Wolfgang Schützenhofer hat das Kino geliebt. Schmerz und Schock sitzen tief, die Trauer in der Region ist groß. Kino-Betreiber und Orthopädie- und Schuhmachermeister Wolfgang Schützenhofer ist in der Vorwoche verstorben.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 19. Februar 2019 (08:17)
privat
Wolfgang Schützenhofer (56) wie man ihn kannte – zufrieden und immer mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen.

Ablenkung, auf andere Gedanken kommen, einer Arbeit nachgehen. All das waren Dinge, die Gerlinde Schützenhofer und ihre beiden erwachsenen Kinder Alexandra (31) und Benjamin (29) in der Vorwoche tun mussten. Denn Verstehen oder Einsehen konnten sie ohnehin nicht, was am Montag der Vorwoche passiert war. Ein Herzinfarkt riss den geliebten Ehemann und Vater Wolfgang Schützenhofer wie aus heiterem Himmel aus der Mitte der Seinen – mit 56 Jahren viel zu früh und ohne jede Vorwarnung.

Schützenhofer war sofort tot. Die Reanimationsversuche des Notarztteams blieben erfolglos. Am Montagabend dieser Woche fand eine Betstunde in der Pfarrkirche Wieselburg statt. Am Dienstag ist um 14 Uhr das heilige Requiem in der Pfarrkirche Persenbeug.

In Scheibbs aufgewachsen

Wolfgang Schützenhofer wuchs in Scheibbs auf. Sein beruflicher Werdegang war in seinem Elternhaus vorgezeichnet. Er erlernte das Handwerk des Orthopädie- und Schuhmachermeisters, legte Gesellen- und Meisterprüfung als Landesbester ab und übernahm 1989 das elterliche Schuhgeschäft in Scheibbs. Damals war er schon zwei Jahre mit seiner Gerlinde verheiratet und lebte in Persenbeug, wo er von Beginn an auch ins Kinogeschäft reinschnupperte. 1991 kam das Schuhgeschäft in der Wieselburger Bahnhofstraße hinzu.

1998 fassten Gerlinde und Wolfgang Schützenhofer den Entschluss, das Kino in Persenbeug zu schließen und in Wieselburg ein neues modernes Kino zu errichten. „Das war damals kein einfacher Schritt, vor allem für mich. Doch Wolfgang hatte das richtige Gespür. Seit 1999 sind wir mit dem Kino mal vier in Wieselburg und haben diesen Schritt nie bereut“, erinnert sich Gerlinde Schützenhofer. Wolfgang Schützenhofers normaler Arbeitstag dauerte seitdem meist mehr als zwölf Stunden. Um 9 Uhr im Schuhgeschäft, ab 18.30 Uhr im Kino. „Praktisch immer bis der letzte Film zu Ende war. Erst in den letzten Jahren, seit Benjamin auch im Betrieb mitarbeitet, wurde es etwas leichter“, erzählt die Witwe.

Lieblingsfilm: „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“

Einzig der Dienstag war für die Familie reserviert. Da machte man gemeinsame Ausflüge oder Wolfgang Schützehofer ging seiner anderen großen Leidenschaft neben dem Kino nach – dem Kochen. In seiner Jugend war Schützenhofer auch Klarinettist in der Stadtkapelle Scheibbs, spielte Saxofon und war Mitbegründer der Gruppe „Erlauftaler Echo“. Aber auch in der Orthopädie- und Schuhmacher-Innung war Schützenhofer ein gefragter Mann. „Er hat die Vorbereitungskurse und den Ablauf des Meisterprüfungsverfahrens organisiert. Das Schuhmacherhandwerk war trotz seiner Liebe zum Kino noch immer eine ganz spezielle Leidenschaft von ihm“, schildern seine Kinder Alexandra und Benjamin. Die beiden Schuhgeschäfte (insgesamt acht Mitarbeiter) werden vorerst auch ganz normal weitergeführt.

Auch das Kino mal vier in Wieselburg. Nur am Tag der Betstunde am Montag hatte es geschlossen. Sonst lief das Programm weiter. The Show must go on. „Wolfgang hätte es so gewollt“, ist Gerlinde Schützenhofer überzeugt. Übrigens: Der Lieblingsfilm von Wolfgang Schützenhofer: „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ mit Bud Spencer und Terence Hill.