Ruf nach Veränderung: Infotag zur Task Force Ötscher

Erstellt am 16. Mai 2022 | 13:10
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Lackenhof 2.0 – im Rothschild’schen Glassalon in Langau (Gaming) fand am Freitag der erste „Der Ötscher ruft“-Informationstag statt. Gleichzeitig fand die Prämierung der Gewinner des Ideenwettbewerbes statt.

Am Donnerstag noch fragte die Grüne Landessprecherin Helga Krismer in der Landtagssitzung „Wo bleiben die Ergebnisse der Task Force Lackenhof?“. Mit dem Antrag, Landesrat Jochen Danninger möge im Rahmen einer Sitzung des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses über die Ergebnisse der Task Force Lackenhof und die dabei erarbeiteten touristischen Konzepte für die Region informieren, bevor diese der Öffentlichkeit präsentiert werden. Doch ÖVP, SPÖ und FPÖ lehnten den Antrag ab.

Vielleicht hätte sie einfach einen Tag später von St. Pölten nach Langau rausfahren sollen, denn dort hatten Taskforce-Leiter Ralf Eisenhut von der ecoplus gemeinsam mit Bürgermeisterin Renate Rakwetz (SPÖ) und ecoplus-Alpin-Geschäftsführer Markus Redl, der ja auch Geschäftsführer der Hochkar & Ötscher Tourismus GmbH ist, zu einem „Der Ötscher ruft“-Informationstag geladen. Über 100 Interessierte kamen in den Glassalon und lauschten aufmerksam den Ausführungen von Eisenhut und Redl.

Tenor: Gesamtneupositionierung und -konzept nötig

Letzterer gab dabei sehr offen Einblick in die Zahlen der vergangenen Wintersaison, die aktuellen Problemstellungen und den Status quo der Situation in Lackenhof, und was dieser für die Zukunft des Tourismusortes bedeuten kann.

Die allgemeine Conclusio: Der Ruf nach Veränderung ist da. Aber es braucht eine umfassende Gesamtneupositionierung und ein Gesamtkonzept, das auch mit dem grundsätzlich der Sache gegenüber sehr positiv gestimmten Grundbesitzer (Familie Prinzhorn) abgestimmt werden muss. Aktuell gibt es einige „Baustellen“, wo angesetzt werden muss.

Baustelle 1: Bescheidene Gästeeintritte: 70.511 Skier Days verzeichnete man am Ötscher in der Saison 2021/22. Zwar um über 23.000 Eintritte mehr als in der Saison zuvor, aber noch um 35 Prozent weniger als im Winter 2018/19. Und selbst da waren die 108.170 Gästeeintritte nicht ausreichend, um einen positiven Jahresabschluss zu erreichen. „Wir bräuchten da um die 130.000“, weiß Redl.

Baustelle 2: die Personalsituation: Es gilt, an jedem Standort einen guten Personalstamm aufzubauen. Corona hätte die ohnehin prekäre Personalsituation in Lackenhof heuer noch verschärft. „Das ist die allerwichtigste Hausaufgabe, auch wenn die Mitarbeiter ihr Bestes gegeben haben. Unser Ziel muss sein, Ganzjahresarbeitsplätze anzubieten“, sagt Redl.

Baustelle 3: die Beschneiungsanlage: Ein Ausbau kostet einen zweistelligen Millionenbetrag. Aktuell darf man 110.000 m³ Wasser in Lackenhof beschneien. Der Speicherteich fasst 35.000 m³. „Um eine Vergrößerung des Teiches werden wir nicht herumkommen, wenn wir die immer kürzer werdenden Beschneiungsfenster sinnvoll nutzen wollen. Auch muss man sich überlegen, welche Pisten bedarf es in Lackenhof. Was will der Skigast?“, sagt Redl.

Baustelle 4: die Bettenkapazität und -qualität: „Wir brauchen in Lackenhof 500 Betten im Drei-, Vier- und Vier-Stern-plus-Segment“, ist Redl überzeugt. Dazu werde es auch wichtig sein, einen neuen Leitbetrieb nach Lackenhof zu bekommen. Aber da müssten auch die Eigentümer der 14 Bestandsobjekte mitwirken, sich bewegen und auch über einen Verkauf nachdenken. „Es gibt zwar sieben mögliche Entwicklungsgrundstücke, aber bis dort alles umgewidmet ist, vergehen Jahre. So viel Zeit hat Lackenhof nicht“, ist Redl überzeugt und hofft, die jetzt entstandene Dynamik nutzen zu können. „Lackenhof muss sich bewegen. So wie jetzt wird es nicht weitergehen“, sagt Redl.

Apropos weitergehen: Die Taskforce arbeitet aktuell mit externen Beratern Ideen für die Lift- und Hotelinfrastruktur sowie für ein Ganzjahrestourismuskonzept aus und sucht parallel dazu auch Investoren. Gleichzeitig soll es ebenso weiter offene Beteiligungsformate geben. Demnächst mit einem ganz klaren Schwerpunkt: Thema ist Mountainbiken am Ötscher. „Eine offene Kommunikation in alle Richtungen steht für uns hier ganz oben“, sagt Eisenhut.