Scheibbs setzt Hoffnungen auf ukrainischen Arzt

Erstellt am 10. August 2022 | 06:44
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Doktor Aleksandr Zolotarev soll so bald als möglich die Lücke an praktischen Ärzten in Scheibbs füllen. Noch muss der Ukrainer aber auf seine Nostrifizierung warten, um eine eigene Praxis zu betreiben. Bis dahin arbeitet er im Landesklinikum als Internist.

Seit Doktor Karl Exinger mit 31. März 2021 in Pension und seine eigentlich designierte Nachfolgerin Elke Müller nach St. Leonhard/Forst gegangen ist, steht Bürgermeister Franz Aigner beim Thema Gesundheitsversorgung seitens der Scheibbser Bevölkerung schwer unter Beschuss. Doch Aigner ließ sich nicht beirren und kämpfte für neue Lösungen.

Am Dienstag durfte er diese präsentieren: Doktor Aleksandr Zolotarev aus der Ukraine soll, sobald seine Nostrifizierung bestätigt ist, eine der zwei in Scheibbs freien Kassenstellen für einen praktischen Arzt übernehmen. Bis dahin arbeitet er als Internist im Landesklinikum Scheibbs mit. Mit seiner Familie – seine Frau Tatjana und seine beiden Kinder Veronika (siebeneinhalb) und Elisabeth (dreieinhalb) - lebt er inzwischen bereits in Scheibbs. 

Die Gemeinde hat der Familie eine renovierte Gemeindewohnung zur Verfügung gestellt. Der 44-jährige Aleksandr Zolotarev, der seit 22 Jahren in der Ukraine als Internist in einem Spital tätig war und daneben eine eigene Praxis gemeinsam mit seiner Frau – eine anerkannte Gynäkologin – führte, spricht bereits relativ gut Deutsch. Seine Frau und die beiden Kinder, die ab September den Kindergarten beziehungsweise die Volksschule besuchen werden, nehmen gerade im Lehenhof am Deutschunterricht teil.

Ärzte rechnen nicht vor 2025 mit Praxiseröffnung

Bis es allerdings soweit kommt, dass Zolotarev seine eigene Praxis eröffnen darf, können noch zwei bis drei Jahre vergehen, weiß auch Primar Karl Moyses, der Leiter der Abteilung für Innere Medizin im Landesklinikum Scheibbs. Denn Zolotarev darf ohne Nostrifizierung als Arzt noch nicht ohne Aufsicht tätig sein. Und die ist im Spital gegeben. „Aber wir sind sehr froh, Doktor Zolotarev bei uns zu haben. Denn er ist ein intelligenter Mensch und absoluter Fachmann. Das sieht man schon nach wenigen Wochen“, sagt Moyses und hofft sogar, dass Zolotarev auch nach seiner Nostrifizierung dem Klinikum zumindest teilweise erhalten bleiben könnte.

Es sei eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten: das Landesklinikum, die Familie und die Gemeinde, bestätigten die beiden Klinik-Direktoren Erwin Schwaighofer und Klaudia Watzinger.

Dass Doktor Aleksandr Zolotarev jetzt in Scheibbs tätig ist, ist eine Lösung, an der viele mitgewirkt haben, für die die handelnden Personen mitunter aber auch zahlreiche Prügel vor die Füße geworfen bekamen. Neben Franz Aigner und dem Scheibbser Gemeinderat, der einstimmig hinter dieser Lösung steht, hat sich auch ÖVP-Landtagsabgeordneter Anton Erber für diese Lösung stark gemacht. „Wir brauchen gerade am medizinischen Sektor Zuzug von außen, um die Herausforderungen der Gesundheitsversorgung und auch der Pflege in Zukunft zu meistern. Wir haben hier die Lösung in den Vordergrund gestellt, gemeinsam an eine Idee geglaubt und nicht Schuldige gesucht, warum es so gekommen ist. Daran sollte sich vielleicht auch der Bund ein Beispiel nehmen“, sagt Erber.

Krieg wäre schon fast zum Verhängnis geworden

Ursprünglich eingefädelt hat dieses Engagement von Aleksandr Zolotarev übrigens Günter Mondl, geschäftsführender ÖVP-Gemeinderat aus Steinakirchen. Er pflegt seit 15 Jahre berufliche Geschäftsbeziehungen in die Ukraine. Doktor Zolotarev ist ihm über Bekannte vermittelt worden. „Er wollte mit seiner Familie weg aus der Ukraine - schon vor dem Krieg. Der wäre ihm ja beinahe noch zum Verhängnis geworden. Denn er sollte seinem Land dienen. Aber da er schon an der Med-Uni in Graz inskribiert hatte, durfte er mit seiner Familie jetzt doch noch das Land verlassen“, schildert Günter Mondl.

Und was sagt Doktor Aleksandr Zolotarev selbst: „Ich möchte einfach nur Danke sagen. Für die Hilfe und Unterstützung, die meiner Familie und mir hier widerfahren ist. Danke auch dem Landesklinikum. Es ist mir sehr wichtig, dass ich hier arbeiten darf. Und Danke allen Scheibbsern. Wir sind hier gut aufgenommen worden“, betont Zolotarev.