Erstellt am 14. Januar 2019, 16:57

von Christian Eplinger

Der Tag im Scheibbser Bezirk im Rückblick. Hochkar weiter abgeschnitten. Lawinengefahr ist zu groß. Hoffen auf Wetterbesserung.

Montag, 14. Jänner, kurz nach 13 Uhr. Erneut tagt im Göstlinger Gemeindeamt der Krisenstab. Erstmals ist auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vor Ort, um sich gemeinsam mit LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Brigardier Martin Jawurek,  dem stellvertretenden Landesfeuerwehrkommandanten Armin Blutsch und der örtlichen Einsatzleitung, sprich Bezirkshauptmann Johann Seper und Bürgermeister Friedrich Fahrnberger ein Bild der aktuellen Lage zu machen. Denn die Lage am Hochkar hat sich in der Nacht von Sonntag auf Montag weiter zugespitzt.

40 Zentimeter Neuschnee und einige Lawinenabgänge entlang der Hochkar-Alpenstraße führten zur erneuten Sperre der neun Kilometer langen Zufahrtsstraße aufs Hochkar. Rund 200 Soldaten, Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Hochkar-Bergbahnen und Hochkar-Betriebe sitzen seit Sonntag am Berg fest. Dazu erschwerten Stromausfälle am Hochkar die Verhältnisse. Umgestürzte Bäume im oberen Bereich der Alpenstraße haben die Stromfreileitungen beschädigt. Am Berg war man zum Glück aber mit Notstromaggregaten versorgt. Am Montagnachmittag konnte in Zusammenarbeit von Berg und Tal der Schaden behoben werden. Ab 15.23 Uhr gab es am Hochkar wieder Strom. (Mehr dazu hier)

Zu viel Wind: Soldaten schaufelten nur am Boden

Ansonsten nahm das Leben am Berg seinen Lauf. Die Soldaten setzten das Freischaufeln von Gebäuden und Liftanlagen fort, allerdings nur am Boden. „Für uns ist die neue Situation kein Problem. Unsere Leute sind ohnehin darauf eingestellt, dass sie zumindest bis zum Wochenende am Hochkar bleiben und dort ihren Dienst verrichten. Aufgrund der starken Windböen haben wir aber heute die Anweisung rausgegeben, dass niemand auf die Dächer steigen darf. Das wäre einfach zu gefährlich“, betont Oberst Rudolf Halbartschlager.

Scheibbser KHD-Züge der FF nach Puchenstuben umdirigiert

Auch die am Berg festsitzenden Feuerwehrkräfte halfen fleißig mit beim Freischaufeln von Gebäuden und Infrastruktur. Die für heute geplanten drei Katastrophenhilfszüge aus dem Scheibbser Bezirk wurden gleich am Morgen umdirigiert. „Einen Zug haben wir gleich nach Hause geschickt, aber zwei Züge, also rund 100 Mann sind nach Puchenstuben weiterbeordert worden und halfen dort Hausdächer von der Schneelast zu befreien. Vor allem das Gemeindeamt war schon statisch von der Schneelast bedroht. Aber auch Volksschule und Hallerhof wurden von unseren Kräften abgeschaufelt. Das Schwierige war, dass wir kurzfristig so viele Schaufeln auftreiben mussten. Denn das gesamte von der Landeszentrale übermittelte Gerät ist schon am Hochkar“, berichtet Bezirkskommandant Franz Spendlhofer.

Für den weiteren FF-Einsatz am Hochkar, der frühestens am Mittwoch oder Donnerstag weitergehen wird, ist soweit alles vorbereitet. „Wir haben drei KHD-Züge aus anderen Bezirken angefordert und dazu eine Ablöse für die Mannschaft, die die Telelader und Unimogs bedienen. Sobald die Straße offen ist, sind wir oben beziehungsweise erfolgt der Wechsel“, sagt Spendlhofer.

Hoffen auf Flugwetter

Auch am Boden sind derweil alle Vorbereitungen getroffen, um die Hilfsaktion fortzusetzen, sobald es das Wetter zulässt. „Wenn uns das Wetter am Dienstag ein Zeitfenster gibt, dann werden wir sofort gemeinsam mit einem Lawinensachverständigen, der inzwischen im Scheibbser Bezirk stationiert ist, Erkundungsflüge am Hochkar vornehmen, um eventuelle Lawinensprengungen entlang der Alpenstraße durchzuführen und damit wieder die Verbindung mit dem Berg herzustellen. Das hat oberste Priorität“, betont LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, der unterstreicht, dass die Lawinengefahr nur auf der Alpenstraße besteht: „Am Hochkar selbst sind wir lawinensicher“. „Die Aufhebung der Totalsperre für die Hochkar Alpenstraße, die seit Montagfrüh in Kraft ist, könne wohl frühestens am Dienstagnachmittag erfolgen“, gibt sich der Göstlinger Bürgermeister Fritz Fahrnberger optimistisch.

Die Wetterprognose für Dienstag sagt allerdings anderes voraus. Erneut sind weitere Schneefälle und heftiger Wind prognostiziert. Dadurch könnten sich die Erkundungsflüge und Lawinensprengungen um einen Tag verschieben. „Wir werden die Straße erst wieder freigeben, wenn wir absolut im sicheren Bereich sind. Wir können da nichts riskieren“, weiß auch Bezirkshauptmann Johann Seper.

LH Mikl-Leitner sagt Unterstützung zu

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sicherte indes allen Betroffenen und der Region die volle Unterstützung des Landes zu. „Wir zeigen, dass die Politik in Ausnahmesituationen hilft und die Sicherheitsfamilie NÖ bestehend aus Bundesheer, Feuerwehr, Land, Behörden und Gemeinden zusammenhalten“, betont Mikl-Leitner und nennt drei konkrete Unterstützungsmaßnahmen, die sofort nach Entspannung der Lage greifen sollen. Zum einen sollen die Gebäudeschäden bei den Tourismusbetrieben durch Sachverständige beurteilt werden: „Wir wollen gemeinsam mit den Versicherungen an unbürokratischen Lösungen für mögliche Entschädigungszahlungen arbeiten“.

Weiters werde man auch die Tourismusbetriebe, die Umsatzeinbußen zu verzeichnen haben, in Härtefällen unterstützen. Zudem wolle man, sobald sich die Lage entspannt hat, sofortige Marketing-Maßnahmen setzen, damit der Tourismus in den betroffenen Skigebieten rasch wieder anlaufen könne, kündigt sie an.

Schauplatzwechsel vom Hochkar nach Neuhaus

Auch die Gemeinde Gaming hat am Montag erneut den Bundesheerhubschrauber und die Unterstützung von Soldaten angefordert. Für beides gibt es grünes Licht. „Bei uns gibt es derzeit drei kritische Stellen. Zum einen ist die LB71 ab Langau wegen Lawinengefahr gesperrt. Acht Familien aus Taschlbach sind seit der Vorwoche evakuiert.

Die wollen natürlich wieder gerne zurück in ihre Häuser. Ohne Erkundungsflüge und eine genaue Abschätzung der Lawinengefahr beziehungsweise eventuellen Lawinensprengungen müssen wir die Familien aber weiter vertrösten“, weiß Gamings Bürgermeisterin Renate Gruber. Dafür steht, sobald der Weg frei ist, eine Kompanie der Melker Pioniere bereit, um die Taschlbacher zu unterstützen.

Neuralgische Lawinenpunkte gibt es auch wieder im Bereich der Ötscherwiese. Auch dort sind aktuell zwei Ferienhäuser sowie die Langlaufloipe in diesem Bereich wegen Lawinengefahr gesperrt. Und das dritte Anliegen betrifft das Ötscher-Schutzhaus, das derzeit unbewohnt und noch völlig abgeschnitten ist. „Wir haben ein sehr engagiertes neues Pächterehepaar, das nur darauf wartet wieder auf den Berg raufzukommen, um vor allem auch alles wieder freizuschaufeln. Aber bislang war das noch unmöglich“, weiß Gruber.