Wo Kaiser und Königskinder ruhen . Die Kapuzinergruft? Kennt man. Aber dass Österreichs, besser: Habsburgs Kaiser, Könige und Herzöge auch in Niederösterreichs Stiften, Schlössern, Kartausen und Kathedralen ihre letzte Ruhe gefunden haben, erzählt jetzt ein neues Buch von Habsburg-Kennerin Eva Demmerle.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 30. Oktober 2019 (03:33)
: Archiv Demmerle
Das Thronfolgerpaar und ihr tot geborenes Kind (in der Wandnische dahinter): FranzFerdinand und Sophie in der Marmorgruft in Schloss Artstetten.

Grüfte gibt es viele auf Österreichs Friedhöfen. Kapuzinergruft gibt es nur eine, am Wiener Neuen Markt. Und dort liegen immerhin zwölf Kaiser und 17 Kaiserinnen begraben. Oder: „400 Jahre österreichische und europäische Geschichte“, wie die Historikerinnen Eva Demmerle und Gigi Beutler schreiben.

Und doch ist die Kapuzinergruft nur eine von vielen kaiserlich-königlich-herzöglichen Begräbnisstätten zwischen Wien und Bozen. 29 von ihnen – oder „700 Jahre habsburgische Begräbniskultur“, so Karl Habsburg im Vorwort – haben Demmerle und Beutler für ihren jüngst erschienenen Text- und Bildband zusammengetragen, sechs davon in Niederösterreich. Und deren Geschichten sind fast so abenteuerlich – und fast so geheimnisvoll – wie die Geschichte so mancher Habsburger.

Wobei: Deren erste Grabstätte auf österreichischem Boden lag einst in Tulln, im längst aufgehobenen Dominikanerinnenkloster rund um die Heiligen-Kreuz-Kapelle. Dort sollen gleich 17 Königskinder von Rudolf bis Friedrich begraben worden sein, außerdem, der Legende nach, auch das Herz Rudolfs I. Heute liegen die Reste ihrer Gebeine in der Tullner Dreikönigskapelle neben der Stephanskirche.

„Denn sterben müssen alle Leuth …“ Abraham a Sancta Clara, Hofprediger bei Kaiser Leopold I.

In einem nach wie vor sehr lebendigen Kloster wird dagegen auch heute noch für das Seelenheil seiner Begrabenen gebetet: in Heiligenkreuz. Das Seelengebet gehörte nicht zuletzt auch zum Stiftungsauftrag, in diesem Falle der Babenberger Herzöge. Sieben von ihnen liegen im Heiligenkreuzer Kapitelsaal begraben, vor ihren steinernen Särgen brennt ständig eine Kerze.

Die nächsten Habsburger-Könige, Friedrich „der Schöne“ und Albrecht „der Lahme“, wurden in den Kartausen Mauerbach und Gaming zur letzten Ruhe gebettet. Und ein echter Kaiser, nämlich Maximilian I., ruht auch in Niederösterreich – ohne Prunk, in einen Sack aus Leinen eingenäht, und unter dem Hochalter der Wiener Neustädter Georgs-Kathedrale. Und noch eine dramatische Habsburger-Geschichte endete in Niederösterreich: die von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Sophie, beide ermordet in Sarajevo und begraben in der Gruft von Schloss Artstetten.