Was nicht im Klo landen darf. GAV-Klärwärter Peter Hofmarcher appelliert an Bürger: „WC und Kanal sind keine Müllschlucker.“

Von Karin Katona. Erstellt am 14. Mai 2019 (04:50)
Karin Katona
Klärwärter Peter Hofmarcher von der Kläranlage des GAV Erlauftal in Purgstall mit dem Brei aus Feststoffen, der aus dem Zulauf zur Kläranlage aufgefangen wird:„Vieles, was bei uns im Rechen hängen bleibt, wäre vermeidbar. Die Entsorgung kostet viel Geld und schlägt sich auf die Kanalgebühren.“

Hygieneartikel, Feuchttücher, Verbandsmaterial und Textilien vom Putzlappen bis zum Ausreibfetzen – das ist Müll, der täglich aus den Rechen der Kläranlage des Gemeindeabwasserverband Erlauftal in Purgstall gefischt wird.

45 Tonnen Grobstoffe im Jahr, erklärt Klärwärter Peter Hofmarcher, werden auf diese Weise herausgefiltert. „Vielen ist scheinbar nicht bewusst, dass das Klo keine Mülltonne ist. In einem so großen Einzugsgebiet wie unserem ist es so gut wie unmöglich, die Schuldigen zu finden.“ Der Müll aus dem Kläranlagen-Rechen müsse kostspielig entsorgt werden: „Das schlägt sich natürlich auf die Kanalgebühren.“

Eine noch größere Belastung für die Anlage, weiß Hofmarcher, sind jedoch die Schadstoffe und Kleingegenstände, die vom Rechen nicht erfasst werden. „Ein simples Wattestäbchen kann schon große Probleme verursachen. Wattestäbchen setzen sich im Becken ab oder verstopfen Pumpen und müssen händisch herausgeholt werden. Die ständigen Störfälle wirken sich auf die Lebensdauer der Pumpen und Maschinen aus.“

„Bewusstseinsarbeit kann nur bei den Kindern beginnen. Die Erwachsenen lernen leider meistens nichts mehr dazu.“Klärwärter Peter Hofmarcher, GAV Erlauftal

Bei den flüssigen Problemstoffen, die ins Klo gekippt werden, steht Öl an oberster Stelle. „Wenn man regelmäßig Öl im WC entsorgt, wächst der Abfluss allmählich zu“, schildert Hofmarcher.

„Wer glaubt, dass Putzmittel Öl beseitigen, der irrt. Wenn die Putzmittel in der Kläranlage abgebaut werden, schwimmt das Öl als Fettschaum wieder oben im Auffangbecken.“ Auch Farben und Lacke, ärgert sich Hofmarcher, landen immer wieder im Abfluss: „Farben und Lacke gehören auf die Deponie, auch, wenn das mehr Aufwand erfordert.“

Noch schlimmer sei es, Farben und Lacke durch Regenwassergerinne zu entsorgen: „In den neueren Ortsteilen gibt es ein Abwasser-Trennsystem. Das heißt, dass Regenwasser direkt in den nächsten Fluss oder Bach geleitet wird. Dann schwimmt die Farbe, die man draußen vor dem Haus ausgewaschen hat, in der Erlauf.“

Neben Medikamenten – besonders Antibiotika – und anderen Chemikalien gibt es noch einen weiteren Stoff, der in der Kläranlage einen Großalarm auslöst: Diesel. „Bei Dieselöl genügen fünf bis zehn Liter, um eine Kläranlage total lahmzulegen. In diesem Fall muss die Feuerwehr mit Ölbindemittel eine Ölsperre machen. Dann wird das gebundene Öl von der Oberfläche abgesaugt und entsorgt. Das verursacht Kosten von mehreren tausend Euro.“

Öl und Diesel schaden nicht nur der Technik, sondern töten auch die Bakterien, die im Belebungsbecken aus dem geklärten Wasser wieder Trinkwasser machen. Trotz der Öffentlichkeitsarbeit der Abwasserverbände sei das Problem zu wenig präsent, findet Hofmarcher: „Bei den Erwachsenen greift die Bewusstseinsarbeit meist nicht mehr. Das geht nur über die Kinder. Wir laden daher Kindergärten und Schulen zu einer Kläranlagen-Besichtigung ein, erklären ihnen, wie eine Kläranlage funktioniert und was in den Abfluss darf und was nicht.“