Wieselburger: „Ohne Spenden würde ich nicht überleben“. 60-Jähriger steht durch Änderung des neuen Sozialhilfegesetzes vor dem Nichts und ist auf Spenden angewiesen.

Von Claudia Christ. Erstellt am 02. Mai 2021 (06:13)
Ljuba Avramovic blickt in eine ungewisse Zukunft. Der Serbe lebt derzeit in Wieselburg in einer Wohngemeinschaft. Durch das neue Sozialhilfegesetz und seine Krankheit ist er derzeit völlig mittellos.
Claudia Christ

Ein Bett, ein Tisch, ein Kasten und ein kleiner Kühlschrank – das ist der Lebensmittelpunkt von Ljuba Avramovic. Der 60-jährige gebürtige Serbe mit rumänischen Wurzeln lebt in einer Wohngemeinschaft in Wieselburg.

Seit der Ablöse der Mindestsicherung durch die neue Sozialhilfe im Jänner 2020 hat sich sein Leben von Grund auf geändert. Denn seit diesem Zeitpunkt bekommen Personen, die humanitäres Aufenthaltsrecht haben und rechtmäßig in Niederösterreich leben, keine finanzielle Unterstützung mehr.

„Als Sozialhelfer kann ich mich nur im rechtlichen Rahmen bewegen. Es ist die Aufgabe der Politik, die Situation der Menschen rasch zu verändern.“ Klaus Felgitsch, Caritas

Für Ljuba Avramovic bedeutet das: „Ich bin vollkommen mittellos. Es ist ein schlechtes Gefühl, auf Hilfe angewiesen zu sein, aber ohne Spenden würde ich nicht überleben.“

Dabei hat er sein ganzes Leben lang mit Arbeiten verbracht. So lange, bis er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage dazu war. „Die Amtsärztin hat mich schon vor ein paar Jahren arbeitsunfähig geschrieben. Zuvor war ich im Gastronomiebereich tätig, hab‘ einen Imbissstand in Gaming und zuletzt ein Restaurant in Wieselburg betrieben“, erzählt er.

Geld für Miete, Strom und Essen kommen einzig durch Spenden. Sorgen macht dem Serben auch, dass ihm auch keine Krankenversicherung zusteht. „Das hat jetzt glücklicherweise die Stadtgemeinde Wieselburg für mich übernommen. Denn sonst müsste ich mir Behandlungen selbst bezahlen und ohne Geld ist das unmöglich.“

Zweimal in der Woche geht er Einkaufen, aber nur selten in den Supermarkt. Bei „Verwenden statt verschwenden“, wo abgelaufene aber noch brauchbare Lebensmittel um Cent-Preise weitergegeben werden, findet er seine Lebensmittel.

„Ich muss besonders genau auf die Preise schauen und gut haushalten, denn ich weiß nie wann ich wieder Geld habe“, sagt Avramovic, der im gleichen Atemzuge allen dankt, die ihn finanziell unterstützen. „Ich möchte mich bei der Caritas, der Diakonie sowie der Pfarre und dem Lions Club Wieselburg und der Gemeinde bedanken.“

„Herr Avramovic ist kein Einzelfall. So wie ihm geht es vielen Menschen, darunter auch Familien mit Kindern oder alleinerziehenden Müttern. Niederösterreichweit sind es laut Diakonie an die 300 Personen“, weiß sein Caritas Sozialarbeiter Klaus Felgitsch

Mit Spenden und Essensgutscheinen hilft die Caritas gemeinsam mit der Diakonie den Menschen, so gut es geht, das alltägliche Leben zu bewerkstelligen. Aber auch hier werden die Unterstützungsmöglichkeiten knapp. „Als Sozialarbeiter kann ich mich hier nur im rechtlichen Rahmen bewegen. Es ist die Aufgabe der Politik, die rechtliche Situation der Menschen zu verändern“, betont er. „Angesichts dieser Notlage sollten möglichst rasch Lösungen und Auswege für Existenzgefährdete gefunden werden.“

Um der misslichen Lage zu entkommen, überlegt Avramovic indessen nach Oberösterreich oder Wien zu ziehen, denn dort würde er die Mindestsicherung wieder erhalten. „Es würde mir schon schwerfallen hier wegzugehen, aber wenn sich nicht rasch etwas ändert, dann sehe ich keine andere Möglichkeit.“ In der Wohngemeinschaft will er nämlich auf keinen Fall bleiben. „Alles was ich mir für mein Leben noch wünsche, ist in einer gesicherten Umgebung in Ruhe zu leben“, meint er.