Lynn Waeispi: "Weiß was es heißt, Heimatland verlassen zu müssen"

Erstellt am 07. August 2022 | 04:17
Lesezeit: 3 Min
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Lynn Waeispi (links) half während ihres zweiwöchigen Österreich-Urlaubs fast tagtäglich in der Vertriebenenunterkunft im Lehenhof mit.
Foto: Dünwald-Specht
Die 64-jährige US-Amerikanerin Lynn Waeispi, deren Großeltern vor rund 100 Jahren selbst aus Armenien flüchten mussten, half zwei Wochen in der Vertriebenenunterkunft Lehenhof mit.

Seit Lynn Waeispi vor 42 Jahren für viereinhalb Monate als Au Pairs bei der Familie Specht in Salzburg gewohnt hat, verbindet die beiden Familien eine enge Freundschaft, die vor Kurzem eine ganz besondere Aktion zur Folge hatte.

Denn Lynn Waeispi hatte bei Christine Dünwald-Spechts Facebook-Profil den Aufruf gelesen, dass freiwillige Helfer für Dienste in der Unterkunft für Vertriebene aus der Ukraine im Lehenhof gesucht werden. Kurz entschlossen flog sie von den Staaten nach Österreich, machte zwei Wochen „Urlaub“ bei den Spechts und arbeitete in diesen zwei Wochen praktisch fast täglich im Lehenhof mit.

„Ich wollte einfach mithelfen, meine zwei Hände in den Dienst der guten Sache stellen. Denn ich kenne es aus meiner Familiengeschichte, was es heißt, wenn man sein Heimatland ungewollt verlassen muss“,

„Ich wollte einfach mithelfen, meine zwei Hände in den Dienst der guten Sache stellen. Denn ich kenne es aus meiner Familiengeschichte, was es heißt, wenn man sein Heimatland ungewollt verlassen muss“, schildert die heute 64-jährige, pensionierte ehemalige Personalchefin eines großen US-Konzerns. Ihre Großeltern mussten vor rund 100 Jahren selbst aus Armenien flüchten.

„Ich war heuer im Mai das erste Mal in Armenien. Und als ich jetzt den Aufruf von Christine gelesen hatte, war ich froh, dass ich hier mitarbeiten kann. So schließt sich der Kreis“, erzählt Lynn Waeispi, durchaus geflasht von der großen Dankbarkeit, die sie von den ukrainischen Bewohnern des Lehenhofs zurückbekommen hat. „Es war eine extrem positive Erfahrung für mich. Ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß und Freude bei solchen Tätigkeiten“, erzählt die Amerikanerin, die inzwischen schon wieder zu Hause in ihrer Heimat weilt und hofft, dass auch möglichst viele Ukrainer bald wieder nach Hause können.

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Christine Dünwald-Specht und ihr Mann Andreas Specht mit Lynn Waeispi vor dem Lehenhof.
Foto: Christian Eplinger

Übrigens half Lynn Waeispi nicht nur vor Ort, sondern sie organisierte auch zwei größere Spendenaktionen in den USA für den Lehenhof. Einmal bei einer Geburtstagsfeier und einmal bei einem Chorkonzert eines koreanischen Kinder- und Jugendchors, das sie mitorganisiert hatte.

Übrigens: Mit der Hilfe im Lehenhof schloss sich nicht nur der Kreis für Lynn Waeispi, auch die Familie Specht hat eine besondere Beziehung zum Lehenhof, wie Andreas Specht erzählt. Denn von 1. August 1913 bis 1939 war das Schloss Lehenhof in Besitz der Familie Specht. „Meine Urgroßmutter die Baronin Leitenberger hat das Schloss damals gekauft. Wir haben auch ein Porträt meines Großvaters vor dem Schloss Lehenhof gefunden, dass jetzt bei uns im Wohnzimmer hängt“, lächelt Andreas Specht.