Neues Philipp Hager-Buch: Inneren Gesetzen gehorchen. Der in Scheibbs geborene Philipp Hager hat sein elftes Buch – Gedichtband Nummer 7 – veröffentlicht. In „Los“ geht es um die Integrität in wirren Zeiten.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 08. Mai 2019 (05:36)
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„Es geht um mich“, antwortet Philipp Hager schmunzelnd auf die Frage, wie er sein mittlerweile elftes Buch angelegt hat. „Es geht um meine Perspektiven, Meinungen und Wahrheiten. Denn ich gehe nie mit dem Gedanken daran Kunst zu machen, sondern aufrichtig auszusprechen, was ich denke und fühle. Und daraus formen sich dann die Gedichte.“

Eigentlich kann es gar nicht anders sein. Wer Phillipp kennt, der weiß, dass er auch in seiner Schreibe authentisch ist. Seine Kindheit und Jugend verbrachte der heute 36-Jährige in Lunz, wo er auch heute wieder mit seiner Frau und den beiden Söhnen lebt. Philipp schloss 2000 das Bundesoberstufenrealgymnasium in Scheibbs ab und übersiedelte nach Wien, um Geschichte und Völkerkunde zu studieren. Nach dem Studienabbruch arbeitet er unter anderem als Hundesitter, Rezeptionist, Türsteher sowie als Kampfrichter und war als Kolumnist für ein deutsches Kampfsportmagazin tätig.

„Mir persönlich ist das Schreiben als solches viel zu wertvoll, als das ich mich hier einengen lassen würde.“ Philipp Hager

Denn eigentlich wollte Philipp Hager Thaiboxer werden. „Doch dann habe ich das Schreiben für mich entdeckt und es war schlussendlich einfach wichtiger. Ich stellte fest, dass ernsthaftes Schreiben absolute Hingabe und Konzentration verlangt.

Ein Nebenbei war mir zu wenig. Vor allem vom Kampfsport her war ich es gewohnt, täglich drei bis vier Stunden zu trainieren und so habe ich dieses Konzept aufs Scheiben umgelegt.“

Nach seinem letzten Roman „Wolkenjagd“, der im vergangenen Jahr erschienen war, entstand in einem Schreibprozess von ungefähr einem halben Jahr, der Gedichtband „Los“. „Die Entstehung war ein bisschen wie eine Goldwäsche. Ich hielt mein Sieb in den Strom und schaute, was an Glänzendem, Seltenem, Wertvollem darin hängen blieb. Die Notizen zu den Gedichten entstanden überall – beim Autofahren, Spazierengehen, am Schreibtisch und selbst im Bett. Manchmal lag ich ihm Dunklen und griff noch zu Stift und Notizbuch, um was rein zu kritzeln. Mittlerweile habe ich genug Übung, um auch im Dunklen leserlich schreiben zu können“, meint Philipp Hager lachend.

Den Anstoß zum Schreiben verspürte der kritische Zeitgeist wieder einmal wie eine unumgängliche Notwendigkeit. „Der große Schwenk hin zu autoritären Regierungen beschäftigte und beschäftigt mich nach wie vor am meisten.“ Nicht nur in der Türkei, in Ungarn, Italien und in kleinerem Maß in Österreich, sondern auch in Brasilien, Venezuela und so weiter. Das passiere derzeit weltweit. „The jungle grows back“, also „Der Dschungel wächst zurück“, zitiert Hager einen Journalisten. „Ich denke viel über die Ursachen nach, über mögliche Folgen und was kommen könnte. Wobei ich mich bemühe, nicht an Parteien und Personen hängen zu bleiben, sondern die Dinge aus einer klaren Höhe zu betrachten, das größere Muster auszumachen.“ Zu seinen persönlichen Ansichten möchte Philipp niemanden bekehren. „Aber wenn ich meinen Lesern, durch meine Art zu schreiben, Rückenwind für ihren eigenen Weg geben kann, dann wäre das wunderbar. Wichtig erscheint mir, wachsam zu sein und viel mehr zu hinterfragen, was uns so tagtäglich vorgesetzt und aufgetischt wird an Informationen und Meinungen.“

Und was hält der Autor davon in der Literaturszene als Nachwuchshoffnung gehandelt zu werden? „Für mich ist das so eine Sache! Nachwuchshoffnung der Literaturszene bedeutet, dass ich die Hoffnungen der Verlage erfüllen sollte. Es kann sein, dass sich unsere Vorstellungen treffen, kann aber auch sein, dass ich mich woandershin entwickle. Mir persönlich ist das Schreiben als solches viel zu wertvoll, als das ich mich hier einengen lassen würde. Mich mit meiner Schreibweise den Erwartungen anderer anzupassen, ist nicht meines, da gibt es für mich keine Kompromisse.“

Kein Kompromiss war es für Philipp Hager hingegen von Wien wieder nach Lunz zu ziehen. „Das war eindeutig die richtige Entscheidung! Wien war eine wichtige Zeit. Ich mag die Stadt immer noch gerne, aber nur für Tage. Dann zieht es mich wieder zurück in die Voralpen.“

Ist Lunz inspirierender als die Großstadt? „Ich brauche schon längst keine äußere Inspiration mehr“, erklärt der Autor, der bereits seit einem halben Jahr auch an seinem nächsten Roman arbeitet. „Nach fünfzehn Jahren schreiben sind die Abläufe so verinnerlicht, dass es keine große Rolle mehr spielt, wo ich mich befinde. Die Inspiration gehorcht inneren Gesetzen.“