Direktor: „Gehe mit ein bisschen Wehmut“ . Franz Hofmarcher geht nach 41 Dienstjahren als Lehrer und vier Jahren als Direktor der NMS Purgstall in Pension.

Von Karin Katona. Erstellt am 09. Juli 2020 (17:19)
Franz Hofmarcher geht am 1. August als Direktor der NMS Purgstall in Pension. Als Nachfolgerin wird Gunda Mayer von der NMS mit der Schulleitung betraut.
Katona

NÖN: Wie ist der Abschied von der Schule nach so vielen Jahren?

Franz Hofmarcher: Es ist schon viel Wehmut dabei. Ich wäre gern zehn Jahre jünger. Ich würde gern weiter arbeiten. Auch der Zeitpunkt ist schwer, in der Coronazeit. Aber ich muss jetzt auf meine Gesundheit schauen.

Sie waren also mit Leib und Seele Lehrer?

Hofmarcher: Ich sage eher, ich bin froh, dass ich einen für mich richtigen Beruf gewählt habe, ich hatte auch andere Interessen. Aber ich war gern Lehrer, und das ist ein gutes Gefühl.

Sie waren immer offen für Neues – wie war das am Anfang?

Hofmarcher: Ich war immer begeistert von Kindern, aber als junger Lehrer gefangen im System. Ich hätte nie geglaubt, was ich im Laufe meiner Berufsjahre lernen würde und wie sich meine Ansichten ändern würden.

Was hat sich da genau getan?

Hofmarcher: Den Anstoß verdanke ich Erika Teichmann, die damals hier bei uns erstmals inklusive Unterrichtsmethoden praktiziert hat. Das hat mich begeistert und gefangen genommen. Es ist heute unser Credo an der NMS, alle Kinder inklusiv in einer Lerngruppe mitzunehmen. Ich halte Leistungsgruppen für kontraproduktiv.

Ist inklusiver Unterricht nicht viel aufwendiger?

Hofmarcher: Sicher. Aber die Frage sollte nicht sein, ob es geht, sondern, wie. Es geht nur mit Zusammenarbeit, der Lehrer darf kein Einzelkämpfer sein. Zusammenarbeit ist für mich das wesentliche Element einer modernen Schule. Die Qualität der Schularbeit ist verbunden mit der Zusammenarbeit der Lehrer, mit dem Voneinander-Lernen.

Was haben Sie in Ihren Jahren als Lehrer selbst gelernt?

Hofmarcher: Dass man immer ein Lernender bleiben muss. Die Menschen, die glauben, immer alles zu wissen, tun sich im Leben schwer.

Was bringt das für die Kinder?

Hofmarcher: An Kinder werden in der Schule viele Dinge herangetragen, die für sie nicht immer Thema sind. Daher ist es wichtig, ihnen Elemente anzubieten, wo sie ihre Talente entwickeln und Selbstkompetenz erfahren können.

Lernen die Schüler in einer Integrationsklasse nicht weniger?

Hofmarcher: Im Gegenteil. Wir haben jedes Jahr eine Integrationsklasse und es bestätigt sich immer wieder. Die Schwächeren profitieren von den Stärkeren, und alle lernen zusätzlich etwas für‘s Leben: soziale Kompetenz.

Und der Leitgedanke?

Hofmarcher: Die Schule steht und fällt damit, dass Menschen bereit sind, etwas zu leisten. In der Schule braucht es das ebenso wie in der Gesellschaft. Wir als Lehrer müssen das von den Kindern nicht nur verlangen, wir müssen es auch vorleben.

Haben Sie ein Berufsmotto?

Hofmarcher: Es ist die vornehmste Aufgabe des Menschen, aus jedem Kind das herauszuholen, was sein Talent ausmacht. Dann ist er ein ‚begabender‘ Mensch.

Und wie sieht die Schule Ihrer Träume aus?

Hofmarcher: Eine heterogene Schule für alle Zehn- bis Vierzehnjährigen, mit einem Kompetenzzentrum für lernschwache Kinder., mit zusätzlichen Betreuungslehrern, Sozialarbeitern. Das hätte ich gern erreicht.

Worauf sind Sie stolz?

Hofmarcher: Dass wir in Purgstall mit der Talente- und Angebotsschule Vorreiter für die Neue Mittelschule waren und die ersten im Bezirk, die Team Teaching praktiziert haben.