Personal-Krise bei Zahnärzten. Zahnärzte Sonja Apich und Franz Zach sprechen über schlimme Zustände.

Von Anna Faltner. Erstellt am 15. Januar 2019 (08:51)
Faltner
Finden kein Personal für ihre Ordinationen: Franz Zach und Sonja Apich. 

Franz Zach schließt seine Zahnarzt-Ordination in Steinakirchen. Nicht weil er in Pension geht oder aus persönlichen Gründen nicht mehr möchte, sondern weil das fehlende Personal die Arbeit unmöglich macht. „Damit bin ich der erste Kassenarzt in Österreich, der wegen Personalmangel zusperren muss“, sagt der 57-Jährige.

Mit akuten Personalproblemen kämpft auch Sonja Apich, die seit acht Jahren eine Zahnarzt-Praxis in St. Leonhard führt. „Ich hatte immer den Albtraum vor Augen, dass ich als erste Kassenärztin meine Ordination wegen Personalmangel schließen muss. Das hat mir der Kollege jetzt abgenommen“, erzählt sie. Woran das liegt, können die beiden schnell erklären: „Die wirtschaftliche Entwicklung, das ganze Sozialsystem und die dramatisch sinkende Qualität der Ausbildung sind überbordend. Heute bekommen wir nur noch Schulabgänger, Lehrabbrecher und Leute, die eigentlich gar nicht arbeiten wollen.“

„Ich hatte immer den Albtraum vor Augen, dass ich als erste Kassenärztin meine Praxis wegen Personalmangel schließen muss.“Zahnärztin Sonja Apich

Schuld daran seien die Rahmenbedingungen durch unrealistische Tarifbestimmungen, die Tatsache, dass der Beruf „Zahnarztassistentin“ nur „angelernt“ wird und dass der Beruf öffentlich nicht attraktiv präsentiert werde. „Die Leute glauben, dass sie den Beruf einfach so schnell einmal ausüben können – ohne großartige Ausbildung oder Fähigkeiten“, schildert Apich.

Das zwingt die Zahnärzte dazu, Personal einzustellen, das gar nicht für den Beruf geeignet ist. „Wenn Fehler passieren, muss man die oft lächelnd schlucken. Man darf keine strengen Dienstanweisungen geben, sonst läuft einem das Personal gleich davon“, sagt sie. Die Kündigungen seien häufig Nacht- und Nebel-Aktionen – per Whatsapp oder Notizzettel haben sich schon Mitarbeiter bei Apich verabschiedet.

Daher sei man froh, zumindest irgendjemanden zu haben. Beide Mediziner versuchten mit „Zuckerln“, ihr Personal zu halten – etwa indem sie ihren Assistentinnen mehr Urlaubswochen als üblich anboten, für den Jausensnack aufkamen oder zu Weihnachten ein 15. Monatsgehalt ausbezahlt haben. „Geschätzt wird das nicht“, schütteln beide den Kopf.

Seinen Entschluss teilte Franz Zach sofort der NÖ Gebietskrankenkasse mit. „Wir werden das Gespräch mit ihm suchen. An der Personalsituation können wir jedoch nichts ändern. Falls er den Vertrag tatsächlich kündigt, werden wir die weitere Vorgehensweise mit der NÖ Zahnärztekammer besprechen“, informiert Pressereferentin Barbara Mann. Dort kann Präsident Hannes Gruber bestätigen: „Wir finden immer weniger junge Leute, die in diesen Beruf einsteigen wollen. In Zukunft soll das aber kein Problem mehr sein.“

Aktuell sind in Niederösterreich 78 Zahnärzte auf der Suche nach Assistentinnen. Gruber weist darauf hin, dass der Beruf auch mit Lehre abgeschlossen werden kann. „Die Möglichkeit gibt es schon länger, wurde aber nicht wirklich angenommen. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer entwickeln wir gerade Strategien, um den Beruf stärker zu bewerben“, betont er.