Umbau: „Wir müssen jetzt diese Schritte setzen“. Kerschner Reisen strukturiert um, schließt drei Filialen und baut 14 Mitarbeiter ab, um langfristigen Fortbestand des Unternehmens zu sichern.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:37)
Richard Kerschner hätte sich das Jubiläumsjahr der Firma Kerschner auch anders vorgestellt. Corona hat das Familienunternehmen veranlasst, sich für die Zukunft neu aufzustellen.
Daniela Matejschek

Seit 90 Jahren gibt es die Firma Kerschner Reisen. Ein Unternehmen, das schon Weltkriege und Wirtschaftskrisen überlebt hat. Und auch nach der Coronakrise soll das so bleiben. Genau deshalb stellt sich Kerschner Reisen nun neu auf. Mit strategischen Maßnahmen, „die schmerzen, aber unvermeidbar sind, um den langfristigen, gesicherten Fortbestand zu garantieren“, wie Richard Kerschner, seit 2017 gemeinsam mit seinem Vater Robert Geschäftsführer von Kerschner Reisen, betont.

Die Coronakrise und damit das vollständige Erliegen der Reisebranche hat dem Familienunternehmen schweren wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Alleine in der zweiten Märzhälfte hatte Kerschner Stornos von 1,5 Millionen Euro zu verbuchen. Die 109-köpfige Belegschaft ist seit April in Kurzarbeit. „Trotzdem wird die Kerschner Riesen GmbH das Jubiläums-Geschäftsjahr 2020 mit einem Rekordverlust beenden. Die finanzielle Stabilität der Gruppe ist aber gesichert“, weiß Richard Kerschner. Nach reiflicher Überlegung und Absprache im Familienverbund hat man sich aber entschlossen, diese Neuausrichtung gleich jetzt umzusetzen.

Scheibbs zu Wieselburg, Weyer zu Amstetten

Die Reisebüro-Aktivitäten werden auf zwei Standorten gebündelt: Amstetten CCA und Wieselburg. Diese beiden Standorte wurden 2016/17 völlig neu eingerichtet und modernisiert. Die beiden Reisebüro-Filialen in der Sparkasse Scheibbs, wo Kerschner seit der Übernahme der Firma Putz 1983 ein Reisebüro betreibt, und in Weyer werden mit Ende August geschlossen. „Die beiden Filialleiterinnen aus Weyer und Scheibbs, Caroline Berger und Ingrid Pöchacker, bleiben aber in unserem Team und werden die Kunden auch weiter betreuen. Es laufen bereits mit beiden Gemeinden Gespräche wegen regelmäßigen Beratungstagen vor Ort“, erklärt Kerschner.

Kratschmar-Stammhaus soll verkauft werden

In Amstetten wird Ende August das Reisebüro im ehemaligen Kratschmar-Stammhaus in der Ybbsstraße 22 mit dem räumlich nur 300 Meter entfernten Reisebüro im CCA Amstetten zusammengelegt. Filialleiter Andreas Brunner mit einem Teil des Teams übersiedelt ins CCA zu seinem Kollegen Wolfgang Schin. Die langjährige Branchenexpertin Helma Kratschmar kann im Herbst dieses Jahres ihren wohlverdienten Ruhestand antreten. Das von der Familie Kratschmar gemietete Haus in der Ybbsstraße wird zur Gänze aufgegeben und soll verkauft werden.

Die Gruppenabteilung übersiedelt vorübergehend zum Reisebus-Standort in die Büroräumlichkeiten der ehemaligen Viehversteigerungshalle in der Stadionstraße, die von eigenen Reisebusfahrern mit viel Elan in Eigenregie umgebaut werden.

Büro in Mank konzentriert sich auf Bus- und Gruppenreisten

Das Büro im Manker Stammhaus bleibt, konzentriert sich aber auf Bus- und Gruppenreisen. Flugreisen-Aktivitäten werden in Wieselburg gebündeltwobei Mitarbeiterin Gabriela Hiesberger weiterhin für die Kunden aus dem Manker Einzugsgebiet zuständig sein wird. Terminisierte Beratungen werden auch in Mank direkt möglich sein.

Die Reisebus-Standorte in Mank und Amstetten sowie alle Zustiegsstellen in den Gemeinden bleiben unverändert bestehen. Auf den Linien- und den Schulbus- und Kindergartenverkehr der Firma Kerschner haben die Änderungen keine Auswirkung. „Wir bleiben starker Partner der Gemeinden, die uns in Zeiten des Lockdowns nicht in der Luft haben hängen lassen“, sagt Kerschner. Keinerlei Einschnitte sind beim Schwesternunternehmen Kerschner Umweltservice und Logistik GmbH mit Sitz in Pöchlarn und Mank nötig.

14 Mitarbeiter werden abgebaut, zwölf davon gekündigt

Die Umstrukturierungen bei Kerschner Reisen haben einen Abbau von 14 Mitarbeitern zur Folge, wobei es auch zu zwölf Kündigungen kommt. „Das ist bitter und traurig für die betroffenen Personen, die zum Teil sehr lange bei uns im Unternehmen beschäftigt waren und sehr loyal gegenüber der Firma sind. Sie arbeiten auch jetzt noch voll weiter. Wir haben noch nie in der 90-jährigen Firmengeschichte aus wirtschaftlichen Gründen eine größere Zahl an Mitarbeitern abbauen müssen. Uns tut das sehr leid, jedoch haben wir keine andere Chance gesehen, um unseren Fortbestand zu sichern“, erklärt Kerschner.

Schwierige Zeiten für gesamte Reisebranche

Betroffen von den Kündigungen sind sowohl junge als auch ältere Mitarbeiter gleichermaßen – selbst vor der Managementebene macht man nicht halt. Nur bei den Fahrern gibt es keine Kündigungen.

Sämtliche verbleibende 95 Mitarbeiter bleiben mindestens bis Ende September in Kurzarbeit, obwohl sie jetzt, wo das internationale Reisen wieder möglich ist, aufs Höchste gefordert sind. Die Reisebedingungen ändern sich ständig und die Reiseveranstalter sind überfordert. „Wir bekommen leider oft nicht so schnell die richtige Information von unseren Vertragspartnern, wie das die Kunden gewohnt sind. Wir verstehen jegliche Verunsicherung und tun alles, was in unserer Macht steht, damit wir die Kunden bestmöglich informieren und beraten. Wir bitten jedoch auch um Verständnis, wenn wir nicht alles erreichen können, was die Kunden sich wünschen. Wir können leider keine Wunder bewirken“, sagt Kerschner und betont, dass die Schließungen keinen Einfluss auf abgeschlossene Verträge haben.