Schubert von ZKW: „Versuchen Krise aktiv zu managen“. Für den Lichtsystemehersteller ZKW bringt 2020 tiefen Einschnitt in die Finanzzahlen.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 01. Juli 2020 (18:43)
Oliver Schubert, CEO der ZKW Group, will gestärkt aus der Krise hervorgehen.
ZKW

NÖN: Wie ist der aktuelle Stand bei ZKW – laufen die Produktionen auf Normalauslastung oder wird das Kurzarbeitszeitmodell verlängert?

Oliver Schubert: Die aktuelle wirtschaftliche Lage trifft die weltweite Automobilindustrie hart. Ein Ende der angespannten Situation ist noch nicht in Reichweite. Wir als Automobilzulieferer fahren daher bewusst auf Sicht. Denn auch die Abrufe unserer Kunden schwanken stark. Für die ZKW Lichtsysteme GmbH in Wieselburg ist das diesjährige Geschäftsjahr eines der schwierigsten. Die Absätze liegen deutlich unter den Erwartungen. Das Geschäftsjahr 2020 wird einen tiefen Einschnitt in die Finanzzahlen des Unternehmens bedeuten. Im Wieselburger Werk wird derzeit mit reduzierter Belegschaft produziert. Das Corona-Kurzarbeitsmodell ist ein sehr sinnvolles Instrument, um Kündigungen zu vermeiden und um auf die schwankenden Absatzzahlen mit der notwendigen Flexibilität reagieren zu können.

Fakt ist, der Automobilmarkt hat sich bereits vor der Corona-Krise abgekühlt

Gibt es Produktionen, die aktuell von den Auftraggebern gestoppt wurden oder deren Stückzahl vermindert wurde?

Beinahe alle Kunden haben durch die Werksschließungen niedrigere Abrufe als ursprünglich geplant. Diese fallen jedoch nach Ländern und Produktlinien unterschiedlich aus. Darüber hinaus ist auf Kundenseite zu beobachten, dass teilweise neue Fahrzeugprojekte verschoben beziehungsweise auch noch auf den Prüfstand gestellt werden und es auch zu Verschiebungen zum ursprünglich geplanten Serienstart kommen kann.

Wie schaut es mit Ihren Lieferanten aus? Kommt es zu Engpässen beim Rohmaterial?

Durch aktives Management unserer Lieferkette ist es gelungen, bis dato Lieferengpässe erfolgreich aufzulösen. Aufgrund der globalen Lieferantenstruktur ist und bleibt die Sicherstellung der Materialversorgung eine große Herausforderung. Wir evaluieren täglich, wie sich die ständig ändernden Rahmenbedingungen auf unsere Lieferanten auswirken.

Wie ist die Erwartung für den Herbst allgemein?

Leider lässt sich die Zukunft nicht exakt vorhersehen. Fakt ist, der Automobilmarkt hat sich bereits vor der Corona-Krise abgekühlt. Covid19 hat den Markt nur noch stärker einbrechen lassen. Wir als ZKW meinen, die Talsohle in diesem Kalenderjahr durchschritten zu haben. Jetzt gilt es, eine bestmögliche Balance zu schaffen zwischen Cash Management und der Vorbereitung von erforderlichen Innovationen. Wir begreifen für ZKW die Krise als Chance und wollen mit den richtigen Innovationen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Corona wird Veränderungen beschleunigen und der Markt wird sich bereinigen. Wir sehen eine Chance, auf die richtigen Schwerpunktthemen zu setzen und in Abstimmung mit unserem Eigentümer LG jetzt zu investieren. Wenn wir die Krise aktiv managen, gibt es Perspektiven auch in Hinblick auf prognostizierte 90 Millionen Fahrzeuge am Weltmarkt 2022. Wir sind sicher ein Unternehmen, das das Potenzial hat, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.