Bezirk Scheibbs: Warten auf die gute alte Musistund‘. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Anna Faltner, Claudia Christ und Karin Katona. Erstellt am 14. April 2021 (05:11)
Florian Nurscher (12, rechts) aus Wieselburg ist auch für die wöchentliche Online-Musikstunde motiviert. Aber vor Ort wäre es ihm noch lieber. Florian Kastenberger aus Purgstall (links) darf mit seinem Lehrer Anton Sauprügl üben: Er fährt zum Bundesbewerb von Prima la musica. Fotos: Karin Katona, privat
Karin Katona, privat

Es ist ein Auf und Ab, und das schon seit einem Jahr. Die Musikschulen wechseln mit jedem Lockdown vom gerade erst zurückgewonnenen Präsenzunterricht gleich wieder ins Distance Learning. Zwar sind Musiklehrer, Schüler und Eltern darin mittlerweile schon erprobt, die Sehnsucht nach der Normalität wird aber immer größer.

Wenn der Präsenzunterricht stattfindet, dann mit klaren Regeln. „Unsere Musikschullehrer lassen sich regelmäßig testen, momentan mindestens einmal pro Woche. Und die Hälfte unserer Lehrer ist sogar schon geimpft“, erzählt Johannes Distelberger, Direktor der Musikschule Wieselburg. Beim Unterrichten (aktuell wieder per Online-Konferenz) sei mittlerweile eine gewisse Routine eingekehrt, alles funktioniere ohne Probleme. „Den Schülern und Lehrern ist der normale Unterricht aber natürlich lieber“, weiß der Direktor.

Das bestätigt auch Florian Nurscher. Der zwölfjährige Wieselburger nimmt seit sieben Jahren Trompetenunterricht, momentan sitzt er für seine Musikstunde (wieder) vor dem Computer. „Es funktioniert alles besser als im ersten Lockdown. Aber der normale Unterricht ist auf jeden Fall g’scheiter. Die Akustik ist eine ganz andere“, erzählt Florian. Er ist noch motiviert, doch: „Die Auftritte mit der Musikschule fehlen mir nicht so sehr, aber dafür das Spielen mit der Kapelle“, sagt der junge Trompeter. Immerhin befindet sich die Blasmusik ja schon seit Herbst im Total-Lockdown.

Die Fächer Tanzen, Schauspiel oder elementare Musikpädagogik kamen im vergangenen Jahr kaum zum Präsenzunterricht, da meist nur Einzelunterricht möglich war. „Wenn jeder allein vor dem Computer sitzt, tritt da schon eine gewisse Ermüdung ein. Deshalb glauben wir, dass die Anmeldungen in diesen Fächern schon etwas zurückgehen werden“, sagt Distelberger. Eine Anmeldung für das kommende Schuljahr ist schon möglich, auch online. Im Juni ist eine Musikschulwoche mit Schnupperstunden geplant.

„Die meisten sind noch mit Freude dabei. Wichtig ist, dass man sich Ziele setzt.“Anton Sauprügl, Leiter der Musikschule Erlauftal

Nach dem Einzelunterricht ist man auch in der Schmelzer Musikschule in Scheibbs nun wieder beim Online-Unterricht angelangt. Für die Schüler eine nicht ganz einfache Situation, wie Musikschulleiterin Irene Kraus weiß:„Wir versuchen, die Schüler so gut es geht zu unterstützen, aber für manche ist das schon sehr demotivierend. Es fehlen ihnen einfach das Soziale und das gemeinsame Musizieren.“ Auch die bei den Schülern sehr beliebten Vorspielabende und Konzerte zum Semesterende werden heuer sicher nicht in der üblichen Form stattfinden können. „Wir werden deshalb auf Open Air-Konzerte umsteigen“, meint Kraus und hofft, dass diese im Mai bereits möglich sind.

Derzeit werden im Schnitt 530 Schüler aus den Gemeinden Göstling, Oberndorf, Reinsberg, Randegg, Scheibbs und St. Anton unterrichtet. Wie die Situation im Herbst aussehen wird, kann Kraus noch nicht sagen, denn die Anmeldephase läuft bis 31. Mai. Um neue Schüler zu gewinnen und ihnen ein Instrument schmackhaft zu machen, wird es Mitte Mai Schnupperstunden geben. Das ist nach Voranmeldung einzeln nur mit dem Lehrer möglich, „denn es ist natürlich wichtig, bevor ich mich für ein Instrument entscheide, dass ich es einmal in der Hand hatte und ausprobieren konnte“, meint Kraus.
 

Wenn Schnuppertage ausfallen, könnte das auf Kosten der Anmeldungen gehen, befürchtet Anton Sauprügl, Leiter der Musikschule Erlauftal. Bei einigen wenigen seiner Schüler bemerkt er bereits sinkende Motivation, doch: „Die meisten sind mit Freude dabei. Wichtig ist, dass man Ziele setzt. Gut, dass wir die Übertritts-Prüfungen abhalten konnten, um einen Ansporn zum Üben zu haben.“

Zermürbend seien für alle, Lehrer sowie Schüler, die ständig wechselnden Vorschriften. „Das ist wie ein Dschungel, in dem wir umherirren“, verzweifelt Sauprügl. Besonders betrifft das die 100 Ensemble-Schüler: „Bei Blasmusik-Ensembles können drinnen bis zu sechs Leute spielen, wenn alle getestet sind. Bei anderen Ensembles dürfen es auch bis zu sechs Leute sein, die aber keinen Test brauchen. Morgen kann alles wieder ganz anders sein. Das ist mühsam“, sagt Sauprügl.

Einen minimalen Rückgang bei den Schülerzahlen hat Johann Grabner, Leiter der Musikschule Ybbsfeld in Blindenmarkt bemerkt. Leider gehe das Zwischenmenschliche per Online-Unterricht völlig verloren. Was aber hilft, sind Ziele, also Prüfungen, auf die man sich vorbereiten kann.

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