Land verspricht: Lassen Lackenhof nicht im Stich

Die Ötscherlifte werden im Winter 2021/22 nicht mehr in Betrieb gehen. Das ist auch zwei Tage nach der Gesellschaftersitzung weiterhin beschlossene Sache. Daran änderte auch eine erste Besprechung von Tourismuslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) am Sonntagvormittag mit Gamings Bürgermeisterin Renate Rakwetz (SPÖ), Tourismusverantwortlichen der Region und Vertretern der Betriebe aus Lackenhof beim Schützenwirt Pollinger in Langau nichts. Danninger verließ diese Besprechung aber mit dem Versprechen, Lackenhof nicht im Stich zu lassen.

Aktualisiert am 29. November 2021 | 12:05
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Es schneite erneut in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Der Ötscher präsentiert sich im winterlichen Weiß. Während andernorts die Vorbereitungen auf den nahen Saisonstart auf Hochtouren laufen und Hollenstein sogar schon den Liftbetrieb aufgenommen hat, herrscht am nebenverhangenen Ötscher trostlose Stille. Keine Schneekanonen, die laufen. Keine Pistengeräte, die die erste Schneedecke als Untergrund für eine tolle Wintersaison vorbereiten. Einzig vereinzelte Spuren von Skitourengeher sind im Schnee zu finden.

Viereinhalb Kilometer weiter draußen beim Gasthof zum Schützenwirt in Langau blickt man - selbst durch die FFP2-Maske sichtbar - in nach wie vor betroffene und geschockte Gesichter. Tourismuslandesrat Jochen Danninger hat Vertreter der Gemeinde, der Tourismusregion und der Lackenhofer Betriebe zu einer ersten Gesprächsrunde gebeten.

Bis zu 1 Million Euro Abgang im Coronawinter

Dabei stellt er nochmals klar: "Die Ötscherlifte werden diese Wintersaison geschlossen bleiben. Das Land kann diese aus wirtschaftlichen Gründen und auch aus Verantwortung gegenüber dem Einsatz der öffentlichen Gelder nicht alleine fortführen", erklärt Danninger und spricht erstmals auch offen den Jahresfehlbetrag an, der die Ötscherlifte in diese wirtschaftliche Situation geführt hätte.

"Wir reden hier von einem Minus bis zu einer Million Euro pro Jahr - natürlich auch zusätzlich verschlechtert durch den Corona-Winter. Eine ausgeglichene Bilanzierung ist nicht möglich, zudem wären weitere Investitionen in die Anlagen, die in den mehrstelligen Millionenbereich gehen, notwendig. Geld, das wir lieber in Zukunftsprojekte hier im Ort investieren wollen", sagte Danninger und versprach: "Das Land Niederösterreich wird Lackenhof nicht im Stich lassen."

FPÖ fordert 100-prozentige Übernahme der Ötscherlifte durch Land NÖ

Das von ÖVP-Landesrat Danninger "aus dem Ärmel geschüttelte vermeintliche Rettungspaket" bezeichnen die NÖ Freiheitlichen als PR-Schmäh und reine Beruhigungspille. „Die Millionen, die Danninger jetzt aufstellt, kann er gleich in den Betrieb und in die Übernahme der Liftanlagen investieren. Damit wäre der Region wirklich geholfen und auch unsere Kinder könnten, so wie Hunderttausende Niederösterreicher zuvor, am Ötscher das Skifahren lernen“, sind sich Landespartei- und Klubobmann, Udo Landbauer, sowie der freiheitliche Bezirksparteiobmann in Scheibbs, LAbg. Reinhard Teufel, einig.

Für die Region sei die Schließung der Skilifte eine Katastrophe. Es gehe um über hundert Arbeitsplätze, Privatzimmervermieter, Sportgeschäfte, Gastwirte und viele mehr, die vom Wintertourismus leben. "Es ist ja auch Aufgabe des Landes und der Gemeinde, den Einwohnern nicht nur Kultureinrichtungen wie Gemeindezentren zur Verfügung zu stellen, sondern auch Sportanlagen“, betont Teufel.

Die Freiheitlichen fordern die 100-prozentige Übernahme durch die ecoplus Alpin GmbH. „Das ist ausschließlich eine politische Entscheidungsfrage. Von der öffentlichen Hand gibt es Unsummen an Förderungen. Wenn es aber um die Zukunft einer ganzen Region geht, dann soll kein Geld vorhanden sein? Das ist absurd. Die landeseigene Gesellschaft muss die Ötscherlifte weiterführen“, befinden Landbauer und Teufel.

Kinderskiland, Tourenskigehen und 3 Millionen Euro Förderung

Konkret nannte Danninger vier Punkte, die man nun schnellstmöglich gemeinsam angehen wolle:

  • Kinderskiland und Skitourengeher: "Wir haben in der Nacht auf heute in Verhandlungen mit der Schröcksnadel-Gruppe erreicht, dass das Kinderskiland heuer und auch in Zukunft betrieben werden kann", sagt Danninger. Heuer läuft die Beschneiung noch über die bestehende Anlage. In Zukunft soll ein eigenes, kleineres Beschneiungssystem errichtet werden. Bezüglich des Betreibers des Kinderlandes hat Franz Heher sein Interesse bekundet. Detailgespräche müssen da aber erst folgen. Weiters gibt es intensive Gespräche mit dem Hauptgrundeigentümer des Ötscher-Skigebietes, Thomas Prinzhorn, dass schon heuer das Skitourengehen weiter ermöglicht wird. "Das finale Okay ist hier allerdings noch ausständig. Wir sind aber in einem sehr konstruktiven Austausch mit Thomas Prinzhorn und wissen, dass hier jeder Tag zählt", erklärt Danninger.
  • Taskforce gegründet: Gemeinsam mit der Region will das Land Konzepte für eine neue Art des Tourismus in der Region erarbeiten. Dazu hat man eine neue Taskforce unter der Leitung von Ralf Eisenhut von ecoplus gegründet, die sofort ihre Arbeit aufnehmen soll. "Der Neustart wird aber nur gelingen, wenn wir gemeinsam mit der Region an einem Strang ziehen und an neuen Ideen und Konzepten arbeiten. Nicht von St. Pölten aus dem Ort aufgesetzt, sondern aus dem Ort geboren", sagte Danninger und bedankte sich explizit auch bei Gamings Bürgermeisterin Renate Rakwetz, die in dieser "unglaublich schwierigen Situation, sehr konstruktiv und lösungsorientiert für die Zukunft ihrer Gemeinde kämpft".
  • 2 Millionen Euro Fördermittel in einem ersten Schritt: Für die Entwicklung des neuen Konzeptes wird das Land in einem ersten Schritt auch zwei Millionen Euro an Regionalförderung für Lackenhof reservieren. Das sei allerdings nur ein erster Schritt. "Mir ist klar, wenn es ein umfassendes Konzept gibt, werden in den kommenden Jahren mehr Mittel fließen müssen", sagte Danninger.
  • Schnelle Hilfe für betroffene Betriebe im Ort: Eine weitere Million Euro an Unterstützungsgeldern aus dem Tourismus- und Wirtschaftsfonds stellte Danninger allen betroffenen Betrieben aus dem Ort in Aussicht. Da werde es weitere Gespräche geben, um sinnvolle Einzellösungen zu finden, ohne dabei Bundeshilfen liegen zu lassen. Zudem soll es für die Gastgeber spezielle Förderungen bei der Modernisierung ihrer Gästezimmer und der Weiterentwicklung ihrer Angebote geben. Auch die Wirtschaftskammer prüft aktuelle Unterstützungsmöglichkeiten.

Online-Petition: Über 13.550 Unterschriften

Naturgemäß weiterhin schwer gezeichnet von der Entscheidung, den Liftbetrieb einzustellen, ist Gamings Bürgermeisterin Renate Rakwetz (SPÖ). Die Gemeinde hat noch am Freitag eine Online-Petition gestartet, in der man Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und die NÖ Landesregierung aufforderte, alles zu unternehmen, um den Fortbestand der Ötscherlifte zu ermöglichen. Bis Sonntagnachmittag hatten bereits über 13.550 Personen unterschrieben.

"Natürlich werden wir diese Petition weiterlaufen lassen und die Unterschriften auch an die Frau Landeshauptfrau übergeben. Es ist für mich auch ein Zeichen, dass viele Menschen an Lackenhof glauben und mit unserem Ötscherdorf auch viele besondere Erinnerungen verbinden", sagt Rakwetz und bedankt sich ihrerseits beim Land für die aktuell auf Augenhöhe geführten Gespräche und die Unterstützungszusagen für ihre Gemeinde.

Langlaufen: Loipen so rasch als möglich spuren!

Wichtig ist Rakwetz auch, dass das Langlaufen weiterhin möglich sein wird. "Das Langlaufzentrum hat mit den Liften nichts zu tun und wird von der Gemeinde beziehungsweise dem Tourismusverband betrieben. Wir werden versuchen, so rasch als möglich die Loipen zu spuren und zumindest damit in Betrieb gehen zu können", betont Rakwetz. 

Lösungen für Mitarbeiter gesucht

Lösungen gesucht werden jetzt auch für die Mitarbeiter der Ötscherlifte und der Lackenhofer Betriebe. Am Freitagnachmittag hat es bei den Ötscherliften eine erste Betriebsversammlung gegeben, wo den Geschäftsführern natürlich die entsprechend schlechte Stimmung der Mannschaft entgegengeprallt ist. Bei den Liften sind neben den zwölf ganzjährig beschäftigten Mitarbeitern, von denen alle bis auf zwei aktuell gekündigt werden sollen, auch rund 25 Saisonmitarbeiter betroffen. "Es gibt Angebote von der Schröcksnadel-Gruppe sowie von ecoplus Alpin, um diese Mitarbeiter in anderen Skigebieten unterzubringen. Aber dazu sind Einzelgespräche notwendig. Da kann man jetzt noch nicht sagen, wie sich die Mitarbeiter entscheiden", weiß Markus Redl, Geschäftsführer der ecoplus Alpin GmbH, die das Land in der Ötscherlift-Gesellschaft vertritt.

Auch bezüglich der Mitarbeiter der übrigen Lackenhofer Betriebe laufen die Gespräche. "Alle Betriebe haben in den vergangenen Wochen danach getrachtet, Saisonmitarbeiter zu bekommen. Das ist in der jetzigen Situation ohnehin nicht leicht. Jetzt haben wir sie beisammen und dann kommt das. Da hängen natürlich etliche Existenzen dran", weiß Ötscher Tourismusvereinsobmann Walter Pöllinger.