Reinhard Teufel zu Strache-Video: „Ist nicht die FPÖ“. Während FP-Landesparteisekretär Schnedlitz in NÖ keinen Vertrauensverlust befürchtet, zeigt sich Teufel tief erschüttert.

Von Walter Fahrnberger und Christian Eplinger. Erstellt am 21. Mai 2019 (04:36)
APA/Spiegel/
Das „Ibiza-Video“ hat Vizekanzler Heinz-Christian Strache zum Rücktritt gezwungen. In der FPÖ Niederösterreich ortet man deswegen aber keinen Schaden an der Partei.Süddeutsche Zeitung/Harald Schneider

Der Aufschrei ist groß unter den Vertretern aller politischen Couleurs. Der Schaden, den FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Klubobmann Johann Gudenus angerichtet haben, ebenso.

Mit dem Bekanntwerden ihrer Machenschaften ist das Image der FPÖ noch stärker ramponiert. Auch das Vertrauen in die Politik allgemein hat einen Kratzer abbekommen. Doch in der FPÖ Niederösterreich will man davon wenig wissen. So spricht Susanne Rosenkranz, Gattin von FPÖ-NÖ-Parteichef Walter Rosenkranz und selbst blaue Stadträtin in Krems, von Straches Rücktritt als „großartige Entscheidung“, welche die Größe seiner Person zeige.

Der geschäftsführende FPÖ-Landesparteiobmann Udo Landbauer räumte zwar ein, dass „selbstverständlich Fehler“ passiert sind, aber dass man auch berücksichtigen müsse, dass die Aussagen in einer „Weinlaune zu später Stunde“ gefallen sind. Dass die Causa auch negativ auf die Landes-FPÖ abfärben könnte, glaubt FPÖ-Landesparteisekretär Michael Schnedlitz absolut nicht: „Wir haben in Niederösterreich kein Vertrauen verspielt. Wir haben hier ein starkes Fundament.“

"Ich hätte nicht gedacht, dass Spitzenfunktionäre unserer Partei so agieren. Das geht einfach nicht“Reinhard Teufel

Schnedlitz ortet sogar eine „Jetzt erst recht“-Reaktion in der Landespartei, die zu einer weiteren Mobilisierung der freiheitlichen Gruppierung führen wird.

Ganz anders sieht das FPÖ-Bezirksparteiobmann und Landtagsabgeordneter Reinhard Teufel aus Lackenhof. Der Kabinettschef von Innenminister Herbert Kickl zeigte sich von dem Ibiza-Video „tief erschüttert und fassungslos. Ich hätte nicht gedacht, dass Spitzenfunktionäre unserer Partei so agieren. Das geht einfach nicht“, sagt Teufel im Gespräch mit der NÖN am Sonntagnachmittag. Kritik übt er aber an Kanzler Kurz und dessen Versuch, Innenminister Kickl „abzuschießen“. „Herbert Kickl hatte mit dieser Geschichte im Sommer 2017 absolut nichts zu tun und hat genauso am Freitag von dem ganzen Szenario erfahren wie wir alle. Warum sollte also ausgerechnet er zurücktreten? Dahinter stecken andere Überlegungen“, ist Teufel überzeugt.

„Wird sich am Sonntag im Ergebnis auswirken“

Dass sich das Ibiza-Video für die FPÖ bei den EU-Wahlen am kommenden Sonntag negativ auswirken wird, das gilt für Teufel – auch nach vielen Telefonaten mit Parteifreunden aus dem Bezirk – als sicher. Noch am Donnerstag war er mit NÖ Spitz enkandidatin Vesna Schuster in Wieselburg auf Wahlkampftour unterwegs.

Da war die Welt noch in Ordnung und die in Melk geborene Vesna Schuster und Reinhard Teufel träumten vom fünften Mandat für die FPÖ. „Das können wir nun mit ziemlicher Sicherheit vergessen. Die knapp 7.000 Kilometer, die Vesna in den letzten drei Wochen des Intensivwahlkampfes in Niederösterreich zurückgelegt hat, sind mit einem Schlag umsonst gewesen. Denn seit Freitagabend dominiert nur mehr ein innenpolitisches Thema diese Wahlen. Am kommenden Sonntag geht es nicht mehr um Europa“, sagt Teufel.

Bis zur Nationalratswahl im September müsse es der FPÖ wieder gelingen, das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. „Das, was man im Video gesehen hat, ist nicht der Stil der FPÖ. Wir haben gute Regierungsarbeit geleistet“, betont Teufel.

Eplinger
Am Donnerstag war FP-Bezirksobmann Reinhard Teufel noch mit NÖ Spitzenkandidatin Vesna Schuster in Wieselburg auf Wahlwerbetour und guter Dinge.

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