Nach Behandlungsfehler: Unglaubliche Wende im Fall Zach. Mehr als 18 Jahre kämpfte Zahnarzt Franz Zach um das Recht seiner Tochter Susanne. Jetzt schwenkte Gutachter um.

Von Karin Katona. Erstellt am 29. September 2018 (05:00)
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Franz Zach und seine Tochter Susanne: Nach mehr als 18 Jahren ist der Behandlungsfehler gerichtlich bestätigt. Seine Ordination am Kirchenplatz 4 hat der Steinakirchner Zahnarzt nach einem Pflegeurlaub mittlerweile wieder geöffnet.

Einen unvorstellbaren Leidensweg haben der Steinakirchner Zahnarzt Franz Zach und seine Tochter Susanne hinter sich: Nach einer Herzoperation im Universitätsklinikum Graz hatte die damals dreizehnjährige Susanne, vermutlich aufgrund mehrerer Behandlungsfehler, eine Hirnmassenblutung erlitten und ist seither körperlich und geistig behindert.

Fast 19 Jahre lang hat Franz Zach für seine Tochter gekämpft. „Der Zivilprozess in Graz läuft seit 2003. Das Universitätsklinikum Graz hat von Beginn an die Vorwürfe von Behandlungsfehlern bestritten und widerlegt, sogar Zeugen beigebracht“, berichtet der Zahnarzt.

„Ich habe den längsten Zivilprozess der Zweiten Republik geführt. Ich konnte dieses Unrecht nicht Recht werden lassen.“Franz Zach, Steinakirchen

Erst 2012 habe das Krankenhaus Susannes Herzultraschallvideos aus dem Jahr 1999 vorgelegt. „Keiner der Spezialisten, die ich daraufhin aufgesucht habe, hatte den Mut, ein Privatgutachten zu machen“, schildert Franz Zach.

„Erst zwei Ärzte der Ludwig-Maximilians-Universität München haben ein Gutachten erstellt, das aber trotzdem 2014 vor Gericht abgewiesen wurde – mit der Begründung, es sei zu spät eingereicht worden. Dagegen habe ich Berufung eingelegt, der Fall ging zurück an die erste Instanz.“

Gutachten bestätigt Behandlungsfehler

Das Unglaubliche geschah: „Schließlich wurden die Ultraschallbilder und das Privatgutachten als Beweismittel vor Gericht akzeptiert. Der gerichtliche Erstgutachter, der zunächst ein gegen Susanne gerichtetes Gutachten erstellt hatte, schwenkte angesichts der neuen Beweismittel um“, sagt Franz Zach.

Erstmals liege nun ein mit Brief und Siegel versehenes Gerichtsgutachten vor, das die schweren Behandlungsfehler der Grazer Ärzte bestätige: „Die einzigen universitären Kinderkardiologen eines Bundeslandes haben nach Susannes Operation den Abriss der Aorta nicht erkannt. Das ist durch das Gutachten erwiesen.“

Durch das Gerichtsurteil seien die Weichen für einen angemessenen Vergleich mit der KAGES, der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft, gestellt, doch: „Ich habe auf mein Gesprächsangebot bisher noch keine Antwort erhalten.“

Erleichterung oder Freude kommt bei Familie Zach angesichts des Urteils leider nicht mehr auf: „Ich bin einfach nur unfassbar traurig. Die vergangenen Jahre waren eine Achterbahn der Emotionen. Es sind Traumata entstanden, die man nicht mehr rückgängig machen kann“, betont der dreifache Vater.

Dennoch habe er zu keinem Zeitpunkt überlegt, aufzugeben: „Wir haben den längsten Zivilprozess der Zweiten Republik geführt. Ich konnte dieses Unrecht nicht Recht werden lassen.“