Wieselburg

Erstellt am 13. November 2018, 04:00

von Claudia Christ und Christian Eplinger

23,5 Grad am 6. November in Wieselburg. Jubel bei Touristikern, Sorgenfalten bei Liftbetreibern und Bauern.

Ans Skifahren ist am Ötscher derzeit noch nicht zu denken. Grüne Wiesen, Sonnenschein, 15 Grad plus und noch ein Schneerest aus dem Vorjahr bei der Eibenkogel-Talstation am vergangenen Samstag. Noch ist es zu warm zum Produzieren von neuem Schnee – sowohl für „Frau Holle“ als auch für die Schneekanonen.FotoLois.com  |  Alois Spandl/FotoLois.com

Mit 23,5 Grad war Wieselburg am vergangenen Dienstag, 6. November, der wärmste Ort Österreichs. Knapp gefolgt von Waidhofen/Ybbs mit 23,4 Grad. Für die relativ junge Messstation in Wieselburg – sie ist seit 2007 in Betrieb – bedeuteten die 23,5 Grad neuen Stationsrekord für einen Novembertag.

Der bisher gemessene November-Höchstwert vom 12. November 2014 mit 21,3 Grad wurde geradezu pulverisiert. Vom absoluten November-Rekord in Österreich ist man aber noch rund drei Grad entfernt. Dieser wurde am 2. November 1968 mit 26,6 Grad in Schlins (Bezirk Feldkirch) in Vorarlberg gemessen.

„Das wird ein Spitzenjahr. Das tolle Herbstwetter hat nochmals ein Plus bei den Wanderern und Ausflüglern gebracht“Andreas Danner, Geschäftsführer des Tourismusvereins Göstlinger Alpen

Für die Touristiker ist der warme und trockene Herbst Grund zum Jubeln. „Das wird ein Spitzenjahr. Das tolle Herbstwetter hat nochmals ein Plus bei den Wanderern und Ausflüglern gebracht“, jubelt Andreas Danner, Geschäftsführer des Tourismusvereins Göstlinger Alpen. Auch die Buchungen für den Winter sind bislang sehr gut, wobei der Dezember alle Jahre witterungsabhängig ist. „Wenn Schnee da ist, kommt es zu kurzfristigen Buchungen. Darauf hat das warme Wetter jetzt keinen Einfluss. Gefährlich könnte es nur werden, wenn über die Weihnachtsferien noch kein Schnee liegt. Dann steigt die Zahl der Stornierungen“, weiß Danner.

Quelle: ZAMG; Foto: MNStudio/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Etwas angespannt ist die Situation in den heimischen Skigebieten. „Bei uns steht derzeit alles auf Abruf. Gegen das warme Wetter können wir nichts tun. Wir müssen einfach noch ein wenig warten, bis wir unsere Schneeerzeuger in Betrieb nehmen können. Wir hoffen aber trotzdem, dass wir Anfang Dezember in Betrieb gehen können“, erklärt Andreas Buder, Geschäftsführer der Ötscherlifte und Prokurist der Hochkar Bergbahnen. Die Vorfreude ist jedenfalls groß. Denn der Saisonkartenvorverkauf im Oktober, insbesondere bei der neuen Ybbstaler Alpen-Wintercard, lief sehr gut“, freut sich Buder.

Zufrieden mit dem bisherigen Saisongeschäft ist der Wintersporthandel. „Bei Skiern, Schuhen, Helmen und Wintersportbekleidung liegen wir trotz des warmen Wetters sowohl in Göstling als auch in Wieselburg über den Vorjahres-Umsätzen“, freut sich Intersport-Händlerin Elke Fahrnberger und vermutet, dass die Kunden jetzt einfach die volle Auswahl schätzen.

Weniger dicke Pullis und weniger Terminstress

Einbußen gäbe es allerdings bei der Wintermode. Ähnlich die Situation bei Sport Pemsel in Scheibbs. „Der Run auf die Wintersportartikel ist noch nicht so groß, aber der Verkauf läuft gut an. Weniger kaufen die Leute derzeit warme oder wetterfeste Jacken beziehungsweise dicke Pullis. Dafür ist es zu warm“, weiß Richard Pemsel.

Etwas ins Stocken geraten ist auch der Andrang in den Reifenwerkstätten. Zwar hat die Winterreifenpflicht dazu geführt, dass viele Autofahrer vor und um den 1. November ihre Reifen gewechselt haben, jetzt steht das Ganze jedoch, weiß Weichberger-Geschäftsführer Matthias Leichtfried. „Bis zum 1. November war die Umrüstquote gleich wie in den Jahren davor. Jetzt warten die Kunden aber auf den ersten Kälteeinbruch beziehungsweise Schnee. Für uns hat das die Saison etwas planbarer gemacht. Die Gefahr ist nur, dass einige vielleicht gar nicht wechseln“, sagt Leichtfried.

Trockenheit macht Landwirten zu schaffen

Zu schaffen machen Trockenheit und hohe Temperaturen der Landwirtschaft. „Seit dem Frühjahr fehlt der Niederschlag für die Pflanzen auf Grünland- und Ackerflächen. Viele Landwirte stoßen auch mit dem Trinkwasser aus dem eigenen Brunnen an ihre Grenzen“, weiß Andreas Punz von der Bezirksbauernkammer. Da manche Gebiete jetzt schon das zweite Jahr hintereinander von der Dürre betroffen seien, fehlen bei vielen auch die Futterreserven. Das führe zu einer Verringerung der Tierbestände oder teuren Futterzukäufen.

Zudem fördern die milden Temperaturen die Verbreitung von Schädlingen. „Wenn es so mild bleibt, wird man gelbe Getreidefelder finden – eine Viruskrankheit, die die Jungpflanzen bereits jetzt schädigt und Ertragsverluste verursacht“, betont Punz. Daher müssten Strategien zur Bekämpfung von Schädlingen erforscht und Grünlandbestände in betroffenen Gebieten mit dürreresistenten Arten und Sorten umgebaut werden.