Hacker legten Wittur vier Tage lahm. Hacker versuchten die Wittur-Datenbank zu knacken. Nach vier Tagen lief die Produktion am Freitag wieder an.

Von Claudia Christ. Erstellt am 19. Februar 2019 (05:01)
Christ
Seit Freitag läuft die Wittur-Produktion nicht nur im Scheibbser Werk, sondern weltweit wieder auf Hochtouren. Wittur Austria- Geschäftsführer Michael Bach: „Die entstandenen Lieferverzögerungen werden wir diese Woche wieder aufholen.“

Es ist wohl ein Szenario, das bei Geschäftsführern großer Konzerne wahre Albträume auslösen kann: ein Hackerangriff auf die Datenbank eines Unternehmens. So geschehen am Wochenende der Vorwoche bei der Firma Wittur in Scheibbs. Da löste nämlich am Samstagabend das System den Alarm aus. „Danach hat sich das IT-System heruntergefahren, und der Notfallsplan ist in Kraft getreten“, schildert Michael Bach, Geschäftsführer der Wittur Austria GmbH.

Wittur Austria GmbH
Michael Bach Geschäftsführer Wittur Austria

Der Angriff auf die Datenbank des weltweit führenden Anbieters von Komponenten, Bausätzen und Komplettsystemen in der Aufzugsindustrie verursachte einen beträchtlichen Schaden.

Betroffen waren nicht nur die Server des Scheibbser Standortes, sondern rund 100 Server an allen 16 Fertigungsstandorten weltweit. Es wird vermutet, dass der Cyberangriff von Hackern aus dem asiatischen Raum durchgeführt wurde.

Die Produktion musste daraufhin für vier Tage in bestimmten Bereichen völlig eingestellt werden. „Wir mussten 50 Prozent unserer Mitarbeiter in dieser Zeit nach Hause schicken. Natürlich zu einhundert Prozent Bezahlung. Den Mitarbeitern ist dadurch kein finanzieller Schaden entstanden“, stellt der Geschäftsführer klar. Vier Tage lang arbeiteten 20 IT-Spezialisten intensiv daran, von Scheibbs aus das Computersystem weltweit schrittweise wieder hochzufahren.

Am Freitag kehrten die Mitarbeiter an ihre Arbeitsplätze zurück. „Wir haben weltweit 95 Prozent unserer Kapazitäten wieder erreicht“, informiert Bach am Freitagmittag. Nun gilt es, Lieferverzögerungen aufzuarbeiten: „Wir haben in den vergangenen Tagen unsere Pufferlager leergeräumt. Die dennoch entstandenen Lieferverzögerungen werden wir aber bis spätestens diese Woche wieder im Griff haben.“ Über entstandene Schadensausmaß will der Geschäftsführer jedoch keine konkreten Angaben machen.

Wittur hat 4.500 Mitarbeiter weltweit

Im Scheibbser Werk, das im Vorjahr das 50. Jubiläum feierte, sind derzeit rund 600 Mitarbeiter beschäftigt. Der Wittur-Konzern mit 4.500 Mitarbeitern ist mit Tochterunternehmen und Zweigniederlassungen in Europa, Asien und Südamerika vertreten. 2017 erzielte die Wittur-Group einen Jahresumsatz von 777 Millionen Euro.