Steinmetz Richard Ehrlich: Handwerk wie in alter Zeit. Firma Ehrlich aus Scheibbs restaurierte Altartisch aus dem Jahr 1765 am Seitenaltar der Pfarrkirche Purgstall.

Von Karin Katona. Erstellt am 15. Mai 2021 (04:43)
Richard Ehrlich und Pfarrer Franz Kronister freuten sich über den restaurierten Altartisch. Steinmetz Peter Rothenburger (oben) brauchte dafür viel Handwerksgeschick und Fingerspitzengefühl. Fotos: Katona, privat
Katona, privat

Die NÖN sprach mit Firmenchef Richard Ehrlich über die Kunst der Steinmetze aus der alten und neuen Zeit.

NÖN: Mit welchem Gefühl denkt man beim Restaurieren an die Menschen, die das Werk geschaffen haben?

Richard Ehrlich: Mit Ehrfurcht und Respekt. Der Altartisch in Purgstall stammt aus 1765. Es ist unglaublich, was die Handwerker damals konnten, die feinen Details zu schaffen, mit dem damals einfachen Werkzeug.

In welchem Zustand war der Purgstaller Altar?

Besonders im Sockelbereich unter dem Altartisch war der tonhaltige Kalkstein durch Frosteinwirkung ausgebrochen, der Zustand war sehr schlecht. Auch an vielen Stellen der Gesimse und Profile mussten Ergänzungen mit genau auf das Material abgestimmten Kunstharzmörtel gemacht werden.

Was war dabei die besondere Herausforderung?

Zuerst einmal die farbliche Anpassung an die verschiedenen Farb- und Materialstrukturen des sehr schönen Kalksteins. Da braucht ein Steinmetz sehr viel fachliches Können und Fingerspitzengefühl, speziell beim Verschleifen und Polieren.

Aber es soll ja dann trotzdem „alt ausschauen“, oder?

Das ist die Kunst. Der Schliff soll dem Bestand möglichst gleich sein. Da ist es wichtig, dass der Restaurator mit den alten Techniken vertraut ist und damit umgehen kann. Für das Restaurieren braucht es viel Wissen, Können und jahrelange Erfahrung. Darüber hinaus ist auch das Wissen über die damals verwendeten Materialien wichtig.

Gehören solche Aufträge bei der Firma Ehrlich zum Alltag?

Viele unserer Aufträge sind Restaurierungen. In den vergangenen 40 Jahren hat die Firma Ehrlich an die 80 Kirchen und Kapellen restauriert. In unserer Referenzliste finden sich alle Stifte im westlichen Niederösterreich sowie unzählige historische Bauwerke. Tradition und Zukunft zu verbinden ist in unserer Firma Alltag.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich bin sehr stolz auf das Können unserer Mitarbeiter. Zwei unserer Objekte sind von der Bundesinnung der Steinmetze mit Anerkennungspreisen ausgezeichnet worden. Wenn in den Werkstätten der Steinmetze auch computergesteuerte Maschinen für die wirtschaftliche Anfertigung von Werkstücken hergehalten haben, ist die Oberflächenbearbeitung dem Steinmetz mit Kenntnis der alten Techniken vorbehalten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Mit welchem Gefühl stehen Sie vor dem restaurierten Altar?

Mit einem sehr, sehr schönen Gefühl. Die Arbeit ist sehr gut gelungen.

Wie lang wird der restaurierte Altar jetzt halten?

Durch die neue Heizung und Belüftung der Kirche ist eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit gegeben. Das heißt, er wird länger halten als das Original, mindestens einige hundert Jahre kann ihm nichts passieren. Da müsste schon das Kirchendach einstürzen.