Zivildienst: Bis auf April immer voll. Für den Einrückungstermin 1. April ist beim Roten Kreuz noch ein Platz frei. Dann erst wieder 2020.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 20. Februar 2019 (04:00)
Christian Eplinger
Erich Stockinger (weißes Hemd) mit den Zivildienern Sebastian Gruber (links) und Alexander Wenighofer sowie Romina Krenn, die im Vorjahr ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim Roten Kreuz absolviert hat und jetzt als hauptberufliche Mitarbeiterin beim Roten Kreuz Scheibbs einen fixen Job hat.

Das Thema Zivildienermangel ist derzeit allgegenwärtig. Geburtenschwache Jahrgänge und die Untauglichkeitsdiskussion treiben den Verantwortlichen so manch einer Hilfsorganisation oder sozialen Einrichtung, die auch auf Zivildiener angewiesen sind, Sorgenfalten auf die Stirn.

„Davon sind wir zum Glück noch ein Stück weit entfernt“, lächelt Rot-Kreuz-Bezirksstellengeschäftsführer Reinhard Punz. Dennoch, jeder freie Platz bei einem der vier Einrückungstermine (1. Jänner, April, Juli und September) erzeugt zusätzliche Kosten für das Rote Kreuz und damit auch für die Allgemeinheit. Insgesamt nimmt das Rote Kreuz Scheibbs 40 Zivildiener pro Jahr auf – zehn pro Einrückungstermin.

Für den Einrückungstermin am 1. April 2019 ist auf der Bezirksstelle Scheibbs noch genau ein Platz frei. „Danach sind wir bis zum Einrückungstermin 1. Jänner 2020 schon voll. Also, wenn jemand vor hat, in diesem Jahr Zivildienst zu machen und beruflich beziehungsweise ausbildungsmäßig kann, dann sollte er jetzt die Chance ergreifen“, sagt Erich Stockinger, der Verantwortliche für den Zivildienst beim Roten Kreuz Scheibbs.

„Die Arbeitswelt bekommt von uns jedes Jahr 40 bestens ausgebildete Ersthelfer mit hoher Sozialkompetenz.“Reinhard Punz

Neun Monate dauert der Zivildienst. 48 Wochenstunden haben die Zivis dabei zu leisten und erhalten beim Roten Kreuz mit dem Rettungssanitäter eine vollständige und anerkannte Berufsausbildung. Als Entschädigung gibt es rund 670 Euro pro Monat. „Das ist das Grundentgelt und das Essensgeld, das im Unterschied zum Bundesheer beim Zivildienst dazukommt. Denn unsere Zivis bekommen ja zum Unterschied zu den Soldaten keine vollständige Verpflegung“, erklärt Stockinger. Adäquat zum Zivildienst kann man beim Roten Kreuz auch das Freiwillige Sozialjahr (FSJ) absolvieren.

„Hier haben wir drei bis vier Burschen und Mädels, die pro Einrückungstermin das Sozialjahr bei uns beginnen. Der Unterschied zum Zivildienst ist, dass das Freiwillige Sozialjahr ein Ausbildungsverhältnis ist, das aber auch jederzeit gekündigt werden kann“, erklärt Reinhard Punz.

Gleich wie die Zivildiener erhalten auch die Teilnehmer des FSJ die vollständige Berufsausbildung als Rettungssanitäter. Beginnen kann man das FSJ bereits mit 17 Jahren. Für die 34 Wochenstunden erhält man 240 Euro „Taschengeld“. „Dafür bekommen die Eltern, sofern die Kinder noch unter 25 Jahre alt sind, weiter die Familienbeihilfe“, sagt Punz, der sich freut, dass durch das FSJ auch immer mehr Mädchen den Weg zum Roten Kreuz finden.

Ein Risiko birgt das FSJ allerdings. Rund ein Drittel scheidet vorzeitig aus. „Einige nutzen das Freiwillige Sozialjahr als Überbrückung bis zum Beginn einer Ausbildung oder bis sie einen Job finden. Das tut uns natürlich weh, weil wir in eine fundierte Ausbildung investieren, dann aber leider das angelernte Wissen nicht mehr nutzen können. Daher wird bei uns das FJS als Zivildienstjahr auch nur dann angerechnet, wenn die Teilnehmer mindestens zehn Monate bei uns sind“, weiß Punz.

Nichtsdestotrotz sind Zivis und Teilnehmer des FSJ nicht mehr aus dem Roten Kreuz wegzudenken. Denn 80 bis 90 Prozent bleiben auch nach ihrem offiziellen Dienst dem Roten Kreuz als hauptberufliche oder freiwillige Mitarbeiter erhalten.