Ahnung, warum sie ihn beschuldige. „Die Geschichte ist von der Frau viel zu umfangreich und detailliert geschildert, um erfunden zu sein“, so die Staatsanwältin. Einen Übergriff zu erfinden hätte gereicht, wenn man jemandes Ruf schädigen will. Die Opfervertreterin der Frau, die 2.000 Euro Schmerzengeld fordert, weist auch darauf hin, dass es eine große psychische Belastung darstelle, nach solchen Erlebnissen den Mut aufzubringen, zur Polizei zu gehen und stundenlang vor Gericht auszusagen. „So etwas macht man nicht einfach so“, ergänzt sie.

Interessant ist die Position der Verteidigerin des Angeklagten: Normalerweise ist sie als Opfervertreterin tätig, an diesem Tag verteidigt sie jemanden, der der Vergewaltigung angeklagt ist. Für sie eine „ungewohnte Position“, wie sie es formuliert. Er habe ihr jedenfalls „glaubhaft erzählt, dass er die Frau nie angegriffen habe“. In der 93-seitigen Aussage der Frau meint die Verteidigerin viele Widersprüche zu sehen, schlussendlich ist es aber der Angeklagte, der sich bei seiner Aussage vor Gericht widerspricht.

Angeklagter streitet alles ab

„Es war ja kein Vorfall, es war ja nichts“, sagt er, als die Richterin ihn zu den Details befragt. Während der ganzen Verhandlung knetet er nervös seine Hände. Es habe keine Treffen allein mit der Mieterin gegeben, es war immer deren Mann oder die Maklerin, oder ein Arbeiter des Hauses dabei, sagt er in einem Moment, nein es gab doch Treffen mit ihr allein, im anderen Moment, dann gab es diese Treffen wieder doch nicht. Er sei auch nach der Vertragsunterzeichnung nicht mehr im Haus gewesen außer bei angekündigten Arbeiten, sagt er. Sowohl der Ehemann, als auch die Frau, sagen jedoch er tauchte unangekündigt im Haus auf. Auch der Arbeiter bestätigt, dass der Angeklagte im Haus gewesen sei. „Nein, das war er nicht, was hätte er denn dort noch zu tun gehabt“, meint der 61-Jährige.

Die Vernehmung der Frau findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, auch ihr Ehemann wird als Zeuge vernommen. Ihm bleibt mehrmals die Stimme weg, als er von seiner Frau erzählt. Dass er sie beschimpft und ins Gesicht geschlagen haben soll, bestreitet der Angeklagte ebenfalls. Am Ende überwiegen die Details der Vorfälle, wie sie die Frau schildert. Er wird er schuldig gesprochen und muss für vier Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.