Purgstaller Bauamtsleiter: Ein Blick zurück im Zorn. Bauamtsleiter Schreiber verabschiedet sich mit Mobbing-Vorwürfen und Beschwerde an die Gleichberechtigungskommission. Vizebürgermeister verbittet sich Rufschädigung.

Von Karin Katona. Erstellt am 14. April 2021 (04:53)
Symbolbild
Weingartner-Foto

„Don‘t look back in Anger“ – schau nicht im Zorn zurück – ist ein bekannter Song von Oasis, und es könnte das neue Motto von Franz Schreiber sein.

Der 38-jährige Wieselburger hat seinen Job als Bauamtsleiter der Marktgemeinde Purgstall niedergelegt und sich mit einem emotionalen Posting in der Facebook-Gruppe „Leben in Purgstall“ verabschiedet. Seine Erklärung: Es sei ihm verwehrt worden, dies über die Gemeindezeitung zu tun.

Auf Facebook erhebt der scheidende Bauamtsleiter schwere Vorwürfe gegen die Gemeindespitze: „Das Arbeiten unter der neuen Gemeindeführung wurde für mich immer belastender. Mobbing wurde nicht nur vom Arzt diagnostiziert, sondern auch im Gemeindeamt erkannt.“

Während eines längeren Krankenstands habe die Gemeindeführung seinen Hausarzt angerufen, ihn um Auskunft über Schreibers Gesundheitszustand gebeten und den Arzt aufgefordert, Schreiber wieder gesund zu schreiben. „In den letzten Jahren hatte und habe ich wegen des Mobbings, dem ich ausgesetzt war, Schlafstörungen, Albträume, Depressionen, Suizidgedanken, Magenkrämpfe. Seit Monaten hatte ich unzählige Therapieeinheiten bei diversen Psychologen und Therapeuten“, äußerte sich Schreiber gegenüber der NÖN. „Harald Riemer hat mich sogar in einer Nachbargemeinde schlecht gemacht. Ich muss jetzt mit den Vorgängen abschließen und nach vorn schauen.“

„In dieser Sache gibt es, wie immer, zwei Seiten der Medaille.“ Erik Hofreiter, ÖVP-Obmann

Vizebürgermeister und ÖVP-Ortsparteiobmann Erik Hofreiter weist in einer Gegendarstellung, ebenfalls in der Gruppe „Leben in Purgstall“, Schreibers Vorwürfe vehement zurück: „Ich möchte mein Bedauern betreffend den schlechten Gesundheitszustand von Franz Schreiber zum Ausdruck bringen. Zu den Umständen, die zu dem Posting geführt haben, sei nur gesagt, dass es zwei Seiten der Medaille gibt. Die Verantwortlichen der Marktgemeinde Purgstall distanzieren sich absolut von Rufschädigungen und Denunzierungen dieser Art in der Öffentlichkeit!“

Ganz ohne rechtliche Konsequenzen seinerseits, so scheint es, will Franz Schreiber sich von der Gemeinde nicht verabschieden. Schreiber habe, informiert Bürgermeister Harald Riemer, eine Beschwerde wegen Diskriminierung bei der Gleichbehandlungsbehörde eingelegt, die der Gemeinde vor Kurzem zugestellt worden sei. „Ich habe eine Gegendarstellung verfasst und einen Termin bekommen, den ich gerne wahrnehmen werde. Die Behörde wird aufgrund der Aussagen der Beteiligten ein Gutachten erstellen. Dann sehen wir weiter.“ Ansonsten könne und werde er keine Kommentare über Gemeindebedienstete abgeben. „Ich wünsche Franz Schreiber alles Gute für seine berufliche Zukunft“, schließt Riemer.

Gegenüber dem Personalvertreter der Gemeinde, Hans Zeller, hatte Franz Schreiber seine Mobbing-Vorwürfe nicht geäußert. „Ich hätte für ihn, wie für alle Angestellten der Gemeinde, ein offenes Ohr gehabt, er hat sich aber mit seinem Problem nicht an mich gewendet“, sagt Zeller.