Anton Distelberger: „Ich liebe Geschichten“. Der aus Wieselburg-Land stammende Autor Anton Distelberger stellt seine neuen Erzählungen vor: Eine handelt von seinem Onkel, dem „Priester Promille Präses“.

Von Karin Katona. Erstellt am 21. November 2020 (12:04)

NÖN: Der Titel Ihres Buches lautet „Liebende im Mostviertel“. Wer waren diese Liebenden?

Anton Distelberger: Die Titelgeschichte handelt von den Personen, die auch auf dem Titelbild zu sehen sind: Mein Onkel Adi Distelberger, Pfarrer von Dürnstein und Kolpingpräses von St. Pölten. An seiner Seite die Gefährtin seines letzten Lebensjahrzehnts.

„In meinem Buch geht es nicht in erster Linie um Liebe, sondern um alle Beziehungen.“ Anton Distelberger, Bibliothekar und Buchautor

Ein Priester und die Beziehung zu einer Frau?

Distelberger: Für ihn war die langjährige Beziehung zu dieser Frau auch nicht ganz unkompliziert. Und für sie war es schwer, nicht offiziell die Frau an seiner Seite sein zu können. Mein Onkel war kein einfacher Mensch. Aber sie ist bis zum Schluss bei ihm geblieben und er ist ihren Armen gestorben.

Warum war Ihr Onkel so eine prominente Persönlichkeit?

Distelberger: Er war als umgänglicher und beliebter Priester bekannt wie ein bunter Hund. Am liebsten hielt er sich unter den Menschen auf. Er war sehr charismatisch, konnte die Leute ansprechen. Er verkündete das Evangelium als Frohbotschaft. Ich würde ihn als einen sozial kompatiblen Alkoholiker bezeichnen. Aber gerade das machte ihn so beliebt.

Darum haben Sie eine Geschichte über Ihn geschrieben?

Distelberger: Zu der Geschichte kam es, als wir nach seinem Tod seine Wohnung ausgeräumt haben. Jeder sollte sich etwas mitnehmen. Ich habe ein Foto gefunden, wo ich selbst als kleiner Bub mit ihm drauf war. Da habe ich beschlossen, dass ich diese Geschichte erzählen muss. Damals war gerade meine Tochter geboren worden und ich wollte die Geschichte auch für meine Kinder festhalten.

Hat Ihre Tochter das Buch schon gelesen?

Distelberger: Sie ist jetz 16. Sie hat es sich gleich geschnappt und gespannt gelesen. Dann hat sie gesagt, es ist spannend und lustig. Für mich als Vater ein Kompliment.

Handeln auch die anderen Geschichten im neuen Buch von Ihrer Familie?

Distelberger: Es sind alles erzählte Lebensgeschichten. Und bei der Recherche stößt man immer wieder auf Dinge, die kaum noch jemand weiß und kommt dadurch wieder auf andere Personen.

Sie haben schon mehrere Bücher geschrieben – sind das auch Geschichten aus dem wahren Leben?

Distelberger: In meinen drei Büchern „Von der Liebe erzählen“, „Großvaters Geschichten – ein Leben im Mostviertel“ und „Das Mädchen im Badeanzug“ habe ich mich mit erzählten Lebensgeschichten beschäftigt.

Fiktion interessiert Sie also nicht?

Distelberger: Mich faszinieren Menschen und ihr subjektiver Zugang zur Geschichte. Menschen erzählen grundsätzlich immer und überall. Doch manche von ihnen sehen ihre persönliche Geschichte als so wichtig, dass sie sie für die Nachwelt dokumentiert wissen wollen.

Und von diesen Menschen kommt der Stoff für Ihre Bücher?

Distelberger: Ja. Sie haben spannende Dinge erlebt, von denen sie nicht wollen, dass diese Abenteuer in Vergessenheit geraten. Sie erzählen von den Höhen und Tiefen ihres Lebens, von den Siegen und Niederlagen, von schönen und traurigen Erlebnissen. Darin finde auch ich mich wieder.

Werden Sie irgendwann Ihre eigene Biografie schreiben?

Distelberger: Die habe ich indirekt in diesem Buch erzählt. Wenn man die Geschichten liest, zieht sich meine eigene Lebensgeschichte wie ein roter Faden hindurch. Es fängt an mit mir als kleinem Buben, der im Wald und im Dorf unterwegs ist, mit einer Freiheit, die Kinder heute nicht mehr haben.

Zurück zum Buch: Geht es in den Geschichten nur um die Liebe?

Distelberger: Es geht nicht in erster Linie um die Liebe, sondern um Beziehungen aller Art, zum Beispiel auch zwischen Kindern und Eltern. Aber auch alle anderen wichtigen Beziehungen im Lauf eines Lebens.

Und zum Schluss noch eine Anekdote über Ihren Onkel?

Distelberger: Die bekannteste Anekdote ist wohl die über die Verfolgungsjagd, die er sich mitten in der Nacht mit der Polizei lieferte, die ihn in Krems kontrollieren wollte. Er fuhr der Streife mit seinem Mercedes mit dem Kennzeichen P-PPP (für Priester Promille Professor Präses) davon und konnte erst am Bahnhof St. Pölten gestellt werden, wo man ihm den Führerschein abnahm. Nicht zum einzigen Mal übrigens.