Gemeinde weicht Druck der Bürger. Projekt neue Bauparzellen in Brunning ist abgeblasen – zumindest vorerst. Gemeinderat stimmte mehrheitlich dagegen.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 15. September 2021 (16:40)
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Mit großem Interesse verfolgten zahlreiche Bewohner des Ortsteils Brunning die jüngste Gemeinderatssitzung der Landgemeinde. Aufgrund der vielen Besucher hatte man diesen ursprünglich als Tagesordnungspunkt zehn geplanten Punkt auch gleich in der Tagesordnung auf Punkt zwei vorgezogen.
Christian Eplinger

So gut gefüllt war der Sitzungssaal im Gemeindeamt der Landgemeinde schon lange nicht mehr. Viele Zuhörer waren zur jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstagabend gekommen. Vor allem Bewohner des Ortsteils Brunning. Denn dort sollten im Zuge der Änderung des örtlichen Raumordnungsprogrammes sieben neue Bauparzellen entstehen. Dazu wollte die Gemeinde Grünland beziehungsweise Grünland-Freihaltefläche auf Bauland-Agrar umwidmen. Wollte.

Denn schon im Vorfeld hatten sich zahlreiche Brunninger Bürger mit schriftlichen Einwänden und mündlichen Gesprächen gegen diese Umwidmung bei den Kommunalpolitikern gemeldet. Hauptargumente gegen die Umwidmung waren die Zerstörung der dörflichen Struktur, das erhöhte Verkehrsaufkommen im Dorf und die Gefahr von Hoch- und Hangwasser auf den betroffenen Flächen. Argumente, die der Raumordnungssachverständige allesamt abwies. Dennoch zeigten sie bei den Gemeindemandataren Wirkung. Denn die lehnten diese Umwidmung mehrheitlich ab.

„Es wäre eine Chance, dass sich unsere Gemeinde weiterentwickelt. Dazu brauchen wir auch Bauland in den Dörfern.“ Bürgermeister Karl Gerstl

„Es wäre eine Chance, dass sich unsere Gemeinde weiterentwickelt. Dazu brauchen wir auch Bauland in den Dörfern. Denn der Bedarf an Bauparzellen für Einfamilienhäuser in unserem Gemeindegebiet ist groß und hier in Brunning gäbe es Parzellen, die sofort verfügbar wären. Wie gesagt, nur für Einfamilienhäuser und mit Bauzwang innerhalb von fünf Jahren“, versuchte Bürgermeister Karl Gerstl (ÖVP) die Mandatare auf seine Seite zu holen. Nichtsdestotrotz schlug er vor, über diesen einen Punkt der insgesamt 17 Punkte umfassenden Verordnung separat und geheim abzustimmen. Es gab auch keinen Klubzwang bei den Fraktionen. „Jeder soll jeden auch nachher wieder in die Augen schauen können“, sagte Gerstl. Neo-Amtsleiter Gehard Groiss hatte zu diesem Zweck auch die Stimmzettel und die Wahlurne bereits vorbereitet.

Umso überraschter war Gerstl vermutlich, dass die Abstimmung letztendlich mit einer Ablehnung endete. Von den anwesenden 19 Mandataren (15 ÖVP, 3 SPÖ, 1 FPÖ) stimmten sieben dafür, zehn dagegen und zwei enthielten sich der Stimme. „Das tut mir leid, aber damit nehmen wir diesen Punkt aus den insgesamt 17 Punkte umfassenden Änderungsprogramm heraus“, erklärte Gerstl.

Bei allen übrigen Änderungspunkten herrschte übrigens Einstimmigkeit im Gemeinderat.

Darunter auch bei der Neufestsetzung der Siedlungsgrenze für Brunning. Die hat diese sieben Bauparzellen allerdings schon berücksichtigt. Damit kann die Gemeinde bei der nächsten Änderung des Raumordnungsprogrammes eventuell einen neuen Versuch starten. „Eines müssen wir schon festhalten“, betonte SPÖ-Gemeinderat Franz Zierfuß auch in Blickrichtung Zuhörer. „Wir haben heute im Sinne der Gemeinde abgestimmt, nicht für oder gegen irgendwen. Aber es wird die Zeit kommen, da wollen auch eure Kinder vielleicht in Wieselburg-Land ein Haus bauen. Da werden wir Grundstücke benötigten.“