Es gibt viel zu diskutieren im Scheibbser Rathaus. Ja zur Modernisierung des EVN-Kraftwerks Brandstatt, aber noch Skepsis beim Verkehrskonzept.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:12)

Vier Tage lang war die Aula des Scheibbser Rathauses in der Vorwoche Mittelpunkt von Informationen und Diskussionen. Nicht immer ist das Interesse bei einem kommunalen Infrastrukturprojekt so groß, wie bei der Modernisierung des EVN-Wasserkraftwerks Brandstatt mit der auch der Neubau der Heubergbrücke durch die Stadtgemeinde Scheibbs direkt verbunden ist.

„Es ist ein gemeinsames Projekt von EVN und uns, wobei sich für uns als Gemeinde eben genau durch die Modernisierung des Kraftwerks die Chance ergibt, das bestehende Nadelöhr Heubergbrücke durch eine moderne zweispurige Brücke inklusive beidseitigem Gehsteig direkt bei der Wehranlage zu ersetzen. Wenn wir diese Chance nicht nützen, ist sie für Generationen wieder vertan“, weiß VP-Bürgermeister Franz Aigner.

„Nimmt der Lkw-Verkehr zu, kommt Tonnagen-Beschränkung. Denn das will keiner.“Gerhard Hengstberger, Bauamt Scheibbs

Das bekräftigt auch Gerhard Hengstberger vom Scheibbser Bauamt, der an diesen vier Tagen viel an Aufklärungsarbeit zu leisten hatte: „Es geht um die Möglichkeit einer zeitgemäßen verkehrstechnischen Verbindung von Wohn- und Gewerbegebiet. Wenn wir diese Brücke nicht bauen, dann erzeugen wir mehr Verkehr, weil statt einer 300 Meter-Verbindung zu den Einkaufsmärkten ein insgesamt fast zwei Kilometer langer Umweg über die Stadtmitte nötig ist“, erklärt Hengstberger und führt an, dass ja auch die Saffen-Brücke nur einspurig befahrbar sei. Die Stadtgemeinde ist immerhin bereit, 1,5 Millionen Euro in dieses Infrastrukturprojekt zu investieren.

Da man mit der Brücke aber nicht zusätzlichen (Schwer-)Verkehr in diesem Bereich erzeugen will, wird man sich auch nach Fertigstellung die Verkehrswege genau anschauen. „Sollte der Lkw-Verkehr zunehmen, kommt eine Tonnagen-Beschränkung. Denn das ist nicht im Sinne der Beteiligten“, sagt Hengstberger.

Die Diskussionen rund um das Verkehrskonzept und den Erhalt oder Abriss der alten Heubergbrücke blieben dennoch. Nicht alle sind ganz glücklich mit der vorhandenen Lösung, weshalb sich der Bauausschuss nochmals mit dem Gesamtverkehrskonzept befassen wird.

So forderte etwa SP-Stadtrat Hans Huber, die neue Betonbrücke um eine angebaute Stahlkonstruktion für einen Rad- und Gehweg zu verbreitern und dann diesen in die geplante Aussichtsplattform beim neuen Kraftwerk auslaufen zu lassen. „Dann wären Fußgänger und Radfahrer vom Autoverkehr getrennt und es wäre trotzdem nicht mehr nötig, die alte Brücke zu erhalten“, sagt Huber. Grundsätzlich stehen aber alle Mandatare hinter dem Bau der neuen Brücke.

Geplant ist ein Baubeginn im Frühjahr 2020. Ende 2021 soll die Fertigstellung erfolgen. Sofern die Kraftwerksmodernisierung vom EVN-Vorstand abgesegnet wird. „Es hängt nur mehr an der Investitionsförderung durch den Bund, die bis Dezember kommen sollte.

Damit verbunden ist die Wirtschaftlichkeitsberechnung des Projekts, das der EVN rund 4 Millionen Euro kosten, aber eine Verdreifachung der Stromerzeugung bringen wird – ohne jeglichen ökologischen Eingriff. Denn die Wehr selbst bleibt unverändert“, erklärt EVN-Projektleiter Martin Scharsching, der sich über fast ausnahmslose Zustimmung der Bevölkerung für die Modernisierung freut. Immerhin können dann rund 1.000 Haushalte mit Strom aus Wasserkraft versorgt werden. Aktuell sind es knapp 300 Haushalte.

Wertschöpfung bleibt teilweise in der Region

Scharsching unterstrich auch die regionale Wertschöpfung, selbst wenn die Vergabe der Bauarbeiten erst nach dem Bundesvergabegesetz geschehen müsse, da es ein gemeinsames Projekt mit der Stadtgemeinde werde.

„Für die neue Kaplan-Turbine hat ein oberösterreichisches Unternehmen, für die Fischaufstiegsschnecke die Firma Hydroconnect aus Scheibbs und für die Außenarchitektur der Scheibbser Architekt Joseph Hofmarcher den Zuschlag von uns erhalten“, sagt Scharsching.

 

Zahlen & Daten

Modernisierung EVN-Kraftwerk Brandstatt: Derzeit: 2 Francis-Turbinen (davon nur mehr eine in Betrieb) mit einer Jahresleistung von 1,1 GwH. Künftig: 1 Kaplan-Turbine mit einer Jahresleistung von 3,3 GwH. Altes Kraftwerksgebäude wird komplett geschliffen, neue Turbine und Fischaufstiegsschnecke werden regionstypisch von Architekt Joseph Hofmarcher eingehaust. Auch eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform ist geplant. Wehranlage selbst bleibt unverändert.

Neue Heubergbrücke: Länge 56,5 Meter aufgeteilt auf drei Tragwerksfelder; Gesamtbreite 7,75 Meter (5,50 Meter Fahrbahn, 0,75 Meter breiter Gehstreifen sowie 1,50 Meter breiter Gehsteig).