Josef Kowar: „Es geht um ein attraktives Pfarrleben“. NÖN-Mitarbeiterin Karin Maria Heigl hat sich anlässlich der Pfarrumfrage „Blick in die Zukunft“ mit Pfarrer Josef Kowar unterhalten.

Von Karin Maria Heigl. Erstellt am 17. Januar 2019 (04:00)
Karin Maria Heigl
Josef Kowar

NÖN: Herr Pfarrer Kowar, Sie sind das vierte Jahr in Wieselburg. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie nach dieser Zeit?

Josef Kowar:  Ich bin mittlerweile in die Pfarrstruktur hineingewachsen. Wieselburg ist eine sehr große Pfarre, die wie jede Pfarre ihre eigenen Prägungen hat. Das kennenzulernen, erfordert Zeit und Geduld. Es passieren auch unvorhergesehene Dinge und es ist immer wieder eine Herausforderung, die ich gerne annehme. Leider macht mir gesundheitlich das Klima hier sehr zu schaffen. Darum verbringe ich gerne meinen freien Tag im Waldviertel.

Die Pfarrumfrage „Blick in die Zukunft“ möchte Ideen zusammentragen. Was wünschen Sie sich für ihre Pfarre?

Kowar:  In der Pfarre Wieselburg gibt es viele zum Teil sehr unterschiedliche Gruppen und Gruppierungen. Da stehen die Eigeninteressen oft im Vordergrund. Für mein Empfinden fehlen das wertschätzende und bereichernde Miteinander, der gemeinsame Nenner. In den Gottesdiensten sind unterschiedliche Menschen zur Mitfeier versammelt. Deshalb ist es mir ein Anliegen, die Gottesdienste ansprechend, im Sinn der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils zu feiern. Dort heißt es, das möglichst alle Teilnehmer sich aktiv an der Feier beteiligen sollen. Darum sind die unterschiedlichsten Dienste wichtig. Für mich persönlich hat der gemeinsame Gesang einen hohen Stellenwert.

„Wir wollen herausfinden, was wir verbessern könnten, so dass das Kirchenleben für mehr Menschen ansprechender wird.“
Pfarrer Josef Kowar

Die musikalische Gestaltung der Messen ist Ihnen also ein Anliegen. Was würden Sie sich noch wünschen?

Kowar: Ja, der Zugang über die Musik ist mir persönlich wichtig und ich bin auch überzeugt, dass es auch vielen anderen so geht. Lieder können berühren und Emotionen schaffen. Ich denke auch, dass über die musikalische Gestaltung immer neue Menschen Interesse am Mitfeiern der Gottesdienste finden können. Und das wäre natürlich ein großer Wunsch: dass viele Menschen sich am Pfarrleben beteiligen und diese Gemeinschaft schätzen können.

Welche Pläne und Ideen haben Sie für die nahe Zukunft?

Kowar: Die Pfarrkirche wird in den nächsten Jahren saniert werden müssen. Das ist ein großes und kostenintensives Projekt. Das gesamte Areal rund um die Kirche steht unter Denkmalschutz - hier war das mittelalterliche Dorf Berg angesiedelt. Für Archäologen ist das hochinteressant: Mittels Georadar wird nun ermittelt, was sich unter der Oberfläche befindet. Im Zuge der Kirchensanierung wäre eine völlig neue Altarraumgestaltung wünschenswert. Der Altar, er ist Sinnbild für Christus, soll Mitte und Zentrum sein. So sieht es das II. Vatikanische Konzil vor. Um diese Mitte sollen sich die Menschen versammeln. Das würde sicher sehr dazu beitragen, dass in der Kirche, bei den Gottesdiensten, Gemeinschaft erfahrbar und erlebbar ist.

In der Vergangenheit war auch immer wieder von der Errichtung eines Pfarrzentrums die Rede. Was halten Sie davon?

Kowar: Ein barrierefreier Pfarrsaal in der Nähe der Kirche, den man für Jungschar, Pfarrkaffee und vieles mehr nützen kann, wäre natürlich wünschenswert. Aber man muss sich im Klaren sein, dass damit enorme Kosten entstehen. So eine Investition ist nur sinnvoll, wenn das Pfarrzentrum intensiv genutzt wird.

Soll die Pfarrumfrage auch ausloten, ob daran Interesse besteht? Was war überhaupt die Intention für diese großangelegte Umfrage?

Kowar:  Es geht darum, zu erheben, wie die Leute das Pfarrleben sehen, was in unserer Pfarre gut ist und geschätzt wird und wo noch Wünsche offen sind. Wir wollen herausfinden, was wir verbessern und wie wir das Kirchenleben noch freundlicher gestalten können, sodass es ansprechender und attraktiver wird. Die Arbeit, die man mit ehrlichem Bemühen macht, soll nicht ins Leere gehen. Deshalb wäre es schön, wenn wir viele Rückmeldungen und konkrete Anregungen erhalten.