Enorme Schäden nach Starkregen im Bezirk Scheibbs. Bis zu 470 FF-Männer und unzählige Freiwillige kämpften am Wochenende gegen die Wassermassen an.

Von Karin Katona. Erstellt am 20. Juli 2021 (08:20)

Das gesamte Wochenende über hielt die Starkregen-Front die Einsatzkräfte im Bezirk in Atem. Die Feuerwehren war im Dauereinsatz, um überflutete Straßen, Keller und Häuser vor den Fluten zu schützen und zu befreien.

Erst am Montagfrüh, nach Rückgang des Wassers, wurden die Ausmaße des anhaltenden Starkregens vom Wochenende sichtbar. Knapp 150 Feuerwehr-Mitglieder mit 26 Fahrzeugen waren den ganzen Tag über im Einsatz, um Straßen und Wege teils mit schwerem Gerät vom Schlamm zu befreien.

164 Liter Wasser/Quadratmeter in Wieselburg

Hotspot war mitunter das Gebiet Wieselburg, wo allein am Sonntag 164 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel regneten. Diese Wassermengen sorgten im Bereich des Messegeländes für Hochwasser. Aber auch im Bereich Bartensteingasse, Adalbert-Stifter-Straße, Raimundgasse, Grestnerstraße, Rathausplatz waren die Einsatzkräfte besonders gefordert.

„Einige hat es besonders schlimm getroffen, aber im großen und ganzen haben wir durch die Hilfe der Feuerwehr, der Bauhofmitarbeiter und der vielen freiwilligen Helfer das Schlimmste verhindern können“, zieht Bürgermeister Josef Leitner am Montagnachmittag Resümee. Auch die Erfahrung aus den Überflutungen im Vorjahr haben dafür gesorgt. „Wir haben daraus gelernt und die neuralgischen Punkte rechtzeitig mit den Sandsäcken absichern können“, sagt Leitner.

Kleines Erlauftal

Im Kleinen Erlauftal waren vor allem die Gemeinden Wolfpassing und Steinakirchen betroffen. „Das war wirklich eine extreme Geschichte. Wir können uns nicht daran erinnern, dass es Wolfpassing jemals so schlimm getroffen hat“, sagt Bürgermeister Friedrich Salzer am Montag.

Das Rückhaltebecken, das in den vergangenen zehn Jahren starken Halt bewiesen hat, hat die Regenmassen vom Sonntag nicht mehr gehalten. „Innerhalb kürzester Zeit war die ganze Ortschaft überschwemmt. Bei uns hat es fast alle Katastralgemeinden getroffen“, schildert Salzer.

„Die Schutzmaßnahmen werden immer auf eine bestimmte Jährlichkeit geschaffen. Und jetzt reden wir von einem Ereignis, das deutlich über einem 100-jährigen Hochwasser liegt.“  Bürgermeister Friedrich Salzer

In vielen Privathäusern stand das Wasser nicht nur im Keller, sondern sogar im Wohnbereich. Die Lindengasse in Zarnsdorf hat es trotz Schutzmauer erwischt. „Die Schutzmaßnahmen werden immer auf eine bestimmte Jährlichkeit geschaffen. Und jetzt reden wir von einem Ereignis, das deutlich über einem 100-jährigen Hochwasser liegt.“

Erwischt hat es auch das Gemeindeamt und den Kindergarten, die Ordination von Doktor Anton Danzer musste geschlossen werden, die Autos am Parkplatz hingen am Parkplatz fest. „Die Meldungen wurden immer mehr. Wir haben einen großen Schaden erlitten, vor allem auch am Gemeindeamt“, ist der Ortschef sicher. Noch am Montag waren die Feuerwehr Zarnsdorf sowie sechs externe Wehren mit Auspump- und Aufräumarbeiten beschäftigt.

Ähnliches berichtet auch der Steinakirchner Bürgermeister Wolfgang Pöhacker. Dort dauern die Aufräumarbeiten ebenfalls noch an. Im Ortsteil Felberach hat eine Mure die Straße auf einer Länge von knapp 300 Metern verschüttet. „Wir haben sehr viele Bankette, Straßen und Güterwege zu reinigen.

Die neue Schlossstraße hat es leider stark erwischt, die neu sanierte Brücke zum Glück nicht. Auch der Golfclub blieb trocken“, ist Pöhacker erleichtert. Dennoch: Unzählige Keller wurden geflutet, das Retentionsbecken ist zum ersten Mal übergegangen und Siedlungen, die bisher verschont blieben, standen ebenfalls unter Wasser.

„Bei solchen Starkregenereignissen ist jedes Retentionsbecken irgendwann zu klein“, meint der Ortschef. Besonders verheerend waren dieses Mal die kleinen Bäche, die am Sonntag über das Ufer getreten sind. „Das hatten wir noch nie. Die Bäche wurden zur reißenden Flut. Der Hummelbach hat ein ganzes Haus geflutet, auch die Eisenbahn wurde unterspült“, schildert Pöhacker und dankt den Nachbarwehren Gresten und Reinsberg, die zur Unterstützung angerückt waren.

Purgstall

Überschaubar waren die Hochwasserschäden in Purg stall, wo einige Haushalte und kleinere Straßen von Überschwemmungen betroffen waren. Ihren größten Einsatz hatten die Florianis auf dem Lagerhaus-Gelände, das durch das Überlaufen eines naheliegenden Entlastungsgerinnes großflächig unter Wasser stand.

„Die Betriebsfeuerwehr Busatis, die FF Scheibbs und die GAV-Kläranlage Purgstall stellten uns zusätzliche Pumpen zur Verfügung, um eine schlimmere Überschwemmung zu verhindern“, schildert Feuerwehrhauptmann Sebastian Auer. Bei Redaktionsschluss am Montag waren die Pumparbeiten noch im Gange.