Josef Kaiser: „Wertschätzung ist mehr wert als Titel“. Nach 40 Berufsjahren geht der Wieselburger Josef Kaiser als Stationsleiter der Dialyse des Klinikums Amstetten in Pension.

Von Claudia Christ. Erstellt am 26. März 2020 (02:33)
Landesklinikum Amstetten

Für Josef Kaiser sind es besonders bewegte Tage. Neben der Coronakrise bereitet sich der Stationsleiter der Dialyse des Landesklinikums Amstetten auch auf seinen Rückzug aus dem Berufsleben vor.

„Bis zum 1. April bin ich noch im Dienst, danach im Urlaub. Mit meinem Pensionsantritt am 1. Juli kann ich auf 40 erfüllte Berufsjahre zurückblicken“, sagt der 64-Jährige, der sich in dieser Zeit einen Namen gemacht hat. Kaiser gilt als Koryphäe auf seinem Gebiet, ist im Vorstand des Dialyse-Fachverbandes von Österreich, Deutschland und Schweiz, Ausbilder und gern gesehener Referent bei zahlreichen fachspezifischen Fortbildungsveranstaltungen.

Seine Lehrjahre hat der ausgebildete Diplom-Gesundheitskrankenpfleger im AKH in Wien absolviert, wo er auf der anästhesiologischen Intensivstation und danach in der Dialyseabteilung der Uni-Klinik tätig war. Bis heute blieb er seinem Arbeitsbereich, der Nierenersatztherapie, treu. Während seiner Dienstzeit in Wien absolvierte er die Sonderausbildung für Pflege in der Intensiv-Medizin sowie die Sonderausbildung für Nierenersatztherapie und trat der Fachgruppe „Österreichische Arbeitsgruppe nephrologische Pflege und Dialysetechnik“ (ÖANPT) bei, in der er seit 2006 im Vorstand tätig ist. Anfang August 1985 wechselte Kaiser ins Landesklinikum Amstetten, wo er seit 2003 die Stationsleitung ausübt.

„Die Patienten werden zur zweiten Familie, mit der man auch viele schmerzhafte Schicksale und private Probleme teilt.“Josef Kaiser

„Ursprünglich habe ich Mechaniker gelernt, aber beim Sanitätsdienst dann meine Leidenschaft für die Medizin entdeckt“, blickt er zurück. Mit seinem Wissen hat Kaiser wesentlich zum Aufbau der Station in Amstetten – damals eine der ersten in NÖ – beigetragen. „Es waren schon sehr bescheidene Anfänge. Denn das erste Gerät erhielt das Klinikum vor 50 Jahren von einem Patienten, der es nach seinem Tod dem Krankenhaus vermacht hatte.“

Aus 2.700 Patienten im Jahr 1985 sind bis zum Vorjahr 12.600 geworden und aus einer Abteilung mittlerweile insgesamt vier. Veränderungen, die Kaiser mit seiner Kompetenz und und viel Herzblut mitgetragen hat. „Ich wurde mit meinem Wissen gehört, habe zu einer mir gestellten Aufgabe immer ‚Ja‘ gesagt und dann 200 Prozent dafür gegeben“. Und das, obwohl der Beruf nicht immer schöne Seiten mit sich bringt, denn eine Dialyse ist mit dem Lebensende begrenzt. „Die Patienten werden zur zweiten Familie, mit der man auch viele schmerzhafte Schicksale und private Probleme teilt. Es ist nicht immer leicht, optimistisch zu bleiben und die Menschen zu motivieren.“

Musik als Ausgleich zum Beruf

Den Ausgleich zum Beruf findet der Familienmensch in der Musik. Seit 1970 spielt Kaiser bei der Stadtkapelle Wieselburg auf seinem Tenorhorn und wurde kürzlich zum Obmann-Stellvertreter ernannt. Auf der Bühne stand er auch als Moderator für die Veranstaltung „Klingendes Wieselburg“ oder mit der Stadttheatergruppe. 21 Jahre lang unterhielt er bei den „Weinzierler Buam“ und den „Grossingern“ das Publikum.

Trotz der Erfolge blieb Kaiser stets bescheiden: „Wertschätzung ist mehr wert als jeder Titel oder finanzielle Dinge.“ Und so ist eine geordnete Übergabe an seine interimistische Nachfolgerin Sabine Sonnleitner für den zukünftigen Pensionisten eine Selbstverständlichkeit. „Jetzt ist es wichtig, Verantwortung abzugeben, und meine Nachfolgerin zu unterstützen.“