Renate Habinger erhielt Kunstpreis. Renate Habinger hat rund 50 Kinderbücher illustriert, etliche geschrieben. Für ihr Lebenswerk hat sie den Österreichischen Kunstpreis für Kinder- und Jugendliteratur erhalten.

Von Karin Katona. Erstellt am 28. November 2020 (16:21)
Renate Habinger hat das Schneiderhäusl in Oberndorf renoviert und darin ihr „Kinderbuchhaus“ eingerichtet, wo Kinder und Bücher sich begegnen sollen.
Harald Eisenberger

NÖN: Sie haben einen Preis für Ihr Lebenswerk erhalten. Wie sind Sie dahin gekommen, wo Sie jetzt stehen?

Renate Habinger: Ich sehe meine Entwicklung als eine Art Fluss. Mein Weg ist von wichtigen Begegnungen mit Menschen geprägt, mit denen sich ein starker künstlerischer Austausch entwickelt hat. Wie zum Beispiel mit Gerda Angerschmid, mit der ich viel zusammengearbeitet habe, oder der amerikanischen Künstlerin Robin Silberberg. Aber auch die Begegnungen mit Kindern sind für mich inspirierend.

NÖN: Zählen Sie auch Ihr Kinderbuchhaus zu Ihrem Lebenswerk?

Habinger: Ja, natürlich. Ich wollte einen Ort schaffen, wo Kinder und Bücher zusammenkommen. Es gibt Mitmach-Ausstellungen, wo Kinder und Eltern spielerisch die Welt der Bücher entdecken können.

NÖN: Wie weckt man in Kindern die Freude am Lesen?

Habinger: Am meisten durch den Aspekt der Beteiligung, der Mitwirkung. Das ist das Prinzip der Mitmach-Ausstellungen im Kinderbuchhaus. Aber auch das Vorbild der Eltern ist wichtig. Und das Vorlesen kann eine lange Begleitung sein, weil es eine Verbindung und Vertrautheit schafft, an die man als Erwachsener positiv anknüpfen kann.

NÖN: Und wenn das Kind trotzdem nie ein Buch in die Hand nimmt?

Habinger: Nicht jeden spricht das gleiche Medium an, jeder hat eine andere Begabung. Manche lesen vielleicht mehr im Netz. Wichtig ist nur, dass das Lesen nicht verleidet wird, in dem man dem Kind das Gefühl gibt, nicht mitzukommen. Dann entsteht starke Abwehr, und der Mensch ist schwer wieder für das Lesen zu gewinnen.

NÖN: Sie haben viele Figuren zum Leben erweckt, haben Sie einen Liebling?

Habinger: Ich habe eigentlich keine Lieblinge. Es sind immer die, mit denen ich mich zuletzt beschäftigt habe. Aber eine Figur kommt in meinen Büchern immer vor. Das ist „Aua“, ein kleiner Hypochonder. Bei ihm laufe ich schon Gefahr, ihn sehr zu mögen.