Oberndorfer Esperanza-Hof ist in Gefahr. Normkostenmodell für betreute Wohngruppen kürzt Gelder, Therapie-Bauernhof sucht Lösung.

Von Karin Katona. Erstellt am 03. Dezember 2019 (04:59)
Heilsam für die Seele: die Tiere auf Esperanza.
privat

Esperanza heißt Hoffnung – und eben diese braucht Martina Kotzina, die Inhaberin des gleichnamigen Zentrums für tiergestützte Pädagogik, im Moment sehr dringend. Denn durch das Normkostenmodell des Landes NÖ, das ab 1. Jänner 2020 einheitliche Tarife für Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen festlegt, wird das Budget der Wohngruppe für Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen empfindlich gekürzt.

Momentan leben auf Esperanza neun Jugendliche und 60 Tiere. Auch Großtiere wie Pferde, Esel und Alpakas gehören zum pädagogischen Konzept, mit dem Martina Kotzina vor 21 Jahren österreichische Pionierarbeit geleistet hat: „Wir haben hier Kinder, die immer wieder umziehen mussten, weil sie jedes pädagogische Konzept gesprengt haben. Mit den Tieren können sie es schaffen“, schildert die Pädagogin. „Das Normkostenmodell macht die Fortführung des Betriebs in der bisherigen Form unmöglich.“

Auch Struktur der Gruppe würde sich ändern

Für 2020 bestehe die Aussicht auf eine „Sondersubvention“, für 2021 müsse man – laut Behörde – „schauen, was man machen kann.“ Ab 2022, dem Ende der Übergangsfrist, gelte das Normkostenmodell – ohne Ausnahme. „Ein Vorschlag unter anderen war, einen Tierpfleger zu entlassen oder Tiere wegzugeben. Das kann ich nicht, das geht gegen unser Konzept.“

Auch die Struktur der Gruppe würde sich ändern. Es soll in NÖ keine Spezialwohngemeinschaften für Kinder mit Bedarf an Individualbetreuung mehr geben. „Ich bekomme nur noch vier Plätze für Individualbetreuung. Nun gibt es aber unser Angebot hier. Ich muss daher Kinder aus anderen Bundesländern aufnehmen – ist das wirklich gewollt?“

In den vergangenen Jahren seien die Kosten stationärer Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche stark gestiegen, argumentiert der Pressesprecher der zuständigen Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Ziel der einheitlichen Tagsätze sei es nicht, einzusparen, sondern die vorhandenen Mittel bestmöglich im Sinne der Kinder einzusetzen.

Martina Kotzina hält dagegen: „Der Tagsatz für Wohngruppen mit Kleintieren wird mit unserem gleichgestellt. Dass dies als Norm und ausreichend verkauft wird, schmerzt natürlich, abgesehen davon, dass der fachliche Diskurs nicht stattfindet, unser Pionierangebot negiert und auf ein ‚Zuviel an Tieren und Mitarbeitern‘ reduziert wird.“ Optimistisch ist Martina Kotzina trotzdem: „Wenn sich etwas gut anspürt und von Herzen kommt, und das seit 21 Jahren, gibt es einen Weg.“