Leichtfried: „Möchte diese 22 Jahre nicht missen“. Günther Leichtfried tritt mit 31. März nach fast 22 Jahren im Amt als Bürgermeister der Stadtgemeinde Wieselburg ab. Josef Leitner soll ihm nachfolgen.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 05. März 2019 (05:37)
Christian Eplinger
Am 21. Mai wird Günther Leichtfried 70 Jahre alt. Diesen Geburtstag wird er schon als Privatmann feiern. Mit 31. März legt er nach fast 22 Jahren das Bürgermeisteramt nieder. Sepp Leitner soll ihm folgen.

NÖN: Nach 29 Jahren als Gemeinderat, seit Juni 1997 als Bürgermeister, gehen Sie jetzt in Ihr letztes Monat an der Spitze einer Stadt, die Sie in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich mitgestaltet haben. Wie fühlt man sich dabei?

Günther Leichtfried: Ich habe mir diesen Schritt sehr gut überlegt und präzise geplant. Mir war schon bei den letzten Gemeinderatswahlen klar, dass ich nicht nochmals kandidieren werde. Ich werde im Mai 70 Jahre alt und habe immer gesagt, mit 70 bin ich nicht mehr Bürgermeister. Ich habe mich daher die letzten eineinhalb Jahre im Kopf auf meinen Rücktritt eingestellt und jetzt auch den Nachfolger, den ich mir gewünscht habe. Dennoch ist es nicht einfach, den Absprung zu schaffen, da ich bis zum letzten Tag mit meiner Arbeit als Bürgermeister verwurzelt bin. Wichtig ist daher für mich, auch zu sagen: Jetzt ist Schluss. Auch wenn an meinem letzten Arbeitstag sicher jede Menge Emotionen mitschwingen werden.

Mit Sepp Leitner wird Ihre Fraktion auch Ihren Wunschkandidaten für die Nachfolge nominieren. Zufrieden?

NOEN

Sicher, denn ich wollte immer eine geordnete Übergabe. Sepp Leitner hatte ich schon immer im Augenwinkel, wenn es um meine Nachfolge ging. Er hat sich schon früher in der Gemeindepolitik bewährt. Mit ihm habe ich dann auch auf Landesebene – ich als Klubobmann, er als Parteiobmann – gut und eng zusammengearbeitet und ihn danach nach einer gewissen notwendigen Pause 2015 wieder in den Gemeinderat zurückgeholt. Jetzt brennt er wieder für diese Aufgabe. Ich bin überzeugt, dass er diese gut machen wird.

Kann man nach so vielen Jahren in der Gemeindepolitik einfach Schluss machen und abschalten? Oder gibt es Aufgaben oder Funktionen, die Sie noch in Zukunft übernehmen wollen?

Ich werde nicht als Besserwisser meinen Nachfolger mit Ratschlägen drangsalieren. Aber ich werde mich im Umweltbereich weiter engagieren – hier vor allem im e5-Team, auch auf Wunsch von Sepp Leitner. Und ich werde auch Präsident des Fußballvereins bleiben, ebenfalls auf Sepps Bitten, denn traditionell ist bei uns in Wieselburg immer der Bürgermeister auch Fußballclub-Präsident. Und ich bin sicher kein leiser Präsident.

Wie schaut es mit weiteren, eventuell neuen Ämtern aus?

Nein, zwar haben mich schon einige angeredet, aber ich werde nichts Neues übernehmen. Jetzt gehört die Zeit meiner Familie. Die hat in den vergangenen Jahren einige Entbehrungen hinnehmen müssen. Aber ohne die Unterstützung meiner Frau und meiner Familie wäre es ohnehin nicht gegangen, dieses Amt so lange und so intensiv auszuüben. Außerdem bin ich ein sehr sportlicher Mensch, lese gerne und habe viele Freunde. Fad wird mir also sicher nicht.

Zurück zu Ihnen als Bürgermeister. Sie haben einmal in einem Interview gesagt, diese politische Funktion sei Ihnen die liebste, weil sie die Unmittelbarste ist. Ist das immer noch so? Sie kennen ja auch die Seiten als Bundesrat und Landtagsabgeordneter.

Ja. Als Bürgermeister kann man wirklich gestalten und man bekommt das Ergebnis unmittelbar zu spüren. Bürgermeister zu sein ist eine wunderschöne, aber zugleich sehr fordernde und anstrengende Aufgabe. Denn es gibt immer auch Rückschläge. Bei mir war es etwa das Hochwasser 2009. Da steht man völlig hilflos da und fühlt sich doch verantwortlich. Aber insgesamt möchte ich diese 22 Jahre nicht missen.

22 Jahre, in den sich Wieselburg von einem ruhigen Städtchen zum pulsierenden Zentrum der Region entwickelt hat. Zufrieden?

Natürlich freue ich mich über diese Entwicklung. Jede Zeit hat eigene Rezepte, wie man arbeiten muss. Wieselburg war schon zum Beginn meiner Ära finanziell gut aufgestellt. Allerdings hat sich unser jährliches Gesamtbudget in diesen 22 Jahren verdreifacht. Das ist natürlich nicht nur ein Verdienst der Kommunalpolitik, aber wir als Gemeinde müssen auch die entsprechenden Rahmenbedingungen für eine positive wirtschaftliche Entwicklung schaffen. Und das haben wir.

Wenn Sie fünf Highlights Ihrer Amtszeit herausgreifen würden, welche wären dies?

Die Ortsumfahrung Wieselburg. Das war sicher das forderndste Projekt meiner Amtszeit, das 2020 zu einem guten Abschluss kommen wird. Die positiven Entwicklungen am Bildungssektor – von der Kleinstkinderbetreuung über die Ganztagsvolksschule bis hin zur Fachhochschule. Dass eine Stadt wie Wieselburg eine universitäre Ausbildung anbieten kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Bau des innerstädtischen City Centers, auch gegen einigen Widerstand damals bei der Errichtung, die ja mit dem Abriss des alten symbolträchtigen Brauerei-Gebäudes verbunden war.

Da hat es ja sogar Demonstrationen gegen den von Ihnen unterstützten Abriss gegeben?

Ja, aber das war die einzige Demonstration in meiner Amtszeit. Aber als Bürgermeister muss man auch Entscheidungen treffen, selbst bei Gegenwind. Trotz allem war das City Center wichtig für die Entwicklung des Stadtkerns, die jetzt mit der Gestaltung des ehemaligen Lagerhausareals weitergeht. Da wird es übrigens in den nächsten Tagen auch einen positiven Abschluss geben. Wir haben einen Investor gefunden. Bis zur Gemeinderatssitzung sollte das unterschriftsreif sein. Im Spätherbst soll die Gebäudestruktur mit einem Mix aus Geschäften, Ärztezentrum und Wohnungen errichtet werden.

Gibt es noch zwei weitere Höhepunkte für Sie?

Das Hotelprojekt – auch als Sinnbild für die gesamte gute Weiterentwicklung der Messe und der Wirtschaft in unserer Stadt. Und natürlich der ökologische Bereich mit dem e5-Projekt an der Spitze. Im Mai haben wir die Gold-Auditierung für das fünfte e. Wenn wir das bekommen wäre es die absolute Krönung.

Viele Punkte, von denen die meisten im Gemeinderat einstimmig beschlossen wurden.

Ja, es gab bisher rund 110 Gemeinderatssitzungen in meiner Amtszeit mit jeweils 30 bis 40 Tagesordnungspunkten. 99 Prozent der Beschlüsse waren einstimmig. Ich glaube, das ist in der Gemeindepolitik wichtig. Man hat seine Grundeinstellung, dennoch sollte Parteipolitik im Gemeinderat hinten angestellt werden. Wichtig ist es, ein konsensuales Klima aufzubauen und den Mitbewerber mitarbeiten zu lassen. So haben wir es im Gemeinderat und in der InRegion gehalten, auch wenn wir uns anfangs etwas schwer getan haben, das Kirchturmdenken wegzulassen.

Apropos Gemeinderat. Wann wird Ihre allerletzte Sitzung sein?

Am 20. März haben wir die nächste Gemeinderatssitzung. Diese wird meine letzte sein, inklusive Rechnungsabschluss 2018. Damit wird das Kapitel von mir abgeschlossen.