Wieselburg

Erstellt am 23. Oktober 2018, 04:00

von Christian Eplinger

Biomasse-Heizwerk: Ökologie ja, aber Ökonomie zählt. Fernwärme-Gesellschaft Wieselburg investiert 2019 eine Million Euro in Ausbau – obwohl Gymnasium nicht anschließt.

Seit 2016 ist das dritte Biomasse-Heizwerk in Wieselburg in Betrieb und versorgt vom Zwieselgraben aus über 200 Wohnungen in der Neubau- und Getreidegasse, sämtliche Studentenwohnungen und alle Gebäude des Fachhochschulcampus Wieselburg. 2019 soll dieses Heizwerk von der Leistungskraft her verdoppelt werden – zusätzlich zum Neubau eines weiteren Werkes in Breiteneich. Insgesamt wird die Fernwärme Wieselburg (inklusive dem Oberndorfer Werk) von rund 160 Hackgutlieferanten mit knapp 20.000 Schüttraummeter Hackgut pro Jahr beliefert. „Wir nehmen alle Mengen ab, von ganz groß bis klein. Dadurch haben wir eine gewisse Versorgungssicherheit“, sagt Martin Kerschbaumer.  |  Eplinger

2008 hat Martin Kerschbaumer beim Francisco Josephinum das erste Biomasse-Heizwerk in Wieselburg errichtet und versorgt von dort neben dem Josephinum, dem Kindergarten Weinzierl, dem Gemeindeamt und den dortigen Wohnhäusern auch einige Privathäuser.

2010 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Irene die Fernwärme Wieselburg Anlagen-BetriebsgmbH und errichtete das zweite Biomasse-Heizwerk bei der Volks- und Hauptschule. Es folgten ein Heizwerk in Oberndorf und schließlich 2016 ein weiteres Heizwerk in Wieselburg am Zwieselgraben (hinter der Fachhochschule).

Heizwerk-Kapazität wird verdoppelt

Dieses wird im nächsten Jahr von der Kapazität her verdoppelt. „Zum bestehenden 700 KW-Kessel kommt ein weiterer 700 KW-Kessel dazu. Damit versorgen wir dann alle dortigen neuen Wohnbauten in der Getreide- und Neubaugasse sowie alle Fachhochschule-Gebäude und Studentenwohnhäuser“, erklärt Martin Kerschbaumer.

Martin Kerschbaumer: „Rote Zahlen sind für uns tabu.“  |  CE

Eigentlich wollte Kerschbaumer diese Leitung auch weiterführen Richtung Freibad, Gymnasium und dann über die Erlauf zu den neu entstehenden Wohnhausanlagen in Breiteneich. Doch daraus wird jetzt nichts. Denn vom Gymnasium beziehungsweise dessen Eigentümer, der Bundes-Immobilien-Gesellschaft (BIG), kam ein Nein. „Das Angebot war für uns leider außerhalb jeglicher Wirtschaftlichkeit, auch wenn wir bei unseren Gebäuden sehr auf Nachhaltigkeit bedacht sind“, erklärt BIG-Pressesprecher Ernst Eichinger auf NÖN-Anfrage.

Rund 50 Prozent Mehrkosten gegenüber dem aktuellen Betrieb mit Erdgas wären für die BIG pro Jahr angefallen. „Das sind Werte, bei dem man den ökonomischen Effekt einfach nicht ignorieren kann. Außerdem haben wir in Wieselburg eine relativ neue Gaskesselanlage. Da hätte das Angebot schon sehr gut sein müssen, um umzusteigen“, erklärt Eichinger und erntet durchaus Verständnis bei Martin Kerschbaumer. „Bei dem aktuellen Gaspreis tun wir uns schwer“, weiß Kerschbaumer.

Denn auch er achtet genau auf die Wirtschaftlichkeit. Rote Zahlen sind für ihn tabu. „Daher können wir auch praktisch keine Privathäuser extra anhängen. Pro Laufmeter des Leitungsnetzes braucht man eine Abnahme von rund einer Megawattstunde Wärme pro Jahr. Ein normales Einfamilienhaus braucht um die sieben Megawattstunden. Nur mit einer Leitungslänge von sieben Metern sind wir meist nicht einmal beim Gartenzaun“, rechnet Kerschbaumer vor.

Eigenes Heizwerk in Breiteneich

Die neuen Wohnhäuser in Breiteneich werden dennoch künftig mit Biomasse geheizt. Denn die Wieselburger Fernwärme-Gesellschaft wird in Breiteneich ein eigenes Heizwerk errichten. Keinen Anschluss an die Biomasse-Fernwärme gibt es hingegen für das Wieselburger Freibad. „Das wäre nur in Verbindung mit dem Gymnasium sinnvoll gewesen – so hätten wir 50 Prozent Wärmeverlust bei dieser Leitungslänge“, erklärt Kerschbaumer.

„Für uns sehr schade. Wir hätten gerne das Freibad samt Sauna an das Fernwärmenetzwerk angehängt“, bedauert Bürgermeister Günther Leichtfried. Bei der Gemeinde denkt man daher jetzt an einen Kesseltausch. Eine neue Pelletsheizung soll die derzeitige Erdgasheizung ersetzen. „Wir wollen als Gemeinde ein Vorbild sein“, sagt Leichtfried mit dem Ziel, das fünfte e als energieeffiziente e5-Gemeinde zu erreichen.

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