Alkolenker wollte Polizei austricksen: Anzeigenflut. Ein 21-jähriger Autofahrer kam zwischen Brettl und Gresten (Bezirk Scheibbs) mit 1,36 Promille von der Straße ab. Polizei bekam andere Version zu hören.

Von Christian Eplinger. Update am 02. März 2021 (20:00)
Symbolbild
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In der vergangenen Woche kam es zwischen Brettl und Gresten auf der L92 zu einem Verkehrsunfall. Ein Autofahrer kam gegen 23.30 Uhr mit seinem BMW von der Fahrbahn ab. Das Auto riss mehrere neben der Straße stehende Bäume mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern um oder ab und kam letztendlich am Dach zum Liegen.

So die Fakten. Als Polizei, Rettung und Feuerwehr am Unfallort eintrafen, waren bereits drei Personen vor Ort. Der angebliche 28-jährige Autolenker, sein 21-jähriger angeblicher Beifahrer und dessen Vater – alle drei aus dem Scheibbser Bezirk. Bei der Schilderung des Unfallhergangs und Betrachtung der Beteiligten wurden die ermittelnden Beamten aber stutzig.

Denn während der angebliche Fahrer völlig unversehrt und nüchtern war, wies der angebliche Beifahrer blutende Verletzungen auf und war offensichtlich betrunken. Im Auto, das auf den Beifahrer zugelassen war, fand man zudem Blutspuren auf der Fahrerseite. Außerdem hatten sämtliche Airbags ausgelöst, bis auf jenen der Beifahrerseite.

Aussagen passten nicht zu Tatsachen

„All diese Umstände deuteten darauf hin, dass nur der Verletzte im Wagen gesessen war“, schildert Bezirkskommandant Thomas Heinreichsberger, der die Erhebungen selbst leitete. Aufgrund der unglaubwürdigen Geschichte ordnete die Polizei einen Alkomattest beim angeblichen Beifahrer an. Dieser ergab 1,36 Promille.

Da die Männer bei ihren Angaben blieben, hielt die Polizei mit der Staatsanwaltschaft und der Bezirkshauptmannschaft Rücksprache. Die Staatsanwaltschaft ordnete daraufhin die Sicherstellung des Unfallwagens sowie der Kleidung des angeblichen Lenkers an, um die Gegenstände einer kriminaltechnischen Untersuchung zuführen zu können.

Das dürfte den Beteiligten zu viel gewesen sein. Am nächsten Tag legten alle drei ein Geständnis ab und erzählten der Polizei die wahre Geschichte. Der 21-Jährige lenkte den Wagen selbst und kam aufgrund seiner Beeinträchtigung und überhöhter Geschwindigkeit von der Straße ab. Danach bat er einen Freund um Hilfe. Gemeinsam mit seinem Vater überredete der Lenker den 28-Jährigen, die Schuld auf sich zu nehmen. Alle Geldstrafen hätte der 21-Jährige übernommen.

Für alle drei Beteiligten kommt es nun zu zahlreichen Gerichts- und Verwaltungsanzeigen (Führerscheinentzug, Verleumdung, Vortäuschung einer gerichtlich strafbaren Handlung, Anstiftung). „Das hätten sich alle Beteiligten ersparen können. Wenn der Lenker sofort sein Fehlverhalten eingestanden hätte, wäre es lediglich zu einer Anzeige wegen Alkohol am Steuer gekommen“, sorgt diese Aktion bei Heinreichsberger für Kopfschütteln.