Volksbank: Abschied vom Sparverein. Nach BAWAG und Sparkasse kündigt auch die Volksbank wegen Geldwäschegesetz ihren Sparvereinen die Partnerschaft. Vereine sind verärgert, für Wirte ist es ein Schlag.

Von Karin Katona. Erstellt am 24. Oktober 2020 (11:35)
Dieser Sparverein ist bald Vergangenheit: Hubert Fohringer, Obmann des Sparvereins „Zum Feichsenwirt“, Kassierin Hermine Gindl, Sparvereinsmitglied Michael Lang, Gastwirt Hannes Krickl.
Karin Katona

Am Sonntagvormittag ist im Gasthaus Krickl in Feichsen reger Betrieb. Viele der Gäste kommen nicht nur auf ein Getränk, ein Essen und einen gemütlichen Plausch, sondern nützen die Gelegenheit, im häuslichen „Sparverein zum Feichsenwirt“ bei Obmann Hubert Fohringer oder einem der anderen Kassiere eine kleine Summe zurückzulegen.

Eine liebe Tradition, die aber bald der Vergangenheit angehört. Denn ab kommendem Jahr wird die Volksbank Purgstall, bei der der Sparverein sein Konto hat, den Verein nicht mehr bedienen können. „Durch das EU-Finanzmarkt-Geldwäschegesetz entsteht ein enormer abwicklungstechnischer Mehraufwand. Daher muss die Volksbank leider österreichweit ihre Kooperation mit den Sparvereinen aufgeben. Das schmerzt uns alle“, erklärt Direktor Hannes Scheuchelbauer, Vertriebsleiter der Volksbank Niederösterreich.

Von Heinz Huber, Vorstand der Sparkasse Scheibbs AG, die ebenfalls Partnerschaften mit Sparvereinen im Bezirk hatte, kommt dieselbe Auskunft. Um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung vorzubeugen, müssten sich Mitglieder von Sparvereinen bei der jeweiligen Bank persönlich legitimieren, jeglicher Geldfluss müsse lückenlos dokumentiert werden können. Daher könne auch die Sparkasse den Sparvereinen eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr anbieten. Die Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel betreut zwar – unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen – die bestehenden Sparvereine. Man könne aber aufgrund der gesetzlichen Lage keine neuen Vereine aufnehmen, lässt Direktor Leopold Grubhofer wissen.

Die Mitglieder des Sparvereins „Zum Feichsenwirt“ sind verbittert. Der 40 Jahre alte, über 200 Mitglieder starke Verein, der pro Jahr mehr als 100.000 Euro an Einlagen kassiert, wird im Dezember im Gasthaus Krickl seine letzte Auszahlungsfeier abhalten. Im Sparverein gehe es nicht primär ums Sparen, sondern um die Geselligkeit und das Pflegen der Dorfgemeinschaft im Wirtshaus, sagt Obmann Hubert Fohringer. „Viele kommen extra zum Einzahlen und setzen sich eine Weile her. Wir haben Ausflüge und ein jährliches Preisschnapsen veranstaltet. Hier geht ein Stück Wirtshauskultur verloren.“

Für die Wirte, bestätigt Feichsenwirt Hannes Krickl, sei der Tod der Sparvereine ein empfindlicher Verlust. Jeden Sonntag kommen 30 bis 40 Vereinsmitglieder zum Einzahlen, bei der jährlichen Auszahlung war sein Gasthaus stets zum Brechen voll. „Jetzt werden wohl Sonntagsgäste wegbleiben“, befürchtet der Gastwirt. Er hat mit allen regionalen Geldinstituten Gespräche geführt, leider vergeblich. „Ich weiß, es liegt nicht an den regionalen Banken, die für uns immer verlässliche Partner waren. Aber auch sie müssen sich an die Richtlinien halten.“