„Das Klima hat Spuren hinterlassen“. Der Lunzer Franz Aigner (32) zieht nach fünf Jahren als Bezirksbauernbundobmann Bilanz und spricht über aktuelle Themen.

Von Anna Faltner. Erstellt am 22. März 2019 (05:15)
Claudia Christ

NÖN: Sie wurden einstimmig als Bezirksbauernbundobmann bestätigt. Was bedeutet das für Sie?

Franz Aigner: Dass meine Leute zufrieden mit mir waren. Ich denke, dass wir sehr gut aufgestellt sind im Bezirk. Als Bezirksobmann bin ich nur so gut, wie auch meine Ortsfunktionäre.

Wie waren die letzten fünf Jahre als Obmann für Sie?

Für mich war es eine sehr interessante Zeit, ich war sehr viel unterwegs in den verschiedenen Ortsgebieten. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, die Ortsvertretungen sind wirklich toll.

Mit welchen Herausforderungen hat der Bezirk zu kämpfen?

Was uns sicher weiterhin beschäftigen wird, ist die klimatische Situation. Die Dürre im Sommer im nördlichen Teil des Bezirks, sowie der massive Schneefall im südlichen Teil haben Spuren hinterlassen. In der Forstwirtschaft ist durch das massive Schneeauftreten ein hoher Schaden zu erwarten.

Welche Auswirkungen hatte der besonders trockene Sommer auf die Landwirtschaft?

Die direkte Auswirkung, die zu spüren war, war eine zum Teil extreme Futterknappheit. Und die stellt für viele eine finanzielle Belastung dar. Niederschlag wäre sehr wichtig für die nördliche Region des Bezirks.

Welche Themen werden die Landwirte in Zukunft beschäftigen?

Neben der klimatischen Situation wird es auch spannend, wie sich die Engerlinge-Situation im Grünland weiterentwickelt. Im Vorjahr gab es ja bereits einige Schäden.

Wie reagiert die heimische Landwirtschaft auf das aktuelle Kuh-Urteil in Tirol?

Die Verunsicherung bei den Weidebauern und Alm-Obleuten ist groß. Fast in jeder Ortschaft gibt es Alm-Genossenschaften. Zwar gab es noch keinen Fall in diese Richtung, wenn doch, kann das aber existenzschädigend sein. Mehr Eigenverantwortung wird gefordert.

Und wie stehen Sie zu diesem Thema?

Das Problem ist: Man kann nichts hundertprozentig absichern. Viele Wanderer aus dem städtischen Bereich haben keinen Bezug zu den Tieren und verwechseln die Alm mit einem Zoo. Wenn jemand in Wäldern oder auf Almen unterwegs ist, dann sollte er sich vorher über die Gegebenheiten informieren. Die Eigenverantwortung müsste eine wichtigere Rolle spielen.

Was steht in der kommenden Periode beim Bauernbund auf der Agenda?

Die EU-Wahl steht bald an. Weil die Landwirtschaft EU-weit geregelt ist, ist es für uns wichtig, dass wir jemanden im Parlament haben, der weiß, wovon er spricht. Mit Alexander Bernhuber (aus Kilb) haben wir dafür einen Top-Kandidaten.

NÖN: Welche Ziele verfolgen Sie als Bezirksbauernbundobmann?

Wir wollen das Beste für die Landwirtschaft rausholen. Man muss oft relativ kurzfristig auf Krisen oder Klimaprobleme reagieren, wie wir in letzter Zeit auch bei der Alm-Geschichte gesehen habe. Weiterverfolgen wollen wir auch die Einführung der Herkunftskennzeichnung, vor allem in Großküchen. Damit man sieht, was man isst. Das ist wichtig für die Landwirtschaft und für den Konsumenten. Denn der weiß oft nicht, woher die Lebensmittel kommen.

Letzte Frage: Warum vertreten Sie die Interessen der Landwirte?

Im Wirtshaus schimpfen kann man schnell. In meiner Funktion aber kann ich mitgestalten, mich mit Problemen beschäftigen und meine Meinung in der Öffentlichkeit vertreten.