"Geschichte der Langau" wieder erhältlich

Das vor 20 Jahren erschienene Buch „Vom Urwald zum Siedlungsraum. Tal der oberen Ois“ von Leopoldine Egger war lange vergriffen. Jetzt ist es wieder erhältlich.

Karin Katona
Karin Katona Erstellt am 20. September 2021 | 06:05
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Leopoldine Egger freut sich über das große Interesse an ihrem Buch.
Foto: Katona

Mit den Worten „Eine schöne Zeit“ signiert Leopoldine Egger ihr Buch „Vom Urwald zum Siedlungsraum“ für den, der es persönlich bei ihr erwirbt. Lange war der Band vergriffen, nun erscheint er, zwanzig Jahre nach der Erstfassung, in einer Neuauflage. Schon für diese regnen wieder Bestellungen herein. „Die Menschen interessieren sich für das, was ich zu erzählen habe“, freut sich die 93-jährige Autorin, die ein Buch über die Menschen der Langau, ihr Leben und ihre Geschichte geschrieben hat. Sie selbst ist in der Langau aufgewachsen, hat vieles selbst erlebt, viele Geschichten von ihrer Mutter, einer Langauerin, weiter erzählt.

Es sind nicht nur Geschichten, aus der „guten alten Zeit“. Denn die war hart und arbeitsreich. „Die Tage waren voll schwerer Arbeit. Die Menschen hatten wenig und lebten einfach. Aber wir waren auch zufrieden, hatten Freude an kleinen Dingen“, sagt Leopoldine Egger. Die Rothschilds, denen die Langau gehörte, waren sehr soziale Arbeitgeber. Alle im Tal, vom Holzarbeiter bis zum Förster, wurden gut bezahlt, wohnten kostenlos in Häusern, die bestens instandgehalten wurden. Die Rothschilds hatten im Tal eine eigene, kleine Welt geschaffen. Es gab neben der Forstverwaltung und dem Jagdschloss eine Meierei, eine Wäscherei, eine Kegelbahn für die Arbeiter. Die Kinder erhielten bei einer Weihnachtsfeier Geschenke: „Das war aufregend“, erzählt Leopoldine Egger. „Wir waren schüchterne Kinder, nicht so wie die Kinder heute.“

„Wir hatten wenig und lebten einfach. Aber wir hatten Freude an kleinen Dingen.“ Buchautorin Leopldine Egger

Viel hat sich getan in den 20 Jahren seit der Erstausgabe des Buches über das „Tal der oberen Ois“. Bettina Loram, das letzte Mitglied der Familie Rothschild, das auf dem Anwesen in der Langau lebte, starb 2012. Die Erben verkauften in den Jahren 2018 und 2019 den gesamten Besitz an die Industriellen-Familie Prinzhorn aus Salzburg. „Für mich war das ein schwerer Schlag“, sagt Leopoldine Egger. „Es war ein schmerzhafter Einschnitt. Die Ära Rothschild ging nach 150 Jahren zu Ende.“ Doch auch wenn in der Region entscheidende Veränderungen stattgefunden hätten, sei sie doch eine natürliche und liebenswerte Region geblieben, betont die Autorin. Auch die Pandemie mache deutlich, dass die Langau ein Ort sei, der Besuchern Kraft schenke und den Blick für das Wesentliche zurückgebe.

„Heimatkunde sollte mehr geschätzt werden“

Die Jugend, so findet sie, sollte mehr über die Vergangenheit der Region wissen: „Das wäre Sache der Schule. Heimatkunde ist etwas, das man wieder mehr schätzen muss, um zu erkennen, wie wichtig es ist, Kostbares zu erhalten. Ich wünsche mir, dass diese Landschaft erhalten werden kann, um auch den Menschen der Zukunft ein Plätzchen zum Ausruhen und Atemholen zu geben.“

Das Buch „Vom Urwald zum Siedlungsraum. Tal der oberen Ois“ von Leopoldine Egger ist auf dem Gemeindeamt Gaming und in Kürze im Haus der Wildnis in Lunz um 34 Euro erhältlich.