Wieselburg-Land: Vogelrettung in Weinzierl. Baufirma mauerte ein Vogelnest in der Fassade einer Mehrparteienwohnanlage ein. Anrainerin rettete die junge Amselfamilie vor dem sicheren Tod.

Von Noah Garschall. Erstellt am 10. Juli 2020 (12:55)
Tierärztin Andrea Mergl päppelte den jungen Vogel wieder auf.
Paul Plutsch

Ein wahrlich herzzerreißender Fall ereignete sich in Wieselburg-Land. Jedes Jahr nistet in der Fassade der Wohnhausanlage in der Kalkofenstraße eine Vogelfamilie – so auch heuer.

Als Nicole Egger eines Morgens in den Hof der Anlage ging, traf sie auf den Hausmeister, welcher sie auf ein Klopfen aufmerksam machte. Sie gingen dem Geräusch auf die Spur und fanden sich an der jährlichen Brutstelle der Vögel wieder. Von unten konnte man die laut schreienden Vögel in der kleinen Höhle herumirren hören. Jedoch war die Wand zugemauert und frisch verputzt.

Ein paar Tage zuvor hatte eine Baufirma Mängel an der Fassade ausgebessert.

Schnell rief die Retterin ihren Mann zur Hilfe, welcher seine Kletterausrüstung holte und mit einer Leiter hochstieg. „Jedes Jahr nisten an dieser Stelle Vögel und alle Anrainer wissen es. Ich kann mir nicht vorstellen, wer so herzlos sein konnte und diesen Brutplatz einfach zerstört“, erklärt Nicole Egger entsetzt.

Mit einem Meisel befreite der Hobbykletterer die junge Vogelfamilie. Sofort flog ihm die Amselmutter entgegen und zwei weitere Vögel hinterher. Obwohl die Jungtiere bereits alt genug wären um sich selbst zu ernähren, versorgte die Mutter ihre Kleinen weiter, weil sie es ansonsten nicht überlebt hätten.

Die glücklichen Retter dachten, dass ihre Aufgabe wäre abgeschlossen, jedoch lag am nächsten Tag einer der Jungvögel in der Garage. Nicole Egger, welche in einer Kleintierpraxis in Krummnußbaum arbeitet, nahm den Vogel mit in die Praxis. Dort versorgte die fürsorgliche Tierärztin Andrea Mergl den jungen Vogel.

Bereits nach einem halben Tag war ein Abnehmer für das Tier gefunden. Zusammen mit anderen Waisenvögeln lebt das junge Tier nun, bis es in die Freiheit gelassen werden kann. Bis dahin wird der Vogel von der Tierärztin ehrenamtlich versorgt und regelmäßig untersucht.