Es grünt so grün, wenn …. ... Griechenlands Bäume blühen. Mit traditionellen Dörfern, dichten Wäldern und malerischen Buchten ist die griechische Halbinsel Pilion ein Geheimtipp. Aber auch auf den Inseln Skiathos und Skopelos zeigt sich Griechenland von seiner schönsten und vor allem grünsten Seite.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 10. Juli 2019 (02:21)

„Wundern Sie sich nicht! Da die Landebahn so kurz ist, muss ich eine Schubumkehr durchführen und anschließend stark bremsen“, warnt der Pilot, bevor er für die Landung auf der griechischen Sporaden-Insel Skiathos ansetzt. Er verspricht nicht zu wenig: Sobald das Flugzeug den Boden berührt, werden die Passagiere mit aller Kraft gegen die Gurte gepresst. Verwunderte Ausrufe. Und anschließend: losgelöstes Lachen. So wird man auf Skiathos in den Urlaub katapultiert.

Damit ist die Aufregung aber schon beendet und die griechische Gemütlichkeit der nur 47 Quadratkilometer großen Insel breitet sich beim Anblick der Stadt Skiathos aus: weiße Häuser mit roten Ziegeldächern, die sich den Hang hinaufschmiegen. Davor eine Hafenpromenade und eine lange Fußgängerzone. Von hier geht es zu den über 60 Stränden auf der Insel. Einer davon, der bekannteste, ist der Koukounaries: Ein 600 Meter langer goldener, sichelförmig geschwungener Sandstrand, der in eine grüne Hügellandschaft übergeht, die zu ausgiebigen Wanderungen einlädt.

Richtung Norden gibt es vor allem Historisches zu entdecken, wie das Kloster Evangelistria, in dem 1807 die erste, neue griechische Fahne gewebt wurde. Weiter nördlich ragt das alte Kastro über dem Meer, in das sich im 14. Jahrhundert die Inselbevölkerung bei Piratenangriffen zurückzog. Heute spielt sich das Leben hauptsächlich an der Südküste und vor allem in Skiathos-Stadt ab, wo viele Bars und Restaurants auch nachts für ein reges Treiben sorgen.

Skopelos: Grüner, uriger Schatz

Wer es beschaulicher mag, steigt auf die Fähre und visiert die benachbarte Insel an: Das fast doppelt so große Skopelos, wo 2008 viele Szenen des Musical-Films „Mamma Mia“ gedreht wurden. Mit nicht weniger kristallklarem Wasser und noch mehr Grün ist die Insel noch näher am ursprünglichen Griechenland. Und vor allem uriger und weniger vom Tourismus geprägt. „Das wollen wir auch nicht anders“, erzählt Vizebürgermeisterin Athina Mouria von dem verhängten Baustopp, damit die Insulaner ihren „grünen Schatz“ – 80 Prozent Waldfläche – weiterhin hüten können. Riesige Wälder aus Kiefern, Oliven- und Pflaumenbäumen bilden ein Paradies für Wanderbegeisterte. Dazwischen winken über 370 Kirchen, Kapellen und Klöster.

Doch nicht nur die Natur wird wie ein Schatz bewahrt, sondern auch die Altstadt von Skopelos. Weiße Häuser mit roten traditionellen Schiefer- oder Ziegeldächern, zwischen denen die Gassen verwinkelt bergauf verlaufen. Eingerahmt vom tiefblauen Wasser der Ägäis und dem kräftigen Grün der bewaldeten Hügel will man sich hier seinen Charakter bewahren. Mit Erfolg: Während ältere Herren in den Abendstunden am Hafen bei einem Gläschen Tsipouro zusammensitzen, spielen Kinder ein paar Schritte weiter, zwischen Tavernen, Meer und kleinen Verkaufsständen Ball. Dazwischen, in alten Häuschen, wird Handwerkskunst gelebt und der nächsten Generation weitergeben – so, wie Nikos Rodios, der in dritter Generation eine Töpferei betreibt. Mit der gleichen fußangetriebenen Töpferscheibe, wie es auch sein Großvater vor hundert Jahren tat.

Einen kurzer Spaziergang die Gassen hinauf verkauft Michalis Trantas seit über dreißig Jahren „Cheese pie of Skopelos“: Ziegenkäse oder süße Creme in Blätterteig, der zu einer Schnecke geformt wird. Schon Pierce Brosnan hat die von Trantasʼ Mutter zubereitete Köstlichkeit gekostet, als er im Zuge der Dreharbeiten für „Mamma Mia“ zu Besuch war.

Pilion: Natürliche Schönheit

Apropos: Für noch mehr „Mamma Mia“ geht es via Fähre auf die Halbinsel Pilion. Spätestens auf dem Weg zum Küstendorf Damouchari, einen weiterer Drehort, treten Meryl Streep und Pierce Brosnan in den Hintergrund und die Besonderheit des Pilions entfaltet sich: Hier ticken die Uhren wie noch vor Jahrzehnten. Tiefe Wälder, alte Dorfsiedlungen und Fischerdörfer nehmen den Blick ein. „Tourismus findet nur nebenbei statt“, erklärt Despina Tselios, Hotelierin in Chorefto, dass man hier eher auf Agrarwirtschaft eingestellt sei. 15 Millionen Tonnen Äpfel werden jährlich in der Gegend geerntet. Obst und Gemüse werden eingelegt, die Eier für das Frühstück direkt aus dem Hühnerstall geholt, während die Gemüselieferung im offenen Wagerl erfolgt. Diese Ursprünglichkeit möchte man sich auch an anderen Orten am Pilion bewahren, wie in Makrinitsa, dem „Balkon des Pilion“ in der Nähe der Stadt Volos: Eingebettet in die grüne Landschaft des Berges säumen Wege aus Kopfsteinpflaster die kleinen Läden, die lokale Produkte wie Kräuter, Nudeln und Marmeladen anbieten.

Auch eine nostalgische Schmalspurbahn gibt es auf dem Pilion: Bevor die Bahntrasse 1996 als Touristenattraktion aktiviert wurde, brachte die Dampflokomoti-
ve von 1895 bis 1971 Menschen und Waren schnaufend auf den Berg. Keine Schmalspurschienen, sondern enge, kurvenreiche Straßen führen in das Stranddorf Chorefto auf der nordöstlichen Seite der Halbinsel. Klein und ursprünglich mit ein paar Tavernen, Minimärkten und einem zwei Kilometer langen Strand. „Ich liebe diesen Ort, weil er sehr natürlich ist“, schwärmt Tselios und spricht dabei vielen Pilion-Wiederkehrern aus der Seele: grünes, gebirgiges Hinterland einerseits, blau-türkises Meer mit weiß-goldenem Strand andererseits. Da wie dort mit einer beschaulichen Ruhe, wie es sie selten woanders gibt. Kaum zu glauben, dass dieser Geheimtipp nach wie vor unentdeckt ist.