Eduard Neumayer: „Jobwahl war keine g‘mahte Wies’n“. Nach 47 Jahren bei der Raiffeisenbank geht Direktor Eduard Neumayer (64) in Pension.

Von Markus Glück. Erstellt am 25. Juni 2019 (04:34)
Glück
Für den Persenbeuger Eduard Neumayer begann am Montag seine letzte Arbeitswoche.

Nie sind 1972 zur Raiffeisenbank gekommen. War der Weg in das Bankenwesen immer klar für Sie?

Eduard Neumayer: Das war keine g’mahte Wiesn. Mein Papa hat gesagt: ‚Geh auf die Bank, das ist ein sicherer Job.‘ Ich wollte eigentlich Pilot werden oder auf die Militärakademie gehen, aber sicherlich nicht zur Bank. Damals wurden Leute gesucht, ich habe es dann nicht bereut. Ab 1981 ist es dann wirklich interessant geworden, als jede Bank eine Innenrevision haben musste. Ich habe damit die Bankausbildung samt Geschäftsleiterausbildung bekommen.

Ein Bankstellenleiter genießt im Ortsgefüge ein hohes Standing und soll gleich nach dem Ortschef und dem Pfarrer kommen. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Neumayer: Genau so! Heute traue ich mich nicht mehr, das so zu sagen. Die Position genießt auch heute noch einen sehr guten Ruf, bei den Kunden wird der Bankstellenleiter als Chef vor Ort wahrgenommen.

Aufsichtsratsvorsitzender Harald Wehrberger bezeichnet Sie als Zahlenfuchs. Wie kam es zu diesem Ruf?

Neumayer: Ich habe vielleicht die seltene Gabe, das Trockene wegzulassen. Oft kamen Funktionäre zu mir, um Dinge, etwa von der Bankenaufsicht, übersetzt zu bekommen. Ich merke mir Zahlen leichter als die Namen der Menschen.

Sie haben 1997 bei der Fusionierung der Raiffeisenbanken Melk und Nibelungengau auf den Geschäftsleiterposten verzichtet. Wie schwierig war das für Sie?

Neumayer: Das wird immer als Heldentag dargestellt, was aber nicht so war. Die Fusion war notwendig, es gab aber sechs Geschäftsleiter. Direktor Ringsmuth war lange vor mir in der Geschäftsleitung, da war für mich klar, dass ich mit ihm nicht in ein Hearing gehe. Natürlich hat es wehgetan. Im Nachhinein habe ich es manchmal bereut, da die Weiterentwicklung schwieriger war.

Vor der Pension wünscht man sich ruhigere Jahre, die letzten drei Jahre waren aber eher turbulenter. Wie schwierig war es vor drei Jahren, die große Fusion zu verkaufen?

Neumayer: Die Schwierigkeit fängt auf Geschäftsleiter-Ebene an, klappt es dort, ist ein wichtiger Grundstock geleistet. Unser Obmann und auch der Wieselburger Obmann sind bekannt dafür, dass sie keine Bewahrer, sondern Gestalter sind. Diese beiden haben daran geglaubt und es war gleich klar, dass wir es machen.

Zuletzt stieg die Bilanzsumme auf 1,62 Milliarden Euro, die Eigenmittel sind fast doppelt so hoch wie gefordert. Auch die Mitgliederzahl erhöhte sich auf mehr als 34.000. Sind Sie vom Erfolg der Fusion überrascht?

Neumayer: Nein, weil wir 2016 gewusst haben, dass es eine gute Chance ist. Daher haben wir auch nicht viele Kunden verloren. Die positive Entwicklung zeigt auch die weiterhin steigende Mitgliederzahl.

Damals war es ein Ziel, Vorteile für die Kunden zu schaffen, dennoch kam es zu zehn Schließungen. Haben Sie Verständnis dafür, dass jeder Bürgermeister für seine Raika gekämpft hat? Wie viele Kunden gingen verloren?

Neumayer: Wir haben etwa rund 100 Kunden, aber keine Firmenkunden, verloren und natürlich viel Aufregung in den Gemeinden gehabt, wofür wir volles Verständnis hatten. Die Kontakte mit den Gemeinden sind wieder sehr gut. Wenn sich die Mitarbeiter bemühen und ein Kontakt mit dem Kunden da ist, läuft er nicht davon. Aber klar, wenn ich damals bei den ersten Schließungen 2013 zum Wirten nach Münichreith ging, war ich für viele Gäste der Bankstellen-Vernichter. Damit musste ich leben, das hat sich aber Gott sei Dank wieder geändert.

Es drehte sich damals auch vieles um die Bankomaten-Frage. Warum ist dieses Thema ein so emotionales?

Neumayer: Bargeldversorgung ist ein emotionales Thema und das haben wir bei der Fusion auch gelernt. Ich bin aber überzeugt, dass es viele Bankomaten in fünf Jahren nicht mehr geben wird. Wenn etwa ein Pfarrer sagt, der Bankomat müsse direkt bei den Menschen sein, entgegne ich, dass die Kirche ja auch nicht bei jedem neben der Wohnung ist. Die meisten Bankomaten sind aufgrund vieler Alternativen nicht kostendeckend.

Das Bankwesen hat sich sehr revolutioniert. Braucht es in zehn Jahren noch Bankfilialen?

Neumayer: Ich glaube nicht, dass es gar keine Bankstellen mehr gibt, aber es wird sich alles weiterverändern. Ich würde die Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass 20 Bankstellen der Stein der Weisen sind. Aktuell gibt es dazu aber keine Diskussion. Die Oberbank macht etwa Filialen ab 90.000 Einwohnern, daher gibt es im Bezirk Scheibbs und Melk keine Oberbank.

Wie werden Sie ihre Pension nutzen?

Neumayer: Ich habe vier Enkerln und komme dann auch wieder mehr zum Golfen. Ein Enkerl hat sich schon beschwert, dass der Opa zu wenig mit ihm Zug spielt, das werden wir jetzt ändern. Meine Partnerin wird sich auch an meine vermehrte Anwesenheit gewöhnen dürfen.