Franz Zach: „Als Mediziner kann ich nicht schweigen“. Zahnarzt Franz Zach kommt auch nach dem Tod seiner Tochter Susanne nicht zur Ruhe: Der Verstorbenen wurden eigenmächtig Organe entnommen. Anzeige!

Von Karin Katona. Erstellt am 20. August 2019 (10:37)
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Susanne Zach starb am 24. April nach einer Herzoperation. Posthum wurden ihrem Körper ohne Zustimmung ihrer Eltern Organe entnommen. In Deutschland ist das gesetzeswidrig.

Zahnarzt Franz Zach aus Steinakirchen hat das Schlimmste erlebt, das Eltern passieren kann: Den Tod des eigenen Kindes. Der dreifache Vater muss aber nicht nur den Tod seiner Tochter Susanne (33) verkraften, die im April wegen Komplikationen in Folge einer Herzoperation verstorben ist.

„Erst nach der Bestattung habe ich erfahren, dass Susanne posthum Gehirn und Herz entnommen und in Formalin konserviert worden sind – ohne mich zu fragen“, schildert Zach, was im UKS (Universitätsklinikum des Saarlandes) im deutschen Homburg ohne sein Wissen geschehen ist. „Ich sehe darin eine eigenmächtige Organexplantation, die mein Pietätsempfinden und das meiner Familie schwer trifft und auch das Persönlichkeitsrecht meiner Tochter Susanne schwer angreift. Auf meine Nachfrage, was mit den Organen geschehen ist, hieß es, diese seien gesichert. Wann und wie ich sie bestatten darf, weiß ich nicht.“

Längster Zivilprozess der Zweiten Republik

Der Mediziner hat daher bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken Anzeige gegen das Universitätsklinikum erstattet. Denn in Deutschland ist so ein Vorgehen gesetzeswidrig.Der Leidensweg der Familie hat aber schon viel früher begonnen: Vor 19 Jahren hatte die damals 13-jährige Susanne nach einer Herzoperation im Universitätsklinikum Graz, vermutlich aufgrund mehrerer ärztlicher Behandlungsfehler, eine Hirnmassenblutung erlitten.

„Dass Susanne damals überlebt hat, kam einem Wunder gleich“, berichtet der Mediziner. „Aber sie behielt schwere geistige und körperliche Behinderungen zurück.“ In der Folge kämpfte Zach verzweifelt für das Recht seiner Tochter, führte den längsten Zivilprozess der Zweiten Republik. Vor einem Jahr erst erreichte er als ersten Erfolg die gerichtliche Anerkennung eines privaten Gutachtens, das den Behandlungsfehler in Graz bestätigte.

Die Einsetzung einer neuen Aortaklappe durch den Homburger Herzchirurgen und Klinikdirektor Hans-Joachim Schäfer sollte für Susanne Zach eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebensqualität bringen. Doch am 12. Tag nach der Operation kam es zu einem Aortariss, Susanne starb trotz sofortiger Reanimation und Notoperation.

„Das Personal auf der Intensivstation kam mir überfordert vor. Der Herzchirurg operierte mit Jetlag.“ Franz Zach kritisiert die Zustände am UKS Homburg

Franz Zach ortet auch hier medizinische Fahrlässigkeit seitens des Klinikums Homburg: „Susanne ist es nach der Operation sehr schlecht gegangen. Sie hatte schon während der ersten OP einen Aortariss und musste zwei Stunden lang nachoperiert werden. Sie kam tagelang nicht zu sich. Das Personal auf der Intensivstation erschien mir generell überfordert.“

Zum Beispiel sei, um Susanne vom Bett in einen Mobilitätssessel zu heben, ein Personenlifter verwendet worden, den man nur für Personen einsetzen dürfe, die sich selbstständig abstützen können: „Dazu war Susanne aber gar nicht imstande. Nach dem Einsatz des Lifters hat sich ihr Allgemeinzustand rapide und massiv verschlechtert, bis es schließlich zum Riss der Herzschlagader gekommen ist.“

Bei der Notoperation sei der Herzchirurg seiner Meinung nach übermüdet gewesen: „Er war in der Früh aus Amerika gekommen, war sicherlich im Jetlag.“ Franz Zach geht es bei seiner Anzeige gegen das UKS Homburg nicht um Schadenersatz: „Meine Tochter war im wahrsten Sinne ein guter, herzlicher, Mensch. Ich möchte ihr Herz haben, damit ich es bestatten kann.“

Und: „Ich will nicht, dass anderen dasselbe passiert. Als Mediziner kann ich dazu nicht schweigen.“

UKS: Maßnahmen vorschriftsmäßig durchgeführt

Seitens des Universitätsklinikums heißt es: „Nach unserem Kenntnisstand sind die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen in diesem Fall (Anm. d. Red.: Herz-OP von Susanne Zach) vorschriftsmäßig, lege artis, durchgeführt worden. Wenn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, unterstützt das UKS die Arbeit der Ermittlungsbehörden bestmöglich. Der klinischen Sektion hatte der Vater zugestimmt. Ansonsten sind die Ergebnisse des laufenden Verfahrens abzuwarten.“