Springend und rutschend durch die Natur. So nass ist kaum ein anderes Abenteuer in Österreich: Bei Canyoning-Touren geht es im Neoprenshirt durch Schluchten und Wildgewässer.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 17. April 2019 (13:48)
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„Wo sind die Boote?“ Schmunzelnd erinnert sich Susi Rosenegger an die Verwunderung von Kunden zurück, als sie diese bei einer Canyoning-Tour begrüßte. Denn Canyoning hat nichts mit Kanus zu tun. Sondern mit Springen, Rutschen und Abseilen. Genauer gesagt versteht man unter Canyoning das Begehen von Schluchten und Klammen − begleitet von spektakulären Rutschen und Sprüngen in glasklare Wasserbecken, Waten durch Flüsse und Abseilfahrten durch Wasserfälle.

 „Es ist meine Aufgabe als Guide so viel Unterstützung und Sicherheit zu geben, dass es für jeden funktioniert.“Canyoning-Führeri Susi Rosenegger

Derzeit sind die Schluchten Österreichs noch unbesucht. Erst wenn der Schnee geschmolzen und der Wasserstand niedrig genug ist, kann das Rutschen und Springen wieder beginnen. Dafür braucht man weder außerordentlich sportlich noch ein Kletterer sein, sondern einfach Trittsicherheit im Gelände an den Tag legen. Und vor allem: keine Scheu vor Wasser haben. Denn nass, verspricht Rosenegger, wird man auf jeden Fall.

Seit zwölf Jahren bietet sie mit Roland Hatzenbichler und Gerald Kammerhuber und ihrem Unternehmen „Outdoorfriends“ in Salzburg, Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich Canoying-Touren an – für Jung, für Alt und einfach jeden, der die Kraft der Natur hautnah erleben möchte. „Die meisten kommen wegen der Action!“, erzählt die Canyoningführerin. Für sie selbst ist es das Naturerlebnis: „Die Landschaft, das kristallklare Gebirgswasser, das Springen in Gumpen hinein und die natürlichen Wasserrutschen aus Fels und Moos. Das ist einfach etwas ganz Besonderes!“

Für Einsteiger und Familien mit Kindern ab zwölf Jahren bietet sich die Taglesbach-Schlucht im Ötschergebiet an. Das Beste dabei: Es gibt die Möglichkeit, viele Sprünge und Rutschen zu umgehen. „Das bedeutet gleichzeitig, dass dort, wo man beim Umgehen runter, auch wieder rauf kommt. Dadurch kann jeder, der mag, gerne ein zweites Mal rutschen oder springen.“

Aktuell heißt es allerdings noch warten mit dem Rutschen und Springen, denn die Canyoning-Saison startet erst in ein paar Wochen. Im Taglesbach dauert es oft recht lange, bis das Schmelzwasser abgeflossen ist und der Wasserstand eine gefahrlose Tour ermöglicht. Sobald die Naturgegebenheiten passen, kann es losgehen: Mit Neoprenshirt und Badehose beginnt die Tour beim Schützenwirt nahe Lackenhof. Nach einem kurzen Aufstieg wird beim Einstieg der Schlucht die komplette Ausrüstung inklusive Gurt und Helm angelegt.

Mit einer Rutschenfahrt beginnt die Tour. Anschließend wechseln sich in den darauffolgenden zwei bis drei Stunden kurze Geh- bzw. Kletterpassagen mit Rutschen und Sprüngen ab.

Abgeseilt wird in der Taglesbach-Schlucht nur ein Mal – und das über eine Höhe von zehn Metern. Alle anderen Steilstufen können gerutscht, gesprungen oder − wenn sich Teilnehmer zu unsicher sind − umgangen werden. „Es ist meine Aufgabe, als Guide so viel Unterstützung und Sicherheit zu geben, dass es für jeden funktioniert“, schildert die Canyoningführerin. Das sei auch das Schönste an ihrem Job: „Wenn Leute aus der Tour kommen und stolz darauf sind, sich getraut zu haben und dich diese Freude und dieses Glück auch spüren lassen.“