Wandern Mostviertel: Vordere Tormäuer mit Trefflingfall. Was könnte es an heißen Sommertagen Besseres geben als durch ein kühles Flusstal zu wandern und einen der längsten Wasserfälle Niederösterreichs, den Trefflingfall, zu bewundern. Wer mutig ist, der schmeißt sich kurz zum Abkühlen ins frische Nass - ob in die Erlauf oder aber den Trefflingsfall. Für die "Erfroreneren" wie mich reicht es, unweit des Wasserfalls zu stehen: herrlich, den Sprühregen auf der Haut zu spüren. Soll wie der Mairegen wirken, der ja bekanntlich jung und hübsch macht!

Erstellt am 08. Juli 2021 (08:29)
Trefflingfall
Die Reisereporter

Durchs kurvige Pielachtal fahren wir bis nach Puchenstuben, einem hübschen Ort im Ötscherland. Hier zweigen wir rechts Richtung Trefflingfall auf eine kleine Nebenstraße ab. Nun geht es hinunter ins Tal - so lange, dass wir zwischenzeitlich stehen bleiben und uns vergewissern, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Also keine Sorgen, einfach weiter fahren, ihr landet direkt beim Parkplatz. Rechterhand der Trefflingfallhütte beginnt unser Wanderweg, der uns zuerst über eine kleine Brücke auf die andere Seite des sanft dahin plätschernden Baches führt. Dass aus dieser sanften Wassermelodie bald ein tosender Wasserfall werden soll, können wir uns so gar nicht vorstellen. Zuerst wandern wir entlang einer saftigen Wiese, dann erreichen wir den Wald. Es ist einfach: immer dem Weg entlang! Der Bach bleibt klein und langsam dahin fließend, spannend...

Trefflingfall
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Vor dem Abstieg zum Wasserfall ladet ein Bankerl zum Rasten - für die Fallaufwärts-Kommenden sicher angenehm zum Pausieren, wir gehen gleich weiter. Das Rauschen nimmt an Stärke zu und die Spannung steigt. Da ist er - aus dem sanften Bächlein ist ein laut sprudelnder Fall über die stattliche Länge von rund 120 Metern geworden. Faszinierend, welch unterschiedliche Formen an Wasserläufen und Melodien wir nun erleben. Mal spritzt das Wasser seitlich gleich einer Fontäne heraus, mal kreist es in einer von seiner Gewalt geschaffenen Höhle und mal tropft es wie ein Regenvorhang von den moosigen Felsen herab. Mit einem hübschen Wasserfall haben wir gerechnet, dass dieser aber über so viele Meter gen Tal stürzt und dabei schier unendliche Formen hervorbringt, überwältigt uns. Wir müssen uns losreißen, um nicht Stunde um Stunde hier zu verweilen und dem Trefflingfall zu lauschen.

Unten angelangt wenden wir uns nach links und folgen der Erlauf. Nicht minder beeindruckend ist das Flussbett mit seinen pastellgrünen bis tiefblauen Farbverläufen und den schroffen Felsen ringsum. Schon bald gelangen wir zum Toreck, eine rund 100 Meter lange Schlucht. Hier ist die Erlauf am engsten zwischen den Felsen eingezwängt - ein herrlicher Anblick für uns Wanderer. Der Holzsteg führt eng am Felsen entlang und gibt beeindruckende Ausblicke von oben auf die tosenden Fluten frei.

Trefflingfall
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Bald danach wechseln wir auf einer Brücke die Flussseite und nun geht es auf einem hübschen Steig immer auf dieser Seite weiter. Die Erlauf sucht sich in großen Bögen ihren Lauf durch das Tal, immer wieder laden Steine und Strände zum Hinuntersteigen ein. Wer möchte, der kann in die Badehose steigen und die Kühle der Erlauf genießen. Hier am Fluss findet ihr perfekte Möglichkeiten für eine Auszeit - abgesehen vom Zwitschern der Vögel und den Melodien des Wassers hören wir nichts. Einfach herrlich! Bei unserer Wanderung treffen wir bis auf den Abschnitt beim Wasserfall selbst keine anderen Wanderer, wir sind aber unter der Woche unterwegs. Wollt ihr die Einsamkeit und Stille genießen, dann empfehlen wir euch, nicht am Wochenende zu kommen.

Zum Wegverlauf selbst gibt es nicht viel zu sagen - immer dem Fluss entlang und nichts kann schief gehen. Tut gut, einfach so dahin zu schlendern, ohne groß schauen zu müssen. Einfach genießen und abschalten. Apropos abschalten: Handyempfang gibt es auf weiten Teilen keinen! Der Steig ist angenehm und einfach zu gehen. Gutes Schuhwerk ist wie immer in solchen Regionen Voraussetzung.

Trefflingfall
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Unser Weg wird von einem romantischen Wald umrahmt, der immer wieder nicht nur für die Fotografen unter euch, sondern für jeden, der liebliche und zugleich kontrastreiche Landschaften schätzt, stimmungsvolle Bilder zaubert. Wasserfälle, Wirbel und unterschiedliche Flusslandschaften bieten unendlich viele Impressionen - wie gesagt, hier kann man sich zwar aus meiner Sicht nicht verirren, aber die Zeit komplett vergessen!

Am unteren Ende angelangt, könnt ihr ein bisschen weiter gehen als unser Track anzeigt und in Trübenbach das Holzknechtmuseum besuchen. Wer hungrig oder durstig ist, der kann im Gasthof Alte Schule neue Kraft tanken.

Ist die Panoramastraße wieder geöffnet, dann könnt ihr über die Brücke nach links weiter gehen und so den Rückweg antreten. Dazu empfehle ich aber, vorher im Gemeindeamt nachzufragen, da unten keine Tafel die Wander-Sperre anzeigt.

Der Rückweg ist gleich dem Hinweg - wobei das Wort "gleich" sich nur auf die Wegführung bezieht - die Natur schaut aus dieser Perspektive wieder gleich ganz anders aus und auch der Wasserfall wirkt im Aufstieg so unterschiedlich zum Abstieg. Plant auch hier am besten mehr "Sightseeing"-Zeit ein, als ihr normalerweise für den Weg brauchen würdet!

Noch viel mehr von dieser Wanderung wie Wanderkarte, GPS-Track und viele Fotos unter: www.diereisereporter.at

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